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Sterilisation lässt sich rückgängig machen: Refertilisierung

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Refertilisierung  

Eine Sterilisation lässt sich rückgängig machen

24.08.2016, 18:50 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli, t-online.de

Sterilisation lässt sich rückgängig machen: Refertilisierung. Selbst nach einer Sterilisation gibt es noch Möglichkeiten, sich einen Kinderwunsch zu erfüllen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Selbst nach einer Sterilisation gibt es noch Möglichkeiten, sich einen Kinderwunsch zu erfüllen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Etwa 50.000 Männer in Deutschland entscheiden sich jährlich für eine Sterilisation. Doch dieser Schritt muss nicht endgültig sein. Mittels einer Refertilisierung ist es möglich, die Zeugungsfähigkeit wieder herzustellen. Welche Methoden es gibt, wie groß die Erfolgsaussichten sind und was es kostet, erklärt ein Experte.

Die Sterilisation beziehungsweise die Vasektomie, bei der die Samenleiter des Mannes durchtrennt werden, ist bei Männern eine relativ verbreitete Methode, sicher zu gehen, wenn man keinen Nachwuchs mehr will. Seltener muss der Eingriff aus medizinischen Gründen durchgeführt werden, etwa wenn Verletzungen oder Entzündungen am Samenleiter oder angeborene Fehlbildungen diagnostiziert wurden.

Erneuter Kinderwunsch trotz Sterilisation

Doch was geschieht, wenn die bisherigen Planungen zur Makulatur werden, weil eine neue Liebe ins Leben tritt, die sich nochmal Nachwuchs wünscht? "Für 97 Prozent unser Patienten ist tatsächlich eine neue Partnerin mit Kinderwunsch der Hauptbeweggrund wieder zeugungsfähig werden zu wollen", erklärt der Urologe Horst Oesterwitz vom Potsdamer Klinikum Ernst von Bergmann.

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Durchschnittlich würden sich 15 Prozent der sterilisierten Männer Gedanken über eine Refertilisierung machen. Letztendlich entschlössen sich aber nur die Hälfte von ihnen zu dieser Behandlung und damit zur Wiederherstellung ihrer Fruchtbarkeit, so der Facharzt.

Da es sich bei einer Refertilisierung nach vorangegangener Sterilisation meist um einen Eingriff handelt, der auf eigenen Wunsch durchgeführt wird, übernehmen die Krankenkassen allgemein die Kosten nicht. Man muss deshalb in Deutschland mit etwa 2500 bis 3500 Euro für eine solche Operation kalkulieren.

So funktioniert eine Refertilisierung

Um eine Sterilisation rückgängig und damit den Samenleiter wieder durchgängig zu machen, sind heute zwei meist komplikationsarme operative Verfahren üblich. Beide dauern etwa zwei Stunden unter Vollnarkose und sind nur mit Hilfe eines OP-Mikroskops, sehr feinem Nahtmaterial und mikrochirurgischen Instrumenten möglich. Immerhin hat ein Samenleiter nur einen Durchmesser von drei Millimetern und der Kanal für den Spermientransport von nur 0,3 bis 0,5 Millimeter.

"Bei der am häufigsten durchgeführten Methode", erläutert der Mediziner, "handelt es sich um die Vasovasostomie (VVS), bei der eine neue Verbindung der beiden durchgetrennten Enden des Samenleiters geschaffen wird, wenn während der Operation ein ausreichender Spermiengehalt nachgewiesen werden kann. Das trifft etwa bei 80 Prozent der Patienten zu."

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Bei etwa 20 Prozent sei das zweite Verfahren, die Tubulovasostomie (TVS) notwendig, wo ein Samenleiterende mit dem Nebenhodengang verbunden werde. "Zu dieser OP kommt es meist dann, wenn die Verschlusszeit nach einer Sterilisation besonders lange war und dadurch das Endteil des Samenleiters 'verstopft' ist und während des Eingriffs im Samenleiter keine Samenzellen gefunden werden", erklärt Oesterwitz, in dessen Klinik in Potsdam bislang über 1500 Refertilisiers-Operationen realisiert wurden.

Erfolgsquote hängt von der Dauer der Verschlusszeit ab

Damit die filigrane Arbeit der Operateure auch wirklich gelingen kann, müssen sie nicht nur ein gutes Auge und eine ruhige Hand im Umgang mit den mikrochirurgischen Instrumenten haben, sondern auch eine Menge Erfahrung mitbringen. Nur dann ist ein Eingriff Erfolg versprechend. Deshalb sollten sich Betroffene an einen Spezialisten wenden, der mehr als 50 solcher Operationen jährlich durchführt. Davon gäbe es, so der Urologe und Chirurg Oesterwitz, nur etwa zehn in Deutschland.

Ob ein Mann nach einer Refertilisierung wieder zeugungsfähig wird und es zu einer Schwangerschaft kommt, hängt aber nicht nur vom Können des Arztes ab, sondern auch davon, wie lange die Sterilisation des Patienten zurückliegt und die Samenleiter nicht aktiv waren. So komme es dem Experten zufolge bei etwa zehn Prozent der Patienten, bei denen das VVS-Verfahren zur Anwendung kam, in den ersten Monaten nach der OP zu einer erneuten Verklebung des Samenleiters. Bei der selteneren TVS-Methode betreffe es 30 Prozent.

Schwangerschaftsrate nach der Refertilisierung

Doch auch wenn dieser Wiederverschluss nicht eintritt, ist die Fruchtbarkeit nicht garantiert. "Deshalb sollte üblicherweise drei Monate nach dem Eingriff ein Spermiogramm durchgeführt werden, wo überprüft wird, ob Samenzellen im Ejakulat nachweisbar sind", so Oesterwitz. "Das ist je nach Verfahren erfreulicherweise bei 70 bis 90 Prozent der Operierten der Fall."

Eine erfolgreiche Familienplanung hängt jedoch auch erheblich vom Alter der Partnerin ab. "Nehmen wir mal an, ein Durchschnittspaar besteht aus einer 32-jährigen Frau und ihrem Lebensgefährten, dessen Verschlusszeit vor der OP acht Jahre dauerte: Mit diesen Voraussetzungen liegt die Schwangerschaftsrate statistisch bei 70 Prozent. Ist die Frau aber über 40, sinkt die Quote auf nur 20 Prozent", erläutert der Urologe.

"Wartezeiten" nach dem Eingriff

Wie lange müssen sich Paare aber gedulden, bis der Mann nach einem erfolgreichen Eingriff wieder voll "einsatzfähig" sein kann und das operierte Gewebe ausreichend ausgeheilt ist? "Es gibt Frauen die bereits acht Wochen nach der OP ihres Partners schwanger werden. Doch bei unserem Durchschnittspaar muss man sich etwas mehr gedulden. Bei ihm dauert es statistisch etwa zehn Monate bis sich ein Baby ankündigt."

Gelingt es beim Mann nicht die Sterilisation rückgängig zu machen und auf "natürlichem" Weg Nachwuchs zu zeugen, gibt es laut Oesterwitz immer noch die Möglichkeit einer künstlichen Befruchtung der Frau. Die dazu nötigen Samenzellen würden dann aus den Hoden des Partners entnommen.

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