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Babyfreundliches Krankenhaus: Bindung statt Entbindung

19.03.2012, 09:48 Uhr | mmh, t-online.de

Babyfreundliches Krankenhaus: Bindung statt Entbindung. Hautkontakt, Stillen und Aufmerksamkeit: Das fördert die Mutter-Kind-Beziehung.  (Quelle: imago)

Hautkontakt, Stillen und Aufmerksamkeit: Das fördert die Mutter-Kind-Beziehung. (Quelle: imago)

Eigentlich ist das Wort falsch: Es dürfte nicht Entbindungskliniken heißen, sondern Bindungs-Kliniken, schließlich geht es genau darum, die intensive Bindung zwischen Mutter und Kind nicht mit dem Kappen der Nabelschnur zu trennen, sondern zu pflegen und zu festigen. Genau dies tut das "babyfreundliche Krankenhaus". Kliniken, die weltweit mit diesem Siegel ausgestattet sind, haben einen ganz besonderen Kodex im Umgang mit Mutter und Kind. In Deutschland gibt es 65 davon, die diesem hohen Betreuungsstandard genügen. Wir stellen Ihnen diese zehn Kriterien des "babyfreundlichen Krankenhauses" vor.

Bindung durch Stillen und Hautkontakt

Das erste Mal das Baby in die Arme nehmen, spüren, streicheln, anschauen - einer der intensivsten Momente im Elternleben. Viel Hautkontakt und vor allem Stillen sind in den ersten Stunden nach der Geburt wichtig für das "Bonding", für das Stärken der Mutter-Kind-Beziehung. Das sollte in jeder Entbindungsklinik möglich sein, ist es aber leider nicht. Aber Kliniken, die das Siegel "Babyfreundliches Krankenhaus" tragen, garantieren dafür.

Noch zu wenige Kliniken sind babyfreundlich

65 Kliniken tragen in Deutschland dieses Siegel. "Nicht viel oder? Wenn man bedenkt, dass es in Deutschland 852 Entbindungskliniken gibt?" Gibt Susanne Schiering-Rosch zu bedenken. Sie ist zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des jetzt am frischesten ausgezeichneten babyfreundlichen Krankenhauses, dem St. Josefs-Hospital in Wiesbaden. Das Siegel zeigt Picassos Bild "Maternity".

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Die Initiative arbeitet weltweit. WHO und UNICEF starteten 1991 das internationale Programm "Babyfriendly Hospital Initiative“, um durch verbesserte Rahmenbedingungen in Geburtskliniken die Eltern-Kind-Bindung, die Entwicklung der Kinder und das Stillen zu fördern. Die World Health Assembly (WHA), das höchste Entscheidungsorgan der WHO, betont immer wieder, welche Bedeutung die Initiative "Babyfreundliches Krankenhaus" für die Ernährung von Babys und Kleinkindern hat. Weltweit gibt es inzwischen rund 20.000 babyfreundliche Krankenhäuser in 150 Ländern. Etwa 500 babyfreundliche Krankenhäuser davon befinden sich in Industriestaaten. Als weltweit erstes Krankenhaus wurde die Kinderklinik des St. Joseph-Krankenhauses in Berlin als "Babyfreundliche Kinderklinik“ anerkannt.

Das sind die Ziele

"Ziel der Initiative ist es, die Bindung von Eltern und Neugeborenem zu schützen und das Stillen zu fördern", heißt es auf den Internetseiten der Initiative. Bei Kinderkliniken kommen besondere Leistungen bei der Betreuung von Frühgeborenen oder kranken Neugeborenen und deren Eltern hinzu. Die hochtechnisierte Intensivmedizin der Neonatologie wird durch ein babyfreundliches Betreuungskonzept ergänzt. Babyfreundliche Kinderkliniken sollen die Bindung der Eltern zu ihrem kranken oder frühgeborenen Neugeborenen schützen und fördern. Speziell fortgebildetes Personal hilft der Mutter, ihr Kind zu stillen oder mit Muttermilch zu ernähren.

Das zeichnet die babyfreundlichen Krankenhäuser aus

Rund 50 weitere Krankenhäuser streben in Deutschland die Zertifizierung mit dem Siegel an und bereiten sich derzeit darauf vor. Im Internet finden Eltern eine Liste der Krankenhäuser (www.eltern.babyfreundlich.org). Außer an einem Siegel erkennen werdende Eltern babyfreundliche Krankenhäuser an folgenden Kriterien:

  • Der beste Start für Sie und Ihr Kind: Babyfreundliche Krankenhäuser fördern den optimalen Start in eine gute Beziehung mit Ihrem Baby. Sie können rund um die Uhr mit Ihrem Kind zusammen sein. Von Beginn an sind auch Ihr Partner und Ihre anderen Kinder in die Pflege und Betreuung des neuen Familienmitglieds einbezogen. Das Klinikpersonal ermutigt Sie und Ihren Partner zu viel Hautkontakt mit Ihrem Baby: Am besten liegt es nur mit einer Windel bekleidet auf Mamas oder Papas nacktem Oberkörper (Känguru-Pflege).
  • Speziell geschultes Personal: Sie brauchen jetzt viel Rücksichtnahme, Zeit und Muße, aber auch kompetente Unterstützung. Die Mitarbeiter in Babyfreundlichen Krankenhäusern helfen Ihnen, die wichtige erste gemeinsame Zeit mit Ihrem Baby optimal zu gestalten. So bekommen Sie einfühlsame Beratung und praktische Hilfe zum Beispiel beim Stillbeginn. Das Personal vermeidet störende Krankenhausroutinen und plant alle pflegerischen und medizinischen Maßnahmen so, dass Sie sich in Ruhe Ihrem Baby zuwenden und es nach Bedarf stillen können.
  • Stillen von Anfang an: Babyfreundliche Krankenhäuser fördern das Stillen, weil Muttermilch nach wissenschaftlichen Erkenntnissen die beste Säuglingsnahrung ist und Ihr Baby zudem mit natürlichen Abwehrstoffen versorgt. Die Mitarbeiter sind speziell zum Thema Stillen geschult und begleiten Sie durch die sensible Phase des Stillbeginns. Studien zeigen, dass sich früh gestillte Neugeborene besonders gut entwickeln und dass Mütter mehr Freude am Stillen haben, wenn sie möglichst früh damit beginnen und korrekt angeleitet wurden. Sollte das Zufüttern medizinisch notwendig sein, kennen babyfreundliche Krankenhäuser erprobte Methoden, die das Stillen nicht beeinträchtigen.
  • Wenn Sie nicht stillen: Auch wenn Sie nicht stillen können oder wollen, sind Sie in babyfreundlichen Krankenhäusern gut aufgehoben. Gerade für nicht stillende Mütter ist der intensive Hautkontakt zu ihrem Baby sehr wichtig und auch sie profitieren davon, wenn sie beim Aufbau einer guten Beziehung zu ihrem Kind unterstützt werden.

Quelle: http://eltern.babyfreundlich.org/babyfreundliche-kliniken.html

Werbung wird verbannt

Hinter diesen trockenen Worten verbirgt sich ein radikaler Wandel in der Geburtsbetreuung in Kliniken. Eltern wird ein viel stärkeres Selbstbestimmung- und Mitspracherecht eingeräumt, sie sollen sich wohlfühlen und sicher im Umgang mit ihrem Baby werden. Außerdem wird ganz klar der Einfluss der Pharma-Industrie und der Hersteller für Babynahrung zurückgedrängt, wie folgende Selbstverpflichtung deutlich macht:

  • Die Klinik macht keine Werbung für künstliche Säuglingsnahrung, verteilt keine Proben.
  • Sie macht keine Werbung für Säuglingsnahrungsfirmen, hat keine Hefte, Bilder, Kugelschreiber etc. mit Firmenlogo.

  • Sie nimmt keine Geschenke für das Personal an.

  • Sie nimmt kein Sponsoring für Fortbildungen und sonstige Veranstaltungen an von Firmen, deren Produkte gegen den Kodex verstoßen

  • Sie berät jede Mutter individuell zur Ernährung ihres Kindes.

  • Sie hält den Internationalen Kodex einschließlich der zugehörigen WHA-Resolutionen ein. 

Hoher Einsatz am Krankenhaus

Von den zertifizierten Kliniken wird also einiges erwartet. In Wiesbaden ging der Zertifizierung zum babyfreundlichen Krankenhaus eine intensive dreijährige Vorbereitungsphase voraus. Wichtigstes Element waren dabei, so Schiering-Rosch, vielfältige Fortbildungen von Hebammen, Kinderkrankenschwestern und Ärzten des Geburtshilfeteams und die Umsetzung und genaue Einhaltung der Stillrichtlinien. Aus dem Team wurden zwei Mitarbeiterinnen zu Laktationsberaterinnen weitergebildet. "Die Umsetzung der Stillrichtlinien erfordert in der alltäglichen Arbeit Umstrukturierungen und einen enormen Zeitaufwand. Das Ziel war jedoch für alle klar: möglichst vielen Müttern das Stillen nahezubringen, sie in Theorie und Praxis anzuleiten, den ununterbrochenen Hautkontakt nach der Geburt - mindestens eine Stunde lang - zu ermöglichen, genauso wie ein erstes Anlegen noch im Kreißsaal, ungestörtes Trinken an Mutters Brust ohne feste Zeiten, und dass Baby und Mutter gegebenenfalls auch der Vater Tag und Nacht zusammen sein können."

Mütter und Team sind zufriedener

Der Einsatz lohnt sich, 86 Prozent der Mütter, die im St. Josefs-Hospital Wiesbaden entbinden, stillen ausschließlich. "Dass diese Ziele für die Organisation einer Abteilung herausfordernd sind, kann man sich vorstellen, aber das Team hat gemerkt, dass die Mütter zufriedener sind, weil sie sich sicherer fühlen im Umgang mit ihrem Kind und dem Stillen. Die Babys sind viel ruhiger und entspannter. Und die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind auch zufriedener, da es sehr viel positives Feedback von den Eltern gibt", so ist Schiering-Roschs Fazit.

Viele babyfreundliche Krankenhäuser betreuen Mutter und Kind auch nach der Entlassung und laden beispielsweise in das Stillcafé oder veranstalten Stilltreffs schon in der Geburtsvorbereitung. Kochkurse, Babybazare oder Umstands-Modenschauen runden die Betreuung ab.

Werdende Eltern achten bewusst auf das Siegel

In Wiesbaden erwartet man, dass die Auszeichnung zum Image und zur Nachfrage beitragen wird, denn viele werdende Eltern achten darauf, ob das Haus ein zertifiziertes “Babyfreundliches Krankenhaus” ist. Doch es ist nicht nur ein Imagegewinn für das Unternehmen, auch das Personal profitiert davon: "Der Prozess spielte auch für die Personalentwicklung und -zufriedenheit eine große Rolle. Das Team arbeitet nun harmonischer zusammen, da es verbindliche Standards gibt und man berufsgruppenübergreifend die 'gleiche Sprache' spricht."

ratgeber.t-online.de - Entbindung im Geburtshaus: Vor- und Nachteile

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