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Trisomie-Bluttest: Neue Debatte um Down-Syndrom-Diagnostik

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Down-Syndrom  

Neuer Bluttest befeuert Debatte um vorgeburtliche Diagnostik

21.08.2016, 10:38 Uhr | Andrea Hentschel, t-online.de, AFP

Trisomie-Bluttest: Neue Debatte um Down-Syndrom-Diagnostik. Neuer Bluttest zur Analyse des Embryo-Erbguts.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Neuer Bluttest zur Analyse des Embryo-Erbguts. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Ist der neue Trisomie-21-Test "illegal"? Das zumindest sagt ein Rechtsgutachten. Dabei klingt alles so verheißungsvoll: Mit ein paar Tropfen Blut sollen werdende Eltern künftig Klarheit erhalten, ob ihr Kind das Down-Syndrom hat.

Die Konstanzer Firma LifeCodexx bringt einen Test auf den Markt, der eine Trisomie 21 schon in einer Blutprobe der Schwangeren erkennt und riskante Fruchtwasseruntersuchungen in vielen Fällen überflüssig machen soll. Zugleich befeuert der sogenannte PraenaTest aber auch die alte Debatte über die vorgeburtliche Diagnostik. Kritiker warnen vor einer Stigmatisierung von Behinderten. Bei diesem Test stehen viele Interessen und Interessensgruppen gegeneinander: Ethik, Pharma-Industrie, werdende Eltern, Ärzte.

Neu: Analyse des Erbguts ohne Fruchtwasseruntersuchung

Im Blut von schwangeren Frauen finden sich Teile der Erbinformation des Embryos, die im Testverfahren im Labor analysiert und auf Hinweise einer Chromosomenveränderung abgesucht werden. Beim Down-Syndrom liegt das Chromosom 21 drei statt zwei Mal vor. Der PraenaTest kann nach Unternehmensangaben die Trisomie "risikofrei" und "zuverlässig" erkennen.

Test nur für Selbstzahler

Das Verfahren, dessen Entwicklung vom Bund mit rund 230.000 Euro gefördert wurde, soll zunächst in rund 20 Praxen und Pränatalzentren in Deutschland angeboten werden und rund 1250 Euro kosten, wie Elke Decker, Sprecherin von LifeCodexx, ankündigt. Die Summe müssen die Frauen selbst zahlen. Der PraenaTest ist für Frauen ab der zwölften Schwangerschaftswoche gedacht, bei denen ein erhöhtes Risiko für Chromosomenveränderungen beim Embryo besteht. Zudem müssen sich die Frauen gemäß Gendiagnostikgesetz von einem qualifizierten Arzt beraten und aufklären lassen.

Down-Syndrom: bisheriger Test ist riskant für Babys

Der Test kommt zum Beispiel in Frage, wenn es beim Ersttrimester-Screening einen auffälligen Befund gibt. Dabei wird zwischen der zwölften und 14. Schwangerschaftswoche anhand eines speziellen Ultraschalls und von Blutwerten eine Wahrscheinlichkeit für Trisomie 21 berechnet. Bislang erfolgt meist eine Fruchtwasseruntersuchung oder eine Punktion des Mutterkuchens - der Eingriff durch die Bauchdecke kann allerdings zur Fehlgeburt führen. Laut der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) verlieren etwa zehn von 1000 Frauen infolge des Eingriffs ihr gesundes Kind.

LifeCodexx schätzt, dass der neue Test jährlich 600 bis 700 Kinder in Deutschland "vor den tödlichen Folgen eines invasiven Eingriffs" bewahren kann. Bestätigt sich allerdings der Verdacht auf eine Trisomie 21, dann steht die Frau immer noch vor der Frage, ob sie ein behindertes Kind zur Welt bringen will. Schon heute werden etwa 90 Prozent aller ungeborenen Kinder mit Trisomie 21 abgetrieben.

Firma bestärkt Hoffnungen

Die Firma LifeCodexx weckt auf ihrer Homepage große Hoffnungen. Da heißt es: "Die Ergebnisse der Studie sind sehr ermutigend, denn sie zeigen deutlich, dass der Test eine sehr zuverlässige nichtinvasive Diagnose für Trisomie 21 bei Risikoschwangerschaften sein kann", so PD Dr. Markus Stumm aus dem Berliner Zentrum für Pränataldiagnostik und Humangenetik. "Der neue Test hat das Potential, langfristig zur deutlichen Reduzierung der Anzahl von Fehlgeburten, die durch Komplikationen bei invasiven diagnostischen Methoden entstehen, beizutragen. Er kann eine zusätzliche Diagnostik für jene Frauen sein, bei denen nach dem Ersttrimesterscreening ein erhöhtes Risiko für Aneuploidien festgestellt wurde."

Test wirklich risikoarm?

"Bild"-dagegen warnt in der Online-Ausgabe, der Test sei nicht so risikoarm, wie man Eltern glauben machen will: Selbst der Berufsverband niedergelassener Pränataldiagnostiker gehe davon aus, dass invasive Methoden wie die Fruchtwasseruntersuchung mit dem Bluttest nicht überflüssig würden, heißt es da.

"Selektion von Menschen mit Down-Syndrom"

Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe (CDU), fürchtet, dass der Druck auf Paare, abzutreiben, nun noch steigen wird. Der Test sei nicht nur "im hohen Maße diskriminierend", sondern diene einzig und allein "der Selektion von Menschen mit Down-Syndrom", kritisiert Hüppe. Er legte ein Rechtsgutachten vor, wonach der Test laut dem Gendiagnostikgesetz rechtlich unzulässig ist. "Der Test dient weder medizinischen noch therapeutischen Zwecken", sagt Hüppe. Damit erfülle er nicht die Voraussetzungen für eine zulässige vorgeburtliche Untersuchung.

Auch die Bundesvereinigung Lebenshilfe und Down-Syndrom-Organisationen in Deutschland kritisieren, der Test stelle das Lebensrecht von Menschen mit Down-Syndrom in Frage. Derzeit leben in Deutschland rund 50.000 Menschen mit dem Syndrom, das zu Organfehlbildungen wie Herzfehlern führen kann. Der Grad der geistigen Behinderung kann sehr unterschiedlich ausfallen. Schon jetzt entscheiden sich bei entsprechender Diagnose in rund 90 Prozent der Fälle die Eltern für eine Abtreibung.

Gynäkologen: Kein ethischer Dammbruch

Die DGGG sieht in dem Test indes "keinen ethischen Dammbruch", auch sei keine sprunghafte Zunahme von Schwangerschaftskonflikten zu befürchten. Auch Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery befürwortet den Bluttest. Im Kern der Debatte geht es nach seiner Meinung auch nicht um den neuen Test, sondern vielmehr "um die Pränatal-Diagnostik und ihre Konsequenzen insgesamt". Mit den vielen offenen Fragen rund um die Gendiagnostik befasst sich derzeit der Deutsche Ethikrat, der im Auftrag der Bundesregierung dazu eine Stellungnahme erarbeiten soll.

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