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Stillen: Unterstützung der Männer wichtig

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Väter  

Stillen ist auch Männersache

23.11.2015, 11:34 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Stillen: Unterstützung der Männer wichtig. Beim Stillen des Babys kann der Mann eine große Unterstützung sein. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Beim Stillen des Babys kann der Mann eine große Unterstützung sein. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Stillen gilt allgemein als die natürlichste Sache der Welt. Ganz so einfach ist es aber nicht. Der Vorgang an sich ist natürlich - aber es braucht noch mehr, damit die Milch auch wirklich gut fließt: In erster Linie Ruhe, gute Nahrung und genügend Flüssigkeit. Aber eben auch einen Partner, der hinter der Frau steht, der sie unterstützt, wenn es schwierig wird.

Gerät die Frau in psychischen Stress und erhält keine Hilfe vom frischgebackenen Papa, kann die Milch schnell versiegen. So manches Stillproblem ist also eigentlich ein Partnerschaftsproblem. Eine schwierige Sache für so manchen Mann - haben viele doch ein sehr ambivalentes Verhältnis zum Stillen.

Der Zweck des weiblichen Busens

"Bis das Kind kam, gehörte der Busen meiner Frau sozusagen mir", grinst Gunther. "Und dann wird er so schön groß und prall und ich darf nicht mal mehr hinlangen." Das nervt den 43-Jährigen schon ein bisschen. Auch Tom stand dem Stillen skeptisch gegenüber: "Für mich war das nach der Geburt unseres Sohnes schon schwierig. Das Baby hing von früh bis spät an meiner Frau, ich war total abgemeldet. Mich hat das gekränkt, das muss ich ehrlich zugeben."

UMFRAGE
Müssen Mütter stillen? Und wenn ja wie lange?

Die Autorinnen Elke Mattern und Angela Schweer, beide Hebammen, raten Männern in ihrem Buch "Schwangerschaft, Geburt & Stillzeit" Folgendes: "Seien Sie nachsichtig. Die Einheit von Mutter und Kind wird sich erst langsam lösen und dient dem natürlichen Schutz des Kindes. Bestärken Sie Ihre Partnerin in dieser Zeit, ihr Kind zu bemuttern."

Das Stillen gegen den Partner durchzusetzen erfordert sehr viel Kraft

"Die Frau in ihrem Stillwunsch nicht zu unterstützen, würde bedeuten, dass sie ihr Kind nicht lange oder gar nicht stillt", so Erika Nehlsen vom Ausbildungszentrum Laktation und Stillen, einer in Zusammenarbeit mit der Universitätsfrauenklinik Leipzig gegründeten Fortbildungseinrichtung, die sich für Bindungsförderung und Stillen einsetzt. "Das aber kann die körperliche und psychische Gesundheit der Mutter sowie auch die Gesundheit und Entwicklung des Kindes negativ beeinflussen."

Nur selten setzt sich eine Frau, die stillen möchte, gegen ihren Mann durch, wenn dieser das boykottiert. "Wir waren uns beide einig, dass unser Kind selbstverständlich gestillt werden würde", erzählt Simone. "Aber kaum sind die ersten Probleme aufgetaucht, wurde mein Mann unruhig und ich musste mir dauernd Sprüche anhören wie 'Ich dachte, das sei die natürlichste Sache der Welt' oder 'Wieso können alle anderen das und du nicht?'"

Es muss die richtige Form der Unterstützung sein

Hinzu kamen zweifelnde Fragen danach, ob denn das Kind auch satt werde. Das Selbstbewusstsein der damals 32-Jährigen war in Windeseile bis ins Mark erschüttert. "Es hat mich unglaublich viel Kraft gekostet, mich durchzusetzen und trotz aller Anfangsschwierigkeiten mein Kind weiter voll zu stillen." Kraft, die Simone eigentlich für sich und ihr Baby gebraucht hätte. Dabei weiß sie im Rückblick, dass das Hauptproblem die fehlende Unterstützung war.

Doch auch Väter, die ihre Frau besonders unterstützen wollen, gehen nicht immer den richtigen Weg, meint Erika Nehlsen. "Bietet der Vater der Mutter an, dem Baby ein Fläschchen zuzufüttern, damit sie es leichter hat oder schlafen kann, dann kann auch das ein Fehler sein. Denn dadurch wird das Stillen eher schwieriger für Mutter und Kind. Die Trinktechnik an der Flasche ist anders als an der Brust und kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass Stillprobleme so erst entstehen."

"Bei uns hat das trotzdem super geklappt", erinnert sich Uwe. Tina hat abgepumpt und ich habe die Kleinen dann auch mal gefüttert, wenn meine Frau etwas vorhatte oder einfach mal rausmusste. Ich fand das eine tolle Lösung."

Männer unterschätzen ihren Part

Männer haben zahlreiche Möglichkeiten, eine enge Bindung zum Kind aufzubauen. Sie können es baden und wickeln, herumtragen, mit ihm schmusen und spielen, nach nächtlichem Stillen zurück ins Bettchen bringen oder beispielsweise einen Babymassagekurs besuchen. Berührung, Geruch und Stimme, all das kann das Kind schon von Anfang an wahrnehmen.

Und die Mutter bekommt automatisch ein wenig Freiraum für sich - und damit die optimale Möglichkeit, aufzutanken. Ein Mann ist bei einer gesunden Beziehung zwischen Mutter und Kind also alles andere als nutzlos. "Im Gegenteil, der Partner kann, um beim Begriff des Stillens zu bleiben, den eigentlich 'stillen Beitrag' für Mutter und Kind leisten", so Elke, Leiterin einer Stillgruppe.

Junge Mütter sind sehr empfindlich und müssen beschützt werden

"Der Mann sollte seine Frau in der frühen Zeit abschirmen gegen wohlmeinende Ratschläge der Großmütter oder anderer Verwandter beziehungsweise Freunde. Großmütter haben wahrscheinlich ihre Kinder zu einer Zeit bekommen, als das Stillmanagement noch ganz anders war und viel zugefüttert wurde. Oder sie haben womöglich gar nicht gestillt. Sie meinen es oft gut, machen aber der jungen Mutter das Leben damit schwer", erklärt Nehlsen.

"Eine junge Mutter im Frühwochenbett ist sehr sensibel und wenn ihre Fähigkeit, die Bedürfnisse ihres Kindes zu befriedigen, in Zweifel gezogen wird, ist sie schnell aus dem emotionalen Gleichgewicht und braucht die Unterstützung ihres Mannes. Er sollte sie umsorgen und ihr helfen, mit den Anforderungen der neuen Situation möglichst gut zurechtzukommen." Seine wichtigste Aufgabe dabei: Ruheräume schaffen.

Eifersucht ist oft ein Thema

"Das war für mich keine Frage. Ich habe mich gefühlt wie ein Leitwolf, der sein Rudel beschützt", schmunzelt der zweifache Vater Uwe. "Ich habe dafür gesorgt, dass meine Frau beim Stillen immer mit Getränken versorgt war und ihre Ruhe hatte. Und es war für mich ganz klar, dass sie zu unseren Babys eine andere Beziehung hatte als ich. Anders, aber deswegen doch nicht besser." Nicht jeder kann das für sich so lösen wie Uwe.

Viele Männer sind neidisch oder eifersüchtig auf die enge Beziehung zwischen Mutter und Kind oder fühlen sich vom Baby abgelehnt, weil die Mutter es schneller und einfacher beruhigen kann, und reagieren dann negativ auf das Stillen. "Seit es klappt mit dem Stillen sitzt mein Mann schmollend oder wütend daneben und meint, ich sei 'eine heilige Kuh' und er sei unwichtig für seinen Sohn geworden", kann man in einem Internetforum lesen.

Man kann es auch übertreiben

Seit sich Jürgen Drews offiziell dazu bekannt hat, die Muttermilch seiner Frau gerne zu trinken und die Mallorca-Königin Ramona daher nicht nur die Produktion weiter aufrechthielt, sondern dies auch ohne Scheu in einem Mittagsmagazin vorführte, ist es kein Geheimnis mehr: Manche Männer stehen darauf. Das Netz ist voll mit entsprechenden Kommentaren: "Ich bin ein Mann und für mich ist es ein Höhenflug der Gefühle, Milch abzunuckeln", schreibt einer. Hier gilt: Erlaubt ist, was gefällt - vor allem auch der Frau.

"Also, einmal kurz zum Probieren, wie es schmeckt, das ist okay. Aber wenn der dann öfter mal will oder wie ein Baby da nuckelt, dann find ich es schon pervers", so eine weibliche Stimme im Netz. "Also pervers ist für mich etwas anderes, aber ich find’s irgendwie eklig", so Uwe.

"Ich wollte das bei meinen Kindern überhaupt nicht. Da steh ich nicht drauf. Ich finde, Stillen ist superschön und natürlich und wenn einer zur Nahrungsaufnahme an die Brust meiner Frau gehört, dann ist das unser Kind und nicht ich. Das Einzige, was ich echt komisch fand, war Stillen in der Öffentlichkeit. Ich bin sowieso schon vom Grundtyp her eifersüchtig und ich habe dauernd gedacht, alle Männer glotzen jetzt meiner Frau auf die Brust." Ein Problem, das so manchen Mann plagt.

Hormone können Milchfluss beim Mann bewirken

In Notfällen soll es übrigens sogar möglich sein, dass auch Männer Milch produzieren. Schon vor 1500 Jahren wurde im Talmud ein solcher Fall erwähnt. Und es ist erst wenige Jahre her, dass eine Zeitungsmeldung, herausgegeben von der Nachrichtenagentur AFP, einige Berühmtheit erlangte. Es ging um einen Mann aus Sri Lanka, der seine beiden Babys stillte, nachdem seine Frau kurz nach der Geburt verstarb.

Im Laufe der Evolution sind die männlichen Brustdrüsen verkümmert. Aber nicht verschwunden. Es gibt auch heute noch einige Männer, die theoretisch Milch produzieren könnten. Mit dem entsprechenden Reiz des Saugens und einem starken Willen. Bei Männern, die zum Beispiel wegen Prostatakrebs mit weiblichen Hormonen behandelt werden, tritt das Phänomen der Milchproduktion ebenfalls auf. Das hat im Netz die Diskussion zur Folge, ob man nicht Männer einer Hormonbehandlung unterziehen könne, damit diese dann ebenfalls stillen könnten. Zukunftsmusik, die sicher nicht jedem schmecken dürfte.

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