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Gebärmutter-Transplantationen in Schweden bei neun Frauen geglückt

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Organspende  

Erfolgreich und umstritten: Gebärmuttertransplantationen geglückt

15.01.2014, 11:56 Uhr | Malin Rising und Maria Cheng, AP

Gebärmutter-Transplantationen in Schweden bei neun Frauen geglückt. Kinderwunsch ohne Gebärmutter? Bahnbrechende Uterus-Transplantationen schüren die Hoffnung.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Bevor sich eine Frau zu einer Entfernung der Gebärmutter entschließt, sollte sie die Zweitmeinung eines Arztes einholen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Auf den ersten Blick klingt das Ergebnis vielversprechend: Schwedische Ärzte haben neun Frauen erfolgreich Gebärmütter von weiblichen Verwandten eingepflanzt. Doch nun beschäftigt Mediziner und Patientinnen an der Göteborger Universitätsklinik die große Frage, ob die Frauen damit Kinder austragen können. Zwar gab es in der Türkei und in Saudi-Arabien schon Versuche, Uteri zu verpflanzen, doch anschließende Schwangerschaften schlugen fehl. Auch ethische Fragen werfen die für Spenderinnen riskanten Eingriffe auf.

Alle neun Frauen in Schweden wurden entweder ohne Gebärmutter geboren oder mussten sie wegen Tumoren entfernen lassen. Um ihnen eine Schwangerschaft zu ermöglichen, pflanzten die Mediziner ihnen die Organe nun vorübergehend ein. Möglicherweise schon innerhalb der kommenden Monate wollen der Leiter der Initiative, Mats Brannstrom und seine Kollegen die Embryos einsetzen.

Organspende von weiblichen Verwandten

Die Transplantationen fingen nach Angaben der Klinik im September 2012 an. Die Namen der Frauen halten die Mediziner unter Verschluss. Bei den Spenderinnen handele es sich um Mütter und andere Verwandte der Empfängerinnen, hieß es. Ursprünglich waren zehn Verpflanzungen geplant, doch eine Patientin habe aus medizinischen Gründen abbrechen müssen. Den neun Patientinnen geht es den Angaben zufolge gut, alle konnten die Klinik innerhalb von Tagen verlassen.

Mit Gebärmutter-Transplantationen betreten Mediziner Neuland

Organspenden und Organtransplantationen sind ein wichtiger Bereich der Medizin geworden. Lebensrettende Verpflanzungen von Herzen, Lebern und Nieren werden seit Jahrzehnten vorgenommen. Zunehmend transplantieren Ärzte auch Hände, Gesichter und andere Körperteile, um die Lebensqualität ihrer Patienten zu erhöhen. Doch mit Gebärmutter-Transplantationen betreten Mediziner noch Neuland: "Das ist eine neue Art von Chirurgie ", sagt Brannstrom, der an der Klinik die Abteilung Geburtshilfe und Gynäkologie leitet. "Wir haben kein Lehrbuch dafür."

Ein Teil der Patientinnen hatte sechs Wochen nach den Transplantationen eine Periode - möglicherweise ein Zeichen dafür, dass die Organe gesund sind und funktionieren. In einem Fall kam es zu einer Infektion, andere hatten kleinere Abstoßungskrisen. Doch keine Empfängerin oder Spenderin habe nach der Operation intensivmedizinisch versorgt werden müssen, hieß es.

Kinderwunsch: So wird eine Schwangerschaft möglich

Bei den Operationen wurden die Gebärmütter nicht mit den Eileitern verbunden, so dass die Frauen nicht auf natürlichem Wege schwanger werden können. Vor der Transplantation wurden ihnen daher Eizellen entnommen und künstlich befruchtet. Die Embryos wurden eingefroren und sollen demnächst in den transplantierten Gebärmütter platziert werden.

Nach der Transplantation müssen alle Empfängerinnen Medikamente gegen eine Abstoßungsreaktion einnehmen. Da diese Bluthochdruck, Schwellungen und Diabetes verursachen und auch das Krebsrisiko erhöhen können, will Brannstrom die Organe nach maximal zwei Schwangerschaften wieder entfernen.

Auch die 35-jährige Lise Gimre wurde mit dem MRKH-Syndrom und damit ohne Uterus geboren. In Norwegen leitet die Mutter von zwei Pflegekindern nun eine MRKH-Selbsthilfegruppe.

Für viele Frauen würde eine solche Operation in Frage kommen, wenn sie sicher und wirksam sei, glaubt sie. "Wenn dies möglich gewesen wäre, als ich jünger war, wäre ich zweifellos interessiert gewesen", sagt Gimre. Schließlich bleibe Betroffenen, die eigene Kinder haben wollen, nur die Möglichkeit einer Leihmutter, was in vielen europäischen Ländern illegal ist.

Hohe Spannung unter den Experten

Ärzte, die sich mit Fruchtbarkeitsmedizin beschäftigen, verfolgen das schwedische Projekt ebenfalls mit Spannung. Dabei wird vor allem die Lebendspende kontrovers diskutiert. Diese sei für die Spenderinnen sehr riskant, sagt der Mediziner Richard Smith von der Organisation Womb Transplant UK.

Denn dabei müsse auch ein größerer Teil der umgebenden Blutgefäße entnommen werden, was zu Komplikationen führen könne. Britischen Behörden sei das Risiko zu groß, zumal es sich nicht um eine lebensrettende Operation handele. Dort will man eher auf Uteri von Sterbenden oder Toten zurückgreifen.

Für fünf Transplantationen in Großbritannien will die Womb Transplant UK umgerechnet 600.000 Euro zusammenbringen. Auch Smith fragt sich, ob eine anschließende Schwangerschaft erfolgreich verlaufen kann. "Meine größte Sorge ist, ob das Baby von der Plazenta ausreichend versorgt wird und ob die Durchblutung gut genug ist."

Spenden von Lebenden oder von Toten?

Den Vorteil von Lebendspenden sieht Brannstrom indes darin, dass die Organe funktionieren und nicht etwa infiziert sind. Im Jahr 2000 führten saudische Ärzte die erste Uterus-Tranplantation mit einer Lebendspende durch. Doch das Organ musste drei Monate später wegen eines Blutgerinnsels entfernt werden.

Ärzte dämpfen übergroße Hoffnungen

Erfolgreiche Uterus-Tranplantationen gab es bereits bei Tieren, darunter Mäusen, Schafen und Pavianen, doch die Primaten hatten keine Nachkommen. Brannstrom warnte bereits vor zu großen Hoffnungen bei Kinderwunsch-Patientinnen. die die erfolgreiche Transplantation der Gebärmütter nun hervorrufen könnte. "Es handelt sich um eine Forschungsstudie", sagt der Mediziner. "Möglicherweise werden die Frauen Kinder bekommen können, doch es gibt keine Garantien dafür". In jedem Fall aber leisteten sie einen Beitrag zur Wissenschaft.

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