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Chlamydien bleiben oft unbemerkt und bedrohen die Fruchtbarkeit

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Viele sind infiziert, ohne es zu wissen  

Chlamydien bedrohen die Fruchtbarkeit

17.10.2014, 10:19 Uhr | Claudia Staub, t-online.de

Chlamydien bleiben oft unbemerkt und bedrohen die Fruchtbarkeit. Chlamydien sind Bakterien, die auf Schleimhäuten Infektionen auslösen können. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Chlamydien sind Bakterien, die auf Schleimhäuten Infektionen auslösen können. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Eine Infektion mit Chlamydien gehört zu den häufigsten Geschlechtskrankheiten. Besonders tückisch: Viele Frauen bemerken nicht, dass sie erkrankt sind. Bleiben Chlamydien unbehandelt, drohen unter anderem Eileiterschwangerschaften, Oberbauchschmerzen und sogar Unfruchtbarkeit.

Chlamydien sind Bakterien, die in den Zellen wachsen und beim Geschlechtsverkehr übertragen werden. Auf Schleimhäuten können sie Infektionen auslösen. Betroffen ist vor allem der Genitalbereich, aber auch auf den Augen, im Rachenraum oder der Lunge können sich die Bakterien ansiedeln.

Bis zu 300.000 Neuerkrankungen pro Jahr

Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) kann man davon ausgehen, dass sich in Deutschland jedes Jahr zwischen 100.000 und 300.000 Personen neu mit Chlamydien infizieren. Genaue Zahlen gibt es nicht, weil keine Meldepflicht besteht.

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Die meisten haben keine Symptome

Anzeichen bei Frauen können Ausfluss, Zwischenblutungen oder Brennen beim Wasserlassen sein, bei Männern eitriger Ausfluss und Schmerzen beim Urinieren. Eine Chlamydieninfektion ist normalerweise gut mit Antibiotika behandelbar. Problematisch ist jedoch, dass rund 80 Prozent der Frauen und etwa 50 Prozent der Männer keine Symptome verspüren und deshalb nichts von ihrer Erkrankung wissen und demzufolge nicht zum Arzt gehen. Auch die weitere Ausbreitung von Chlamydien wird dadurch begünstigt.

"Chlamydien oft Zufallsbefund"

Das bestätigt auch Professor Dr. Dr. Ioannis Mylonas, Leiter der Infektiologie an der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe München: "Chlamydien sind oft ein Zufallsbefund." Obwohl die Krankheit weit verbreitet sei, wisse kaum einer etwas darüber. So ergab eine Berliner Untersuchung an 14- bis 17-jährigen Mädchen, dass acht von zehn noch nie von der Krankheit gehört hatten. Zehn Prozent der Mädchen hatten sich bereits infiziert. Doch nur wer von der Krankheit, ihrem oft symptomlosen Verlauf und den Folgen für die Fruchtbarkeit weiß, wird sich gesundheitsbewusst verhalten.

Screening läuft ins Leere

Der Nachweis von Chlamydien erfolgt mit Hilfe eines Urintests. Ist eine Infektion vorhanden, schließt sich eine Behandlung mit Antibiotika an. Auch der Partner muss sich behandeln lassen, da sonst eine erneute Ansteckung droht.

Frauen bis 25 haben die Möglichkeit, sich einmal im Jahr auf Chlamydien testen zu lassen. Hintergrund ist ein Screening-Programm, das die Verbreitung der Bakterien eindämmen soll. Der Erfolg des Screenings wird von Ärzten jedoch zunehmend angezweifelt. So wird beispielsweise beanstandet, dass nur Frauen untersucht werden und auch nur bis zu einem Alter von 25. Außerdem führen Unklarheiten über die diagnostischen Methoden (Sammeln von Urinproben und gemeinsame Analyse) sowie Abrechnungsmodalitäten zur weiteren Kritik des Programms. Das Screening läuft somit ins Leere.

Folgen einer Chlamydien-Infektion

Wird die Infektion nicht erkannt und behandelt, kann sie in den Bauchraum "aufsteigen". Dies geschieht bei etwa zehn bis 40 Prozent der betroffenen Frauen. Der Erreger wandert über Harnröhre, Gebärmutterhals und Gebärmutter bis zum Eileiter und kann bei jedem dieser Organe Entzündungen hervorrufen. Bleibt eine Behandlung weiterhin aus, besteht die Gefahr, dass die Entzündung chronisch wird und die Eierstöcke verkleben beziehungsweise vernarben. Als Folge drohen Unfruchtbarkeit, chronische Schmerzen im Unterbauch und Eileiterschwangerschaften.

Eine unbehandelte Chlamydieninfektion scheint die häufigste Ursache von erworbener Unfruchtbarkeit zu sein, wobei langfristige Untersuchungen noch ausstehen. "Es wird angenommen, dass es bei rund 20 Prozent der Frauen zu Unfruchtbarkeit kommt", erklärt Mylonas. Erst wenn über einen längeren Zeitraum keine Behandlung erfolgt, kommt es zu den gefürchteten Komplikationen. Weil die Wahrscheinlichkeit sich zu infizieren für Frauen in jungen Jahren größer ist, der Kinderwunsch aber immer später umgesetzt wird, kann die Zeitspanne zwischen Ansteckung und Behandlung dennoch zu lang sein. "Sind die Eileiter erst einmal vernarbt, lässt sich das nicht rückgängig machen", so Mylonas.

Chlamydien auch für Männer gefährlich

Auch bei Männern drohen Spätfolgen, sagt der Mediziner. "Entzündungen der Harnröhre, der Prostata und der Hoden sowie in seltenen Fällen auch der Gelenke können die Folgen einer unbehandelten Chlamydieninfektion sein." Eine Sterilität kommt bei Männern wahrscheinlich seltener vor als bei Frauen, ist aber ebenfalls möglich.

Chlamydienuntersuchung in der Schwangerschaft

Auch in der Schwangerschaftsvorsorge sind Chlamydien ein Thema. Routinemäßig werden alle Frauen auf eine Infektion getestet, denn für das ungeborene Kind stellen die Bakterien ebenfalls ein Risiko dar. So soll verhindert werden, dass sich ein Baby während der Geburt ansteckt, was zu Augeninfektionen oder einer Lungenentzündung führen kann, die schwierig zu therapieren sind.

Die Ansteckung verhindern

"Insgesamt betrachtet stellen Chlamydien ein großes gesundheitspolitisches Problem dar", fasst Mylonas zusammen. Auch wenn es keine offiziellen Daten für Deutschland gebe, lässt sich doch sagen, dass die Zahl der Fälle in den letzten Jahren zugenommen hat. Das liegt unter anderem daran, dass die Bereitschaft, Kondome zu benutzen, seit den 90er Jahren zurückgeht. Hinzu kommen Unwissenheit über sexuell übertragbare Krankheiten und ihre Folgen und eine verbesserte Diagnostik. "Wer einer Ansteckung sicher vorbeugen will, muss Kondome benutzen", rät Mylonas.

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