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Schwangerschaftsrisiken  

Gesunder Lebensstil kann Diabetesrisiko halbieren

01.10.2014, 16:36 Uhr | Irene Berres, Spiegel Online

Schwangerschaftskomplikationen. Bewegung, Ernährung, Genuss - der Lebensstil beeinflusst das Diabetes-Risiko in der Schwangerschaft. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Bewegung, Ernährung, Genuss - so früh muss der gesunde Lebensstil ansetzen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Müsli zum Frühstück, mit dem Fahrrad zur Arbeit: Wer vor einer Schwangerschaft gesund lebt, erkrankt während der neun Monate deutlich seltener an Diabetes. Das schützt nicht nur die Mutter, sondern auch das ungeborene Kind.

Mit dem Bauch wächst bei schwangeren Frauen das Risiko, an Diabetes zu erkranken. Häufig, so ist die Theorie, gibt die Schwangerschaft, indem sie den Stoffwechsel fordert, nur noch den letzten Anstoß für die Zuckerkrankheit. Den Grundstein für die Erkrankung legen die Frauen schon viel früher.

Für diese Theorie sprechen auch die Ergebnisse einer aktuellen, großen Studie, die Forscher um Cuilin Zhang vom US-National Institue of Child Health and Human Development im "British Medical Journal" veröffentlicht haben. Demnach kann eine Frau wahrscheinlich schon vor der Schwangerschaft beeinflussen, ob sie in den neun Monaten Diabetes entwickelt oder nicht.

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Die Glukose-Intoleranz zählt zu den häufigsten Komplikationen während einer Schwangerschaft. In Deutschland tritt sie bei etwa vier Prozent der Frauen auf oder - anders gesagt - bei einer von 25 Schwangeren. Nach der Geburt normalisieren sich die Blutzuckerwerte meistens wieder. In den neun Monaten aber gefährdet die Krankheit neben der Mutter auch das Kind, mit ihr steigt etwa das Risiko für ein hohes Geburtsgewicht, für Probleme während der Geburt oder Bluthochdruck der Mutter.

Daten von mehr als 20.000 Schwangerschaften analysiert

Als Basis für ihre Analyse diente den Forschern die "Nurses' Health Study II", eine Studie aus den USA, bei der mehr als 110.000 Krankenschwestern jahrelang in ihrem Alltag begleitet wurden. Um Risikofaktoren für verschiedene Krankheiten zu erforschen, mussten die Teilnehmerinnen immer wieder ihr Essverhalten dokumentieren, sie wurden gewogen, vermessen, protokollierten ihre Vorliebe zu Zigaretten und Alkohol und auch Krankheiten, die Mediziner in der Zeit bei ihnen diagnostizierten.

Innerhalb des Beobachtungszeitraums von mehr als zehn Jahren brachten mehr als 14.400 der Teilnehmerinnen mindestens ein Kind zur Welt, insgesamt konnten die Forscher die Daten von mehr als 20.000 Schwangerschaften auswerten und analysieren, wie sich ein gesunder Lebensstil auf das Risiko auswirkte, während der Schwangerschaft an Diabetes zur erkranken. Tatsächlich fanden die Forscher bei allen vier untersuchten Faktoren einen statistischen Zusammenhang mit der Krankheit.

  • Hätten alle Frauen vor der Schwangerschaft ein normales Gewicht (definiert bis zu einem BMI von 25) gehabt, hätten laut den Berechnungen 28 Prozent der Fälle verhindert werden können.
  • Hätten sich alle Frauen vor der Schwangerschaft viel bewegt (mindestens fünfmal die Woche mindestens eine halbe Stunde moderaten oder anstrengenden Sport), hätten zehn Prozent der Fälle verhindert werden können.
  • Hätten sich alle Frauen gesund ernährt, mit viel Gemüse, Obst, Nüssen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren, hätten bei den Teilnehmerinnen der Studie 12 Prozent der Fälle verhindert werden können.
  • Den geringsten Effekt konnten die Forscher beim Rauchen errechnen. Hätten alle Frauen nicht geraucht, hätten drei Prozent der Fälle verhindert werden können. Allerdings rauchten in der Studie mit acht Prozent grundsätzlich wenige Frauen, schreiben die Forscher.

Risiko senken, Übergewicht behalten

Je mehr der Faktoren die Teilnehmerinnen erfüllten, desto stärker sank ihre Wahrscheinlichkeit, zu erkranken. Im Vergleich zu den Frauen, die keines der Kriterien erfüllten, hatten die Frauen mit dem gesündesten Lebensstil ein um 83 Prozent geringeres Risiko, in der Schwangerschaft Diabetes zu entwickeln. Im Vergleich zum Durchschnitt war ihr Risiko 52 Prozent geringer. Hätten alle Frauen so gesund gelebt, hätte laut den Berechnungen fast die Hälfte der Fälle verhindert werden können (48 Prozent).

Die Ergebnisse blieben auch bestehen, als die Forscher den Einfluss anderer Faktoren auf das Diabetesrisiko wie das Alter oder weitere Fälle von Diabetes in der Familie herausrechneten. Dennoch können die Daten nur nachweisen, dass etwa Frauen mit einer gesunden Ernährung seltener an Diabetes erkranken. Ob es tatsächlich die gesunde Ernährung ist, die das Risiko verringert, können die Daten jedoch nicht belegen. Ein Problem, das alle wissenschaftlichen Beobachtungsstudien haben. Die große Teilnehmerzahl spricht allerdings für die aktuelle Untersuchung, außerdem deckt ihr Ergebnis sich mit denen früherer Studien.

"Die Ergebnisse unserer Studie weisen darauf hin, dass die Prävention von Schwangerschaftsdiabetes früh starten kann - sogar vor der Schwangerschaft", schreiben die Autoren in ihrem Fazit. "Das Gewicht vor der Schwangerschaft zu kontrollieren, wäre wohl der beste Weg, das Risiko zu senken." Programme zeigten jedoch immer wieder, dass dies nur wenige schafften. Auch dann, ermutigen die Forscher, könnten die Frauen etwas tun: Wer sich gesund ernährte, bewegte und nicht rauchte, habe immerhin ein 41 Prozent niedrigeres Risiko, zu erkranken - trotz Übergewicht.

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