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Katharina Wackernagel im Interview zum Film "Herbstkind"

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Katharina Wackernagel: "Es lastet wohl zu viel Druck auf den Müttern"

24.10.2012, 14:32 Uhr | Ulrike Cordes, dpa, dpa

Katharina Wackernagel im Interview zum Film "Herbstkind". Schauspielerin Katharina Wackernagel (Quelle: dpa)

Schauspielerin Katharina Wackernagel (Quelle: dpa)

Die Schauspielerin Katharina Wackernagel, 1978 in Freiburg im Breisgau geboren, zeichnet in Petra K. Wagners Fernsehdrama "Herbstkind" sehr einfühlsam eine junge Mutter mit postpartaler Depression. Mit der Nachrichtenagentur dpa sprach sie über ihre persönlichen Gedanken und Gefühle zu diesem Thema.

Frage: Wie haben Sie sich auf diese sehr intime Rolle vorbereitet? Jedenfalls konnten Sie - da ohne Kinder - nicht auf eigene Erfahrungen als Gebärende zurückgreifen.

Wackernagel: Als das Drehbuch auf dem Tisch lag, hat mich das Thema sofort interessiert. Zur Vorbereitung habe ich zwei sehr interessante Dokumentarfilme bekommen. Der eine hat sich mit dem Thema Hausgeburt auseinandergesetzt - es ging um eine Hebamme, die zwei Mütter begleitet. Das war für mich natürlich sehr spannend und wichtig, weil ich keine Kinder habe und auch noch nie eine Geburt gesehen hatte. In der anderen Doku ging es um das Thema postpartale Depression. Die fand ich sehr bereichernd, weil sie noch weitere Situationen und Lebenswege schilderte. Vier Frauen wurden interviewt und teilweise über Monate begleitet. Man konnte erleben, wie die Krankheit entsteht, wie sich das entwickelt und wie langwierig es sein kann, da wieder rauszukommen.

Frage: Haben Sie den Eindruck, dass das Krankheitsbild unter unseren gesellschaftlichen Bedingungen verstärkt auftaucht?

Wackernagel: Das weiß ich nicht genau. Das war natürlich bei uns auch Thema. Statistiken kenne ich nicht, aber zum Beispiel wurde in den Dokumentarfilmen klar, dass Deutschland mit der Hilfe für diese Frauen noch relativ weit hinten liegt - ganz anders als zum Beispiel England. Das Thema ist bei uns erschreckend tabu. Auch gibt es ja nur bei uns den Begriff "Rabenmutter". Vielleicht hängt der Druck auf die Frauen immer noch ein bisschen mit dem Mutterkult der Nazi-Zeit zusammen. Dazu kommt, dass Frauen heute noch Beruf und Karriere auf die Reihe kriegen sollen. Und dass Kinder haben so oft mit Perfektionsgedanken verbunden ist. Ich lebe hier in Berlin am Prenzlauer Berg, wo fast jeder einen Kinderwagen schiebt und noch ein Kind auf der Schulter sitzen hat. Es gibt Kindercafés, jeder zweite Laden hat irgendwelchen Kinder-Schnickschnack, alles so bunt und hübsch - da kann eine Frau noch mehr das Gefühl haben, "oh Gott, mir wächst das alles über den Kopf.

Frage: Eine Frage, die sehr persönlich ist, aber vielleicht nahe liegt: Die Dreharbeiten haben Sie nicht so abgeschreckt, dass Sie nun niemals mehr ein Kind bekommen wollen?

Wackernagel: Das Berufliche und das Private sind bei mir definitiv getrennt. Als ich in "Contergan" gespielt habe, wurde ich ganz oft gefragt, ob ich Angst hätte, einmal ein behindertes Kind zu bekommen. Natürlich denkt man in der Zeit, in der man sich mit so einer Rolle beschäftigt, auch darüber nach, "was wäre, wenn so etwas in meinem Leben passiert?" Aber gerade beim aktuellen Film denke ich, das ist eigentlich eine gute Vorbereitung für den Fall, dass ich einmal ein Kind haben sollte. Es ist ja immer gut, wenn man mehr über etwas weiß. Ich fühle mich also nicht abgeschreckt, aber das Thema steht auch nicht an.

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