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Den Kinderwunsch der Marktwirtschaft anpassen?

14.12.2012, 11:38 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Kinderwunsch und Karriere verbinden. Kinderwunsch: Erst Karriere dann ein Kind - oder besser umgekehrt?  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Erst Karriere dann ein Kind - oder besser umgekehrt? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Deutschlands Frauen haben kaum Chancen auf einen Platz in den Vorstandsetagen. Bei rund 160 Dax-Unternehmen liegt der Anteil von Frauen in Top-Jobs bei 3,4 Prozent. Frauenquote hin oder her - obwohl die Universitäten jährlich exzellent ausgebildete Frauen ins Berufsleben entlassen, kommen nur wenige ganz oben an. Und von diesen wenigen haben die allerwenigsten Kinder. Wäre eine frühe Mutterschaft die Lösung? Stimmen sie rechts auf dieser Seite ab.

Seit den 70er Jahren steigt das Alter von Erstlingsmüttern

Es ist eine statistisch belegte Tatsache: Je besser ausgebildet eine Frau ist und je mehr Wert sie darauf legt, sich auch beruflich zu verwirklichen, desto weniger Kinder hat sie. Und wenn sie welche hat, bekommt sie sie spät. Denn zuerst muss sie studieren und dann Fuß fassen - sonst kann sie das mit der Karriere vergessen. So der Tenor im Moment. Seit 1977 steigt das Alter der Mütter bei der Geburt kontinuierlich an und liegt derzeit bei 30,5 Jahren im Durchschnitt. 2011 hatte schon jedes vierte Neugeborene eine Mutter über 35.

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Plötzlich ist es zu spät!

Damals kritisierten führende Feministinnen, dass gerade die frühe Familiengründung die Hauptursache für eine Ungleichheit zwischen Mann und Frau sei. In den letzten Jahrzehnten nahmen eine gute Ausbildung und selbst verdientes Geld daher einen immer größeren Stellenwert bei jungen Frauen ein. Der Preis: Für Kinder ist erst später Zeit. "Ich wollte immer Kinder haben, aber irgendwie hat es nie gepasst. Und jetzt ist es zu spät", eine solche Klage hört man häufig. Auch wenn diese Frauen sich beruflich weit nach oben gearbeitet haben, glücklich sind sie oft nicht. Viele warten auf den richtigen Zeitpunkt, Kinder und Karriere zu vereinbaren - und finden ihn nie. Lange Zeiten als Praktikantin nach dem Studium, 2,7 Millionen befristete Arbeitsverträge, bevorzugt vergeben an junge Akademikerinnen - kein Wunder, dass Frauen die Entscheidung, ein Kind zu bekommen, immer weiter hinausschieben. Denn ein bisschen Sicherheit braucht es schon, um ein Baby in die Welt zu setzen.

Können Frauen wirklich alles haben?

Wäre es also für Frauen, die beruflich durchstarten wollen, eine gute Idee, ihre Kinder bereits in den Zwanzigern zu bekommen? Zu einer Zeit, zu der man dank Studium noch relativ flexibel ist? Auf die Frage, wie es wäre, seinen 40. Geburtstag zu feiern mit Kindern, die demnächst ausziehen, weiß die "Spiegel"-Redakteurin Claudia Voigt in ihrem Artikel "Frauen können alles haben" eine Antwort: "Da wäre plötzlich eine Menge überschüssiger Kraft, und es blieben noch über zwanzig Jahre Berufstätigkeit, um sie einzusetzen. Zeit, um Führungspositionen zu übernehmen, Zeit, sich einzumischen", meint sie und ergänzt, dass viele Frauen, die in der DDR groß geworden sind, eine solche Biografie haben. "Bei ihnen gibt es ein freundlich kaschiertes Unverständnis den ehemaligen West-Frauen gegenüber und ihren endlosen Diskussionen über Kinder und Karriere."

Nicht einfach den äußeren Umständen die Schuld geben

Junge Eltern gelten als entspannter, was auf der einen Seite sicher daran liegt, dass sie dem Leben noch unbedarfter gegenüberstehen, mehr Grundenergie haben und der Nachwuchs für sie kein Projekt ist, das Kind keine unerfüllten Wünsche kompensieren muss. Auf der anderen Seite bedeutet früh Eltern werden auch Verzicht und Verantwortung - 24 Stunden am Tag. Claudia Voigt fordert, sich von dem Gedanken zu lösen, dass unabhängige Frauen ihr Engagement zwischen 20 und 30 allein Ausbildung und Berufseinstieg widmen müssen und ihre Kinder erst später bekommen dürfen. "Diese klassische Akademikerinnenbiografie wird von vielen erfolgreichen Frauen mantraartig gepriesen. Niemand, der heute 40, 50 ist, gibt gern zu, dass er sein Leben rückblickend besser anders gelebt hätte." Da sei es leichter, allein den Umständen die Schuld zu geben.

Mit 35 muss der erste Schritt auf der Karriereleiter getan sein

Annette Bruhns, ebenfalls Redakteurin beim "Spiegel", verfolgt grundsätzlich die gleichen Ziele wie ihre Kollegin, glaubt aber nicht, dass Frauen diese Ziele erreichen, wenn sie ihren Reproduktionszyklus der Marktwirtschaft unterordnen. Sie fordert in ihrem Artikel "Willkommen in der Zukunft", dass sich gesellschaftlich etwas ändern muss, dass kluge Chefs kluge Frauen zu jeder Zeit auf jeder Ebene fördern sollten und dass schon der Einstieg ins Berufsleben nicht weiter ein Verschleißtest sein dürfe. Schließlich produziere berufliche Überlastung und Unsicherheit höchstens einen Burnout, aber sicher keine Kinder. Zudem beklagt sie, dass trotz erhöhter Lebensarbeitszeit mit 40 der berufliche Zug abgefahren ist. "Es scheint ein Gesetz im Wirtschaftsleben zu sein, dass zumindest die unterste Stufe der Karriereleiter bis zum Alter von 35 Jahren erklommen werden muss. Das gilt für Frauen wie für Männer; wer später antritt, kommt fast immer zu spät."

Warum gelingt es den Dänen und uns nicht?

Dabei könnte ein Blick auf die Nachbarländer Horizonte eröffnen. Nehmen wir das viel zitierte Beispiel Dänemark - denn nicht umsonst sind die Dänen das glücklichste Volk Europas, wie eine Studie der Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen ermittelt hat. Deren Hauptargument: Sie können sich beruflich verwirklichen und haben trotzdem genügend Zeit für Familie und Freunde. In Dänemark, wie in anderen  nordischen Ländern auch, gilt die Alleinverdiener-Ehe als bereits ausgestorben. Mehr als 80 Prozent aller Mütter sind voll berufstätig und nutzen gern die Flexibilität, die ihre Arbeitgeber ihnen bieten. Denn diese wissen das Potenzial zu schätzen, das all die gut ausgebildeten Mütter mit sich tragen. Ein Trend, der sich erst sehr langsam in Deutschland durchsetzt und der gerade erst durch die Diskussion um die Frauenquote in Führungsetagen neu angeheizt wurde.

Die Rechnung der frühen Mutterschaft geht nicht auf

Julia Niemann von der "taz" wirft den "Spiegel"-Autorinnen einen Rechenfehler vor: "Angenommen, eine Frau möchte ihre Kinder nicht mit 20 Jahren, sondern eher mit Mitte 20 bekommen - dann ist das Kind am vierzigsten Geburtstag nicht aus dem Haus, sondern mitten in der Pubertät. Und wenn es nicht das einzige Kind bleiben soll, die Geschwister entsprechend jünger." In ihrem Artikel "Ähhh, lieber doch nicht!" macht sie klar, dass sie keinen Sinn darin sieht, wieder einmal die Frauen die heißen Kartoffeln aus dem Feuer nehmen zu lassen.

Liegt das Problem bei den Männern?

Ihrer Ansicht nach liegt das Problem vor allem bei den Männern und zwar nicht nur bei denen in Führungsetagen, sondern auch bei denen zu Hause. Die fühlen sich entweder ewig nicht bereit für ein Kind oder wenn doch, unterstützen sie ihre Frauen nicht entsprechend. "Nur jeder fünfte Vater beantragt Elterngeld, kaum einer bleibt länger als zwei Monate zu Hause. Und wenn, dann schreiben sie darüber gleich ein Väter-Wickelbuch, während die Schwiegermutter babysittet", beklagt sie. "Denn wenn Männer sich schon ins finstere Hausfrauenreich vorgewagt haben, möchten sie für diese Großtat auch Anerkennung." Julia Niemanns Ansicht nach suchen viel zu viele Männer - gerade aus der bürgerlichen Mittelschicht - nach dem nächsten Kick und fühlen sich mit der "Überprüfung der eigenen Befindlichkeiten vollkommen ausgelastet". Ihr Fazit: Keine guten Voraussetzungen für die Familiengründung.

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