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Schwangerschaft: Cytomegalie-Virus bedroht ungeborenes Leben

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Cytomegalie: Versteckte Gefahr für ungeborenes Leben

11.11.2013, 14:53 Uhr | dpa-tmn, dapd

Schwangerschaft: Cytomegalie-Virus bedroht ungeborenes Leben. Mit einem Cytomegalie-Virus infizierte Zellen. (Quelle: dpa/W. Brune/Heinrich-Pette-Institut)

Mit einem Cytomegalie-Virus infizierte Zellen. (Quelle: W. Brune/Heinrich-Pette-Institut/dpa)

Der Cytomegalie-Virus (CMV) ist die häufigste Ursache von Schädigungen des Kindes während der Schwangerschaft. Noch gibt es keine Impfung gegen den Erreger. Die Medizin ist seit Jahren auf der Suche nach Therapien, um die Krankheit in den Griff zu bekommen. Bessere Aufklärung von Schwangeren kann die Infektionsgefahr deutlich reduzieren.

Carmina Leitner wurde vor zehn Jahren im Mutterleib mit CMV angesteckt. Sie kam im sechsten Schwangerschaftsmonat zur Welt. Ihre Milz und ihre Leber waren deutlich zu groß. Ihre Lungen drohten wegen einer Entzündung zu platzen. Trotzdem hatte Carmina Glück. "Der Virus war nicht ins Hirnwasser gelangt und hatte keine neurologischen Defekte verursacht", sagt ihre Mutter Sabine Leitner. Heute ist Carmina zwar deutlich leichter als ihre Altersgenossen und in ihrer Entwicklung etwa zwei Jahre zurück, aber "ansonsten geht es ihr ganz gut", sagt Sabine Leitner. Bevor sie selbst davon betroffen war, hatte sie noch nie von CMV gehört. Vor zehn Jahren gründete sie die bundesweit einzige Selbsthilfegruppe und ist Ansprechpartnerin für rund 1600 ratsuchende Familien.

Das Krankheitsbild ist vielfältig

Fast jeder zweite Deutsche ist mit dem Cytomegalie-Virus infiziert. Das CMV gehört zur Familie der Herpesviren, hat aber mit den lästigen Lippenbläschen nichts zu tun. Es ist eine wenig bekannte, aber umso gefährlichere Bedrohung für ungeborene Kinder, sagt Mikrobiologin Christina Paulus von der Universität Regensburg, deren Team sich seit zehn Jahren intensiv mit dem Virus befasst. Fast allen CMV-bedingten Erkrankungen ist gemeinsam, dass es in den infizierten Organen zu ausgeprägten akuten und chronischen Entzündungsreaktionen kommt. Das Krankheitsbild ist vielfältig und reicht von Hörstörungen bis hin zu Mehrfachschwerstbehinderungen, sagt Leitner. Zudem ist das Virus für teilweise lebensbedrohliche Komplikationen bei immungeschwächten Transplantationspatienten bekannt.

Ansteckung in Schwangerschaft gefährlich

Die Gefahren für das ungeborene Kind sind größer, wenn sich die werdende Mutter in der Schwangerschaft erstmals infiziert. Schätzungen zufolge passiert das unbemerkt pro Jahr etwa 1500 jungen Frauen. 30 bis 40 Prozent der Schwangeren übertragen den Virus auf das eigene Kind, sagt der Regensburger Forscher Michael Nevels. 40 Kinder sterben pro Jahr, mindestens 660 kämpfen ein Leben lang mit den Folgen der Krankheit.

CMV-Infektion bleibt meist unbemerkt

Wie alle Herpesviren versteckt sich CMV nach der Erstinfektion lebenslang im menschlichen Körper und befindet sich dort meist in einer Art Ruhezustand, aus dem es fast jederzeit "reaktiviert" werden kann. Eine Infektion, die über menschliche Ausscheidungen wie Speichel oder Urin erfolgt, bemerken nur wenige Menschen, da es bei normaler Immunfunktion selten zu Erkrankungsanzeichen wie Fieber kommt. Die häufigste Infektionsquelle für junge Frauen sind Kindertagesstätten. Jedes fünfte Kindergartenkind unter drei Jahre ist nach Angaben des Deutschen Grünen Kreuzes infiziert und scheidet die Krankheitserreger über Monate aus, ohne dass Krankheitsanzeichen sichtbar wären. Die Erreger können über Stunden auch auf verschmutzten Oberflächen überleben.

So können Schwangere vorbeugen

Mit Urin oder Speichel verunreinigte Gegenstände und Flächen sollten gründlich mit einem fettlösenden Mittel gesäubert werden. Außerdem ist es ratsam für Schwangere, Säuglinge und Kleinkinder nicht auf Mund und Wange zu küssen. Sie sollten mit ihnen auch kein Geschirr oder andere Gegenstände teilen, auf die Speichel oder Urin geraten könnte.

Aufklärung kann Leben retten

Für Betroffene gibt es umfassende medizinische Hilfe - aber viele wissen gar nicht, dass sie infiziert sind. Frauenärzte sollten Schwangere unbedingt über die Gefahren aufklären. Laut einer französischen Studie könnte die Hälfte der Fälle vermieden werden, wenn Schwangere über Infektionsquellen informiert seien, sagt Leitner. Der CMV-Test kostet rund 25 Euro und muss in der Regel selbst bezahlt werden, manche Krankenkassen übernehmen ihn jedoch bereits.

Regelmäßig CMV-Test machen lassen

Schwangere ohne CMV-Antikörper im Blut, sollten sich etwa alle sechs Wochen darauf testen lassen. Trägt eine Schwangere das Virus nicht in sich, sollte alle vier bis sechs Wochen erneut getestet werden. Das gilt vor allem für Schwangere, die beruflich oder privat Kontakt zu Säuglingen und Kleinkindern haben

Bei Infektionen gibt es bislang nur die Möglichkeit, mit der Gabe von Immunglobulinen einen gewissen Schutz vor Schädigungen zu schaffen. "Anders als noch vor Jahren werden betroffene Familien heute medizinisch sehr gut betreut", sagt Leitner.

Noch keine Impfung in Sicht

Bisher ist es nicht gelungen, einen wirksamen Impfschutz zu entwickeln. "Aufgrund der enormen Komplexität des Virus und seiner Wechselwirkungen mit unserem Körper sind die Mechanismen der Krankheitsentwicklung noch weitgehend unbekannt", betont Forscherin Paulus. Lange Zeit wurde die Forschung vernachlässigt, doch in den vergangenen Jahren habe es ein Umdenken gegeben. "In den nächsten Jahren wird es in der Forschung einen Durchbruch geben", ist sie sich sicher.

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