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Weniger Frühgeburten und Totgeburten bei Hebammen-Betreuung

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Geburtsformen  

Weniger Früh- und Totgeburten: Hebammenmodell als goldener Weg

02.09.2013, 10:14 Uhr | mmh, t-online.de

Weniger Frühgeburten und Totgeburten bei Hebammen-Betreuung. Hebammenbetreuung in der Schwangerschaft und während der Geburt sollte immer eine Option sein.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Hebammenbetreuung in der Schwangerschaft und während der Geburt sollte immer eine Option sein. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Hebammen und Geburtshaus oder Arzt und Klinik - wo und wie soll eine Geburt stattfinden? Gut, dass wir hierzulande die Wahl haben und beides gute Alternativen sind. Eine Analyse zeigt jetzt, welche Variante in Sachen Komplikationen, Risiken, Kosten und Gefühle vorzuziehen ist.

Als die Amerikanerin Jenny ihrer Freundin erzählt, sie will ihr Baby mit einer Hebamme statt mit einem Arzt entbinden, will diese ihr erschrocken Geld anbieten für einen Klinik-Aufenthalt mit echten Medizinern, in der Annahme, Jenny könne sich dies einfach nicht leisten. Denn in den USA ist die Hebammen-geführte Entbindung eine absolute Seltenheit. Erst langsam kommen in den trendigen Großstädten Geburtszentren in Mode und die Hebammen erfahren ein Comeback.

Hebammen bei der Geburt sind nicht selbstverständlich

Was in Deutschland und vielen anderen Industrieländern absolut normal ist, ist in anderen Ländern eher ungewöhnlich: Die Option, die Geburt mit einer vertrauten Hebamme durchzustehen oder in der Klinik mit einem Arzt. In der Regel führt hierzulande ein niedergelassener Frauenarzt die Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft in seiner Praxis durch, die Geburt findet dann in der Klinik statt. Manche Frauen lassen sich auch schon während der Schwangerschaft zusätzlich oder ausschließlich von einer Hebamme oder einem Hebammen-Team betreuen, die dann aber meist nicht bei der Klinikgeburt anwesend sein können.

Vorteil dabei ist, in der Klinik ist für Notfälle immer ein Mediziner zur Stelle, der Nachteil liegt darin, dass Arzt und Klinikpersonal der Frau nicht vertraut sind und das in einer sehr intimen Situation, die viele Stunden dauern kann.

Hebammenmodell als goldener Mittelweg

Der goldene Mittelweg ist das Hebammenmodell, zu diesem Schluss kommt eine Analyse des Londoner King Colleges. Bei der hebammengeführten Geburt, also einer Entbindung im Geburtshaus oder in einem Krankenhaus, begleitet von der Hebamme, die die werdende Mutter schon während der Schwangerschaft betreut hat. Die Hebamme ist die Schlüsselfigur in dieser Form, sie achtet auf das Wohlergehen der Mutter, ist ihre Bezugsperon in allen Belangen und trifft die Entscheidungen, wann und ob bei Problemen ein Arzt hinzugeholt werden soll.

"Das Hebammen-Modell basiert auf der Annahme, dass Schwangerschaft und Geburt ganz natürliche Lebensereignisse sind", erklären Jane Sandall vom King's College London und ihre Kollegen von der Cochrane Pregnancy and Childbirth Group gegenüber dem Fachblatt Bild der Wissenschaft.

Risiken und Nutzen der Hebammenbetreuung

Das Hebammenmodell geht davon aus, dass die meisten Frauen ihre Kinder allein, ohne professionelle Geburtshilfe zur Welt bringen könnten. Die Forscher werteten 13 Studien aus fünf Ländern, Australien, Kanada, Irland, Neuseeland und Großbritannien, mit insgesamt 16.242 Müttern aus, in denen jeweils verschiedene Modelle der Betreuung während Schwangerschaft und Geburt gegenübergestellt wurden. Sowohl normale als auch riskante Schwangerschaften waren eingeschlossen.

Die Forscher wollten wissen, welche Risiken, Komplikationen, welchen Nutzen und welche Kosten eine hebammenbetreute Geburt gegenüber einer klassischen Klinik-Geburt verursacht.

Weniger medizinische Interventionen

Das Ergebnis ist verblüffend und deutlich heißt es im Bild der Wissenschaft: "Die Ergebnisse zeigen konsistent, dass Frauen mit hebammengeführter Betreuung weniger medizinische Interventionen erhalten müssen", so Sandall und ihre Kollegen. Bei diesen Geburten, so schreibt das Fachmedium würde seltener ein Dammschnitt gemacht, auch Zangen und andere Hilfsmittel kämen seltener zum Einsatz. Eine örtliche Betäubung würde ebenfalls weniger häufig eingesetzt. Zwar dauerten die Wehen im Durchschnitt eine halbe Stunde länger als bei einer vom Klinikpersonal betreuten, dafür aber wäre der Anteil der spontanen Geburten ohne pharmakologische oder instrumentelle Nachhilfe höher. Ein Kaiserschnitt wegen Komplikationen bei der Geburt sei in allen Betreuungsmodellen gleich häufig nötig gewesen.

Deutlich seltener Frühgeburten und Totgeburten

Es ist also nicht nur ein emotionaler Wohlfühlfaktor, der den Unterschied macht, es geht um Leben und Tod: Bei Frauen, die von Hebammen betreut und entbunden wurden, ereigneten sich wesentlich seltener Frühgeburten und Totgeburten vor der 24. Schwangerschaftswoche. "Es spricht einiges dafür, dass das Modell der Hebammenbetreuung das Risiko für eine Tot- oder Frühgeburt um 16 Prozent verringert", schreiben die Forscher. Die Studien schließen allerdings keine Geburten mit ein, die außerhalb einer Klinik erfolgten, außerdem wird der Begriff Hebamme nur für ausgebildete und geprüfte Hebammen benutzt, nicht in einem traditionellen Sinn.

Noch können sie nicht sagen, woran es liegt. Ein Grund allerdings hebt sich deutlich ab: Werdende Mütter fühlen sich beim Hebammenmodell zufriedener und besser aufgehoben.

Hebammenbetreuung muss Option sein

Als Fazit halten die Wissenschaftler fest, dass es wichtig ist, schwangeren Frauen ohne gravierende gesundheitliche Probleme das Hebammenmodell im Regelfall zumindest als Wahlmöglichkeit anzubieten, gerade auch in den Ländern, die diese Art der Betreuung durch Hebammen bisher noch nicht pflegen. "Frauen sollten dazu ermutigt werden, nach dieser Möglichkeit zu fragen", so Sandall.

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