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Unentdeckte Schwangerschaft: Kai war ein Überraschungsbaby

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Unentdeckte Schwangerschaft  

Unentdeckte Schwangerschaft: Kai war ein Überraschungsbaby

08.05.2013, 14:19 Uhr | Tanja Zech, t-online.de

Unentdeckte Schwangerschaft: Kai war ein Überraschungsbaby. Regine Otten mit dem kleinen Kai, wenige Tage nach der überraschenden Geburt. (Quelle: privat)

Regine Otten mit dem kleinen Kai, wenige Tage nach der überraschenden Geburt während des Urlaubs in Tunesien. (Quelle: privat)

Mit Verdacht auf Nierenversagen ins Krankenhaus eingeliefert, mit einem Kind wieder herausgekommen - unglaublich, aber wahr. Es ist die Geschichte von einer unentdeckten Schwangerschaft und von einem Baby als Urlaubsüberraschung. Wie kann es sein, dass eine Frau bis zur Entbindung nicht merkt, dass die schwanger ist? Die 41-jährige Regine Otten hat es der Elternredaktion von t-online.de erzählt.

Es war vor zwölf Jahren, als Regine Otten aus heiterem Himmel Mutter wurde. Damals war sie 29 und hatte kurz zuvor bei ihrer ersten Schwangerschaft eine Fehlgeburt erlitten. Ein Schock, der nicht nur die Seele, sondern auch den Körper völlig aus dem Gleichgewicht brachte. Der Frauenarzt erklärte, dass es einige Wochen dauern könne, bis sich die Periode wieder regelmäßig einpendeln würde. Und so wunderte sie sich nicht, als die Blutungen nur sporadisch kamen oder ausblieben.

Unwohlsein und Antriebslosigkeit als Folge der Fehlgeburt gedeutet

Typische Schwangerschaftsanzeichen wie Brustspannen hatte Regine Otten zwar während der Schwangerschaft vor der Fehlgeburt, nicht aber bei der zweiten, unentdeckten. "Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern", sagt sie. Zwar hatte sie wie andere Schwangere Kopfschmerzen und fühlte sich oft müde, erschöpft, antriebslos. Aber diese Empfindungen schob sie auf die Psyche, wegen der Fehlgeburt. "Außerdem ging es auf den Winter zu." Bei ein paar Tagen Urlaub im sonnigen, warmen Tunesien wollte sie neue Kraft schöpfen.

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"Das muss nach innen gewachsen sein"

Für Außenstehende ist es unvorstellbar, eine Schwangerschaft im eigenen Körper nicht zu bemerken. Der Bauch wird doch immer dicker, die Bewegungen des Baby werden immer heftiger, das muss man doch sehen und spüren, heißt es dann. Aber nicht jeder Frauenkörper verändert sich so offensichtlich. "Ich bin keine schlanke Frau, aber auch nicht megadick", so beschreibt Regine Otten ihre Statur. "Eine typische Schwangerschaftskugel habe ich nicht entwickelt, mein Bauch wurde allenfalls etwas härter. Das muss nach innen gewachsen sein," sagt sie lachend und wundert sich heute noch.

Erst viel später erfuhr sie, dass zwei Bekannte wohl die richtige Vermutung hatten. "Aber mir gegenüber hat das niemand direkt geäußert." Auch ihrem damaligen Freund, der inzwischen ihr Mann ist, waren keine körperlichen Veränderungen aufgefallen. Schon gar nicht nicht dem Flughafenpersonal, als die unwissend Hochschwangere den Urlaubsflieger nach Tunesien bestieg. Sie ahnte nicht, dass sie knapp eine Woche später ein Kind zur Welt bringen würde, am Tag vor dem geplanten Rückflug.

Wehen als Blasenentzündung missdeutet

Schon kurz nach der Ankunft am Urlaubsort fühlte sich Regine Otten unwohl. Den verstärkten Harndrang und die zunehmenden Bauch- und Rückenschmerzen deutete sie als Blasenentzündung, vermutlich vom zu kalten Wasser im Hotelpool. "Weil es mir von Tag zu Tag schlechter ging, holte mein Mann schließlich den Hotelarzt." Der schickte die deutsche Urlauberin umgehend in die Klinik. "Ich dachte, dass ich mit Nierenversagen eingeliefert werde, ich hatte ja gar keine Ahnung, dass das Wehen waren!"

"Bebe, Bebe!" - "Nee, Rückenschmerzen"

Bei der Ultraschalluntersuchung riefen die Klinikärzte plötzlich aufgeregt "Bebe" Bebe!" und schoben sie in den Kreißsaal, während ihr Mann noch hinterherrief "nee, nee, Rückenschmerzen!" An die Geburt hat Regine Otten keine Erinnerungen, weil sie umgehend in Vollnarkose versetzt wurde. "Das Kind kam auf normalem Weg zur Welt und die Hebamme muss dabei mehr oder weniger auf mir gekniet haben", so hat es ihr Mann berichtet, der im Kreißsaal dabei war. "Um 11 Uhr kamen wir im Krankenhaus an, um 11.28 war das Baby da."

Plötzlich Vater! "Mein Mann war schockiert, aber er hat das Kind von Anfang an angenommen. Er hat mir nie Vorwürfe gemacht, weil ich die Schwangerschaft nicht bemerkt habe. Außerdem hatte er in den ersten Tagen nach der Geburt so viel zu organisieren, dass gar nicht viel Zeit zum Nachdenken blieb."

Das Erlebnis Schwangerschaft verpasst

Während andere Paare sechs Monate nach einem Vornamen suchen, brauchten Regine Otten und ihr Mann gerade einmal sechs Minuten, um sich auf den Namen Kai zu einigen. Überhaupt, die entgangene Vorfreude - bis heute bedauert Regine Otten, dass sie ihre Schwangerschaft nicht bewusst erleben konnte, nicht mit Zeit und Liebe planen konnte, wie das Kind heißen könnte oder wie sein Kinderzimmer eingerichtet wird.

Während das Baby unbemerkt im Bauch heranwuchs, hatte die 29-Jährige gelebt und gefeiert, wie andere junge Frauen auch: "Ich ging aus, rauchte, trank Alkohol - und arbeitete bis zum Schluss." Glücklicherweise hat es Kai nicht geschadet.

Gefühlschaos und Behörden-Odyssee

"In der Woche nach der Geburt in Tunesien habe ich so viel geweint wie noch nie. Aber nicht aus Traurigkeit, nur aus reiner Emotionalität", erinnert sich Regine Otten. Das Gefühlschaos lässt sich leicht nachempfinden: Als Paar in den Badeurlaub geflogen und als Eltern zurückgekommen, Krankenhausbett statt Sonnenliege, umgeben von Ärzten und Krankenschwestern, deren Sprache man nicht oder nur leidlich versteht, kaum die Fehlgeburt verkraftet und wie aus dem Nichts ist wieder ein Baby da.

"Und wir hatten ja auch nichts für das Baby." Leute vom Krankenhaus besorgten ein Fläschchen und zwei Strampler, die der frischgebackene Vater abwechselnd im Waschbecken des Klinikzimmers auswusch. Und er bekam ein Rezept für einen Impfstoff in die Hand gedrückt, den er in einer Apotheke auftreiben musste.

Weitaus komplizierter lief es mit der Bürokratie. Die Flugtauglichkeitsbescheinigung für Mutter und Säugling erwies sich als kleinstes Problem. Schwierig war es, die Geburtsurkunde für den kleinen Kai ausstellen zu lassen. "Auf dem Standesamt sprachen alle Arabisch, nur ein Mitarbeiter konnte etwas Französisch. Erschwerend hinzu kam: Wir waren damals noch nicht verheiratet, das war in Tunesien unüblich." Aber es hat geklappt, schließlich bekam der Vater das auf Arabisch und Französisch abgefasste Dokument ausgehändigt.

Botschafter kommt mit Reisepass und Stempel angeflogen

Noch schwieriger gestaltete sich die Beschaffung eines Reisepasses für den nicht eingeplanten Passagier, denn das war nur über die Deutsche Botschaft in Tunis möglich und die Ottens hätten von der Ferieninsel in die Hauptstadt fliegen müssen. Es half der Zufall: "Bei einem Telefonat stellte sich heraus, dass der Botschafter übers Wochenende nach Djerba kommen wollte. Da brachte er den Stempel mit, traf meinen Mann am Flughafen und stellte den Pass aus." Zudem musste die Rückreise organisiert und die Krankenhauskosten per Geldtransfer aus Deutschland beglichen werden.

Die Großeltern richten zuhause das Nest

Ihre Eltern, plötzlich Großeltern, hätten "freudig geschockt" auf die frohe Botschaft aus Tunesien reagiert. Die junge Familie wurde tatkräftig von Eltern und Freunden unterstützt. Noch während die Tochter mit dem Neugeborenen in Tunesien im Krankenhaus lag, organisierten die Eltern die wichtigsten Utensilien. "Als wir in Deutschland ankamen, was alles da - von der Babyflasche bis zum Kinderwagen", erzählt Regine Otten.

Schreck für den Chef: Aus Kurzurlaub wird Erziehungsurlaub

Schließlich galt es, die Nachricht von der überraschenden Mutterschaft auch dem Chef zu überbringen. Die Reaktion? "Naja, keine Begeisterung." Aber der Arbeitgeber war tolerant und die Kollegen hilfsbereit. "Ein französischsprachiger Kollege hat uns sogar per Telefon in Tunesien geholfen." Nach einem Jahr Erziehungsurlaub kehrte Regine Otten in Teilzeit an ihren Arbeitsplatz zurück.

Unentdeckte Schwangerschaft in einem von 500 Fällen

Mediziner wissen, dass das Phänomen der unbemerkten Schwangerschaft gar nicht so selten vorkommt: Die Quote liegt bei 1 zu 500. Verkannt, verheimlicht oder verdrängt - die Ursachen sind individuell. "Da ich die Fehlgeburt psychisch nicht verwinden konnte, wollte ich wohl eine neue Schwangerschaft nicht wahrhaben", so interpretiert Regine Otten rückblickend ihre Situation. Für sie war das Baby trotz der komplizierten Begleitumstände eine freudige Überraschung. Bei Frauen, die die Anzeichen einer ungeplanten Schwangerschaft regelrecht verdrängen, ist dies selten der Fall.

"Ist der Kai wirklich in Afrika geboren?"

"Es war damals eine harte Zeit, aber auch eine schöne, und ich freue mich bis heute, über das Geschenk, so ein tolles Kind bekommen zu haben," sagt Regine Otten. Kai, das "Überraschungsbaby", ist jetzt schon zwölf Jahre alt - und ein bisschen stolz sei er schon, wenn Kinder in der Schule tuscheln "stimmt es, dass der Kai in Afrika geboren ist?", verrät seine Mutter.

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