Startseite
Sie sind hier: Home > Eltern > Schwangerschaft >

Frühchen: Viele Kliniken können neue Versorgungsrichtlinien nicht erfüllen

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Frühchen-Versorgung  

Kliniken fehlt Personal für intensive Betreuung von Frühgeborenen

10.06.2014, 09:29 Uhr | Ingo Senft-Werner, dpa

Frühchen: Viele Kliniken können neue Versorgungsrichtlinien nicht erfüllen. Frühchen: Ein Frühchen liegt in der Neonatologie der Charité in Berlin in einem Inkubator. (Quelle: dpa)

Frühchen brauchen eine intensive Betreuung, doch den Kliniken mangelt es an Fachkräften. (Quelle: dpa)

Frühchen sollen in Kliniken die bestmögliche Betreuung erhalten. Dazu hat der Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) des Gesundheitswesens neue Standards festgelegt, die unter anderem mehr Personal für die intensive Frühchen-Versorgung vorschreiben. Das setzt die Kliniken unter Druck, denn ihnen fehlen qualifizierte Pflegekräfte und Geld, um die Vorgaben zu erfüllen.

Bundesweit gibt es rund 300 Frühchen-Stationen. Einige befürchten, dass sie diese Reform nicht überstehen. Die neuen Standards zur Versorgung von Frühgeborenen bedeuten für die Kinderstationen im Schnitt eine Aufstockung des Personals um etwa ein Drittel. Nach Ansicht der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) kann die Neuregelung nur mit Verzögerung umgesetzt werden, weil so viele zusätzliche Pflegekräfte auf dem Markt nicht zu bekommen seien. Alex Mertens von der DKG sagt: "Es klafft eine große Lücke, und sie zu schließen, wird Jahre dauern."

Selbst die Übergangsfrist ist zu knapp

Die Standards gelten ab sofort. Der GBA hat allerdings in begründeten Ausnahmen eine Übergangsfrist bis 2017 eingeräumt. Aber selbst diese ist für Mertens zu kurz gefasst, denn die Fachkräfte müssten nicht nur eine dreijährige Pflegeausbildung durchlaufen, anschließend stünden auch noch eine sechsmonatige Fachfortbildung sowie zwei Jahre Spezialpraktika auf dem Programm.

UMFRAGE
Finden Sie die Gesundheitsversorgung von Kindern in Deutschland ausreichend?

Im Moment reichten die 3000 Ausbildungsplätze in der Pflege gerade aus, um ausscheidendes Personal zu ersetzen. Daneben gebe es Kapazitäten für etwa 500 neue Ausbildungsplätze. Die müssten eigentlich längst eingerichtet sein. "Aber es fehlt das Geld und eine klare politische Zielvorgabe", sagt Mertens.

Eine Schwester muss bis zu fünf Frühchen versorgen

Grundsätzlich halten die Fachleute die Vorgaben jedoch für richtig. Vor allem die etwa 9000 Babys, die jährlich mit einem Gewicht unter 1500 Gramm geboren werden, brauchen eine intensive Betreuung. Bislang ist eine Schwester für bis zu fünf Frühchen zuständig, jetzt soll es zum Teil einen Schlüssel eins zu eins geben.
Frühchen sind sehr anfällig für Infektionen, die schnell lebensbedrohlich werden können. "Dieses Risiko lässt sich mit intensiverer Pflege minimieren", sagt Mertens, fügt aber gleich hinzu: "Ganz auszuschalten ist die Gefahr allerdings nie."

Kliniken fürchten Schadensersatzforderungen

Für die Kliniken kann die Reform auch aus einem anderen Grund teuer werden. "Die Neuregelungen haben für sie eine unangenehme haftungsrechtliche Situation geschaffen", erläutert Mertens. Kommt ein Kind zu Schaden, und die Klinik kann den vorgeschriebenen Pflegestandard nicht nachweisen, drohen hohe Schadensersatzforderungen. "Auch aus diesem Grund müssen die Fristen nochmals auf den Prüfstand."

Jedes zehnte Baby ist ein Frühchen

Von einer Frühgeburt spricht man, wenn ein Baby vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt kommt. Das betrifft fast jedes zehnte Kind in Deutschland. Eine normale Schwangerschaft dauert 40 Wochen. Wegen der noch nicht abgeschlossenen Entwicklung drohen vor allem extremen Frühchen gesundheitliche Probleme. Nach Angaben der Europäischen Stiftung für Neugeborene (EFCNI) liegt die Überlebensrate bei Kindern mit einem Geburtsgewicht unter 1000 Gramm bei 66 Prozent.

Frühchen 
Eine Hand voll Leben auf der Frühchenstation

Was zu einer Frühgeburt führt und wie Ärzte dann kämpfen. zum Video

Die häufigsten Spätfolgen sind Entwicklungsverzögerungen, Atemwegserkrankungen, motorische Störungen und Aufmerksamkeitsstörungen. Darunter leiden nach Studien rund ein Drittel der Kinder.

Frühchen Frida hält einen Rekord

Das bislang jüngste Frühchen Europas kam 2010 in Fulda zur Welt. Frieda wog nach 21 Wochen und fünf Tagen nur 460 Gramm und war gerade mal 26 Zentimeter groß. Sie überlebte - heute geht es ihr gut.

Sie finden uns auch auf Facebook - jetzt Fan unserer "Eltern-Welt" werden und mitdiskutieren!

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Ab 6 Uhr können Sie hier wieder wie gewohnt diskutieren. Wir danken für Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Gezielter Schlag 
Hit im Netz: Mit seinem Hund darf sich niemand anlegen

Känguru hält den Vierbeiner im Schwitzkasten, das Herrchen schreitet ein. Video

Anzeige

Shopping
tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de

Anzeige
shopping-portal