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Fötus-Partys: 3D-Ultraschall im Trend

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Babywatching  

Fötus-Partys sind ein fragwürdiger Trend

18.06.2012, 15:01 Uhr | Spiegel Online

Fötus-Partys: 3D-Ultraschall im Trend. "Fötus-Partys" werden zum neuen Trend - doch Experten sehen das kritisch. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

"Fötus-Partys" werden zum neuen Trend - doch Experten sehen das kritisch. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Krabbelgruppen sind Schnee von gestern, heute gibt es Fötus-Partys. In geselliger Runde bestaunen werdende Eltern das Ungeborene im 3-D-Ultraschall. Babywatching ist beliebt und für die Anbieter lukrativ - ungeachtet seiner Risiken.

Prominente machen es vor

Coleen und Wayne Rooney wollten ihr Glück nicht für sich behalten. Englands Top-Stürmer und seine Gattin wollten es teilen, mit ihren Familien, mit ihren Freunden. Das Paar lud zu sich ein, um ein besonderes Fest für ihr Baby zu feiern, den ungeborenen Fötus, seit vielleicht 25 Wochen im Bauch von Coleen: In 3D konnten die werdenden Eltern und ihre Freunde das Kind auf einem gemieteten High-Tech-Ultraschallgerät dabei beobachten, wie es gähnte und seine Zunge herausstreckte.

Der britische Fußballstar und seine stets medienpräsente Ehefrau sind zwar keine Durchschnittseltern, doch offenbar wollen immer mehr werdende Mütter und Väter in reichen Industrieländern, was sich das britische Glamour-Paar 2009 wünschte: Gemeinsam mit Freunden einen Blick auf das ungeborene Kind werfen, das Unsichtbare sichtbar, die Zukunft greifbarer machen.

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Babywatching in der Shopping-Pause

Fötus-Partys sind im Kommen. Die Anbieter nennen ihre Räumlichkeiten Studios, ein Arzt ist nur selten im Team. Es geht darum, unvergessliche Momente in der Schwangerschaft zu schaffen und sie dann per Bild und Ton festzuhalten. In den USA bieten die Studios ihre Dienste sogar schon in Einkaufszentren an: Babywatching in der Shopping-Pause.

Geschäftstüchtigen Menschen ist längst klar: Werdende Eltern sind eine zahlungswillige Klientel. Ihre besonders große Liebe zum Ungeborenen besiegeln sie mit einem besonders großen Ultraschall-Paket. Bei der Firma Babyscan etwa können sie das "4D Baby Bonding Gold Package" für 195 Pfund (rund 230 Euro) kaufen. 4D steht für die vierte Dimension, die bei den Ultraschalluntersuchungen die Zeit ist. Zusätzlich zu vier Hochglanzbildern bekommen die Kunden hier eine 20-minütige DVD mit Videosequenzen ihres ungeborenen Kindes, ein "lustiges Mousepad" mit Fötusmotiv und einen kuscheligen Teddybär, der auf Bauchdruck statt zu brummen, die fetalen Herztöne abspielt.

Bei Womb with a View gibt es im Schlussverkauf für 219 Pfund (rund 260 Euro) das "Ultimate Complete Platinum"-Paket und bei Cocoon kann man den "Platinum Deal" für satte 270 Pfund (320 Euro) abschließen: Die Schwangere erhält hier noch eine iPod-Video-Datei. So kann auch im Nachhinein noch jeder quasi live beim "ersten Treffen" dabei sein.

Ultraschall "zur Unterhaltung missbraucht" - das sagen die Kritiker

Doch reicht für eine medizinische Hightech-Untersuchung der Wunsch aus, entdecken zu wollen, "wessen Lippen und Nase das Baby hat", wie die britische Firma Womb with a View wirbt? Die deutschen Fachgesellschaften meinen: Nein. "Eine Ultraschalluntersuchung allein zur Anfertigung von Erinnerungsbildern oder -videos ist aus medizinischer Sicht abzulehnen", sagt Eberhard Merz, ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (Degum). Und Großbritanniens Chefhebamme Cathy Warwick schimpfte Anfang des Jahres über die Kommerzialisierung der Schwangerschaft: "Überall im Land tauchen Services für Fötus-Partys auf", schrieb die Leiterin des Royal College for Midwives (Hebammen) in einer Kolumne der britischen BBC. "Zu Diagnostikzwecken gedachte Ultraschalluntersuchungen werden jetzt zur Unterhaltung missbraucht."

Dass es sich bei der Fötusbesichtigung um eine richtige Marktlücke handelt, haben auch deutsche Unternehmer erkannt. Bei Babyfacing im bayerischen Aiching kann eine Schwangere über eine 24-Stunden-Hotline Baby-TV-Termine auch am Abend oder am Samstag vereinbaren. Gut 60 Kilometer weiter in Konzenberg bietet eine Heilpraktikerin Ultraschall in 3D und 4D an. Für die Weiterverarbeitung der Bilder können sich Eltern dann an den Münchener Maler Richard Fuchs wenden, der die Ultraschalldokumente auf Leinwände druckt und diese in den Farbtönen Lolli, Frühling, Apfel, Lagune oder Schoko einfärbt.

"Wenn etwas fehlt, dann sehe ich das schon"

Die beiden Ultraschallstudios bieten keine medizinische Diagnostik an, ein Arzt ist nicht mit im Team. Bei Babyfacing unterschreiben Schwangere sogar, dass es sich bei den Ultraschallsitzungen nicht um diagnostische Maßnahmen handelt. Auch die Heilpraktikerin Sabine Bayr-Seifert sagt werdenden Müttern: "Ich mache schöne Bilder und Filme, aber keine medizinische Untersuchung." Andererseits ist sie überzeugt: "Wenn was fehlt, dann sehe ich das schon."

Der lapidar formulierte Satz birgt einen tiefen Abgrund: Was passiert, wenn beim Babyfernsehen eine Störung in der Entwicklung des Kindes festgestellt wird? Wenn ein Organ zu groß oder zu klein ist? Für jede Schwangere wäre das erst einmal eine schreckliche Nachricht. Ein Arzt könnte die Frau mit seinem Fachwissen beraten, sie beruhigen oder zu einem Spezialisten weiterleiten. Ob das Personen ohne medizinische Ausbildung gelingt, ist höchst fragwürdig.

Frauenarzt Eberhard Merz, der die Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am Frankfurter Krankenhaus Nordwest leitet, kennt viele Fälle, in denen Mediziner bei Ultraschalluntersuchungen Auffälligkeiten entdecken und ihre Patientinnen dann in spezialisierte Praxen schicken: "Ein unauffälliger Ultraschall in der zwölften Schwangerschaftswoche garantiert nicht, dass auch beim Organultraschall in der 20. Woche alles gut ist", sagt der Spezialist.

Günstiger 3-D-Tarif gesucht

Bislang waren es in Deutschland hauptsächlich Frauenärzte, die zusätzliche Ultraschalluntersuchungen anboten - und dafür ebenfalls kräftig kassierten. Im Hamburger Gynäkologikum etwa zahlt eine Frau 190 Euro für eine 30-minütige Sitzung, schöne Bilder und eine DVD. Am Frankfurter Klinikum Nordwest kann sich eine Schwangere am Ende ihrer Untersuchung ebenfalls Erinnerungsstücke kaufen: Farbbilder für 40 Euro oder eine DVD für 100 Euro. Auch in einigen Universitätskliniken schalten die Ärzte auf 3D um - meistens sogar kostenfrei. "Mitunter kann ich eine ängstliche Frau beruhigen, wenn ich ihr das Kind in der 3D-Ansicht zeige", erklärt Monika Rehn, Oberärztin in der Frauenklinik des Universitätsklinikums Würzburg.

In Internetforen suchen Schwangere schon nach dem günstigsten 3-D-Tarif in ihrer Umgebung. Im "Babyforum" etwa berichtet eine Nutzerin, dass ihr Arzt sie für 95 Euro bei jedem Termin per Ultraschall untersuche und ihr am Ende der Schwangerschaft eine CD mit 4-D-Aufnahmen geben werde. Nutzerin "Schtäffi" antwortet: "Wow. Jedes Mal 3- bzw. 4D ist ja super. So eine Ultraschall-Flatrate bietet mein Doc leider nicht an."

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