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Hebammen vor dem Aus: Darum braucht man die Geburtshelfer

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Hebammen vor dem Aus  

Hebammenkrise wird zur politischen Chefsache

21.02.2014, 11:16 Uhr | Maria M. Held, t-online.de

Hebammen vor dem Aus: Darum braucht man die Geburtshelfer. Die freiberuflichen Hebammen stehen vor dem Aus - weil sie sich ab 2015 nicht mehr versichern können. (Quelle: imago/Bernd Friedel)

Die freiberuflichen Hebammen stehen vor dem Aus - weil sie sich ab 2015 nicht mehr versichern können. (Quelle: Bernd Friedel/imago)

Babys gebären ist teuer und riskant. Das spüren Deutschlands Hebammen. Sie stehen vor dem beruflichen Aus, da kein Versicherungsunternehmen mehr Policen für eine Berufshaftpflicht anbietet. Die Kosten sind explodiert. Inzwischen ist die Krise in der Geburtshilfe zur Chefsache geworden. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hat den Hebammen jetzt politische Lösungen in Aussicht gestellt.

Es gibt schon jetzt immer weniger Hebammen, noch sind es rund 3500. Sie finden keine Versicherungsträger mehr, die das unkalkulierbare Risiko von Geburtsschäden abdecken wollen und ohne Versicherung dürfen sie nicht praktizieren. Zuletzt waren die verbliebenen Haftpflicht-Policen kaum mehr erschwinglich für die schlecht bezahlten Hebammen. Die Betriebskosten explodierten, die Bezahlung aber stagnierte. Der Versicherungsmarkt ist zusammengebrochen, dem Berufsstand droht das Aus.

Versicherungslücke bedeutet Berufsverbot für Hebammen

Mittlerweile gilt das nicht mehr nur für freie Hebammen, sondern auch für die in Kliniken angestellten. Sie sind zwar über die Klinik versichert, doch auch die finden keine Versicherungstarife mehr, der Selbstbehalt ist enorm. Zudem schließen immer mehr kleinere Kliniken die Entbindungsstationen, auch das schränkt die Versorgung und die freie Wahl des Geburtsortes beträchtlich ein.

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Online-Petition drängt Bundesgesundheitsminister Gröhe zu Lösungen

Das Bundesgesundheitsministerium hat Hilfen in Aussicht gestellt. Man will das Problem strukturell angehen, nicht nur aufschieben. Das Thema drängt, das drückt auch die starke Beteiligung an einer Online-Petition aus. Der Titel der Petition:"Lieber Herr Gröhe, retten Sie unsere Hebammen!"

Im Netz haben sich auf der Plattform change.org bis jetzt schon rund 200.000 Menschen beteiligt und Gesundheitsminister Hermann Gröhe dazu aufgefordert, sich des Problems anzunehmen und eine Lösung zu finden. Es ist nach Angaben eines Sprechers der Plattform die Petition in Deutschland, die am schnellsten wächst, seit es dieses Instrument gibt. Zudem gibt es viele Facebook-Gruppen und Blogs, die das Thema diskutieren.

Versorgungsengpass in der Schwangerenbetreuung

Angetrieben werden die Proteste nicht nur von Hebammen, sondern besonders von werdenden Müttern, die keine Hebammen mehr finden können. Versorgungslücken in der Schwangerenbetreuung gibt es vor allem in großen Städten und im ländlichen Bereich. Das bedeutet zum einen, dass Frauen nicht mehr - wie eigentlich garantiert - den Geburtsort frei wählen können zwischen der Privatwohnung, dem Geburtshaus oder der Klinik: Es bedeutet in Zukunft auch eine andere Art von Beistand rund um die Geburt. Statt Rufbereitschaft einer aus Kursen und Besuchen vertrauten Hebamme, würde sich die Betreuung auf das Klinikpersonal reduzieren, Notärzte müssten wohl öfters Babys entbinden, weil Frauen nicht mehr rechtzeitig die Klinik erreichen. Geburten werden öfter von Ärzten und Geräten überwacht, statt individuell betreut.

Kostenfaktor zwingt zum Verhandeln

Das bewirkt nicht nur ein Minus beim Wohlfühl-Faktor, sondern ein dickes Plus bei den Kosten für die Kliniken. Das wird wohl die Verhandlungsbereitschaft im Gesundheitsministerium beflügelt haben. Denn unterbezahlte, idealistische Hebammen kosten die Kassen trotz allem weit weniger als angestellte Ärzte mit Nachtzuschlägen. Die gesamte Geburtshilfe steckt in der Krise.

Hermann Gröhe hat sich mit den Hebammen getroffen, konkrete Lösungen gibt es allerdings nicht. Auf seiner Facebookseite fasst der Gesundheitsminister den Stand der Verhandlungen am 19. Februar so zusammen: "Ich habe mich gestern mit Vertreterinnen aller Hebammenverbände getroffen, um über ihre Anliegen - besonders über die problematische Situation bei der Berufshaftpflicht-Versicherung zu sprechen. Die Verbände haben in dem Gespräch ihre Positionen ausführlich dargestellt und ihre Befürchtungen im Hinblick auf den angekündigten Ausstieg eines Versicherungsunternehmens erläutert. Ich nehme diese Sorgen sehr ernst. Das im Koalitionsvertrag erwähnte Ziel, eine flächendeckende Versorgung mit Geburtshilfe sicherzustellen, ist mir ein echtes Herzensanliegen. Zugleich setze ich mich für eine Lösung ein, um die Haftpflichtproblematik dauerhaft und nachhaltig zu lösen. Hierfür sind verschiedene Wege denkbar, die derzeit im Bundesministerium für Gesundheit geprüft werden. Hierüber werde ich mit den Hebammenverbänden im Gespräch bleiben."

Hebammenkrise und Hebammenprotest: Zahlen, Fakten, Hintergründe

Derzeit gibt es in rund 21.000 Hebammen in Deutschland, laut Deutschem Hebammenverband, rund zwei Drittel von ihnen arbeiten freiberuflich, sind also nicht in Kliniken angestellt. Der Schwerpunkt der freiberuflichen Hebammen liegt auf Geburtsvorbereitungskursen, Hausbesuchen und Wochenbettbetreuung, nur noch rund 3000 wirken als Geburtshelferinnen.

Die Versicherungspolicen in der Berufshaftpflicht für Hebammen sind explodiert. Sie sind in den letzten zehn Jahren um das Zehnfache gestiegen, von 404 Euro im Jahr 2000 auf 4242 Euro im Jahr 2013, im Sommer sollen die Kosten auf 5000 Euro steigen. Eine Beleghebamme in einer Klinik müsste dann 18 Geburten betreuen, um überhaupt die Kosten für die Versicherung zu decken.

Dahinter steckt, dass keine Versicherung mehr das Risiko abdecken will. Die Schadensansprüche sind nicht zahlreicher geworden, sondern die Zahlungen müssen länger geleistet werden. Dank der weiterentwickelten Medizin können mehr Kinder mit Geburtsschädigungen durch einen Fehler von Hebamme oder Arzt länger am Leben gehalten werden. Die Versicherungen müssen dann sowohl Pflegekosten als auch das entgangene Erwerbseinkommen tragen. Die "Wirtschaftswoche" zitiert den Verband der Versicherer (GDV), nach deren Angaben leistet der Versicherer bei einer schweren Schädigung des Kindes bei der Geburt durchschnittlich eine Zahlung von rund 2,6 Millionen Euro. Zwischen 2003 und 2012 seien die Kosten um 80 Prozent gestiegen.

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