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Buchtipp: "Bei Anruf Baby" von Ursula Walch

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"Bei Anruf Baby"  

Eine Hebamme erzählt von ihren außergewöhnlichen Einsätzen

06.10.2014, 12:36 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli, t-online.de

Buchtipp: "Bei Anruf Baby" von Ursula Walch. Babys halten sich nicht an Terminpläne - gut, wenn eine Hebamme in der Nähe ist. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Babys halten sich nicht an Terminpläne - gut, wenn eine Hebamme in der Nähe ist. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Mehr als 4000 Babys hat Ursula Walch schon auf die Welt gebracht. Dabei war die leidenschaftliche Hausgeburtshebamme aus Österreich in vielen Ländern unterwegs, arbeitete unter anderem elf Jahre auf den Kanaren und betreute später ein Hebammen-Projekt in der Westsahara. Heute lebt die Geburtshelferin, die selbst vier Kinder hat, mit ihrer Familie in Graz und hat nun ein Buch mit dem Titel "Bei Anruf Baby" über ihre außergewöhnlichsten Geburten veröffentlicht - geschrieben mit viel Herzblut und Humor, aber auch mit einem kritischen Blick auf die Routine schulmedizinischer Geburtshilfe.

Obwohl ihre Arbeit meist anstrengend und nicht planbar ist, brennt Walch auch nach Jahrzehnten noch für diesen außergewöhnlichen Job, der, wie sie in ihrem Buch schreibt, "zu den ganz wenigen archaischen in unserer zivilisierten Welt zählt. Ich wollte an dieser Schnittstelle des Lebens stehen und möglichst vielen Frauen und ihren Kindern die Erfahrung dieses überwältigendem Erlebnisses ermöglichen."

Umso mehr bedauert die Hebamme die Entwicklung der modernen Geburtshilfe, wo sich die meisten Frauen - angetrieben von Ängsten - für eine vermeintlich "sichere" Entbindung in einer Klinik entscheiden und immer öfter auch für einen Kaiserschnitt. Begleitet würden sie dann von "Prophylaxetätern", so die Autorin, die durch ihre Ausbildung immer auf Komplikationen fokussiert seien und Geburt vornehmlich als medizinisches Problem und potenzielle Bedrohung betrachteten. So stünden die Unterstützer einer hebammenorientierten, selbstbestimmten Entbindung zunehmend auf verlorenem Posten und seien zudem permanent dem Risiko ausgesetzt, existenzvernichtenden Klagen ausgesetzt zu werden. "Das ist der eigentliche Grund, weshalb wir Hausgeburtshebammen eine vom Aussterben bedrohte Spezies sind."

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Vor diesem Hintergrund sind die zwölf unterhaltsamen und manchmal auch skurrilen Geschichten von Walch auch als beherztes Plädoyer zu verstehen, das zeigen soll, "wie natürlich, überwältigend und bereichernd eine selbstbestimmte Geburt sein kann."

Kurze Nächte, lange Autofahrten

Oft sind die Geburtserlebnisse, von denen die Grazer Hebamme erzählt, mit einem nächtlichen Einsatz und mehr oder weniger langen Autofahrten verbunden und dem Druck, das Ziel noch rechtzeitig erreichen zu müssen. So berichtet Walch von einem Fall in ihrer Heimatstadt, wo sie zur gleichen Zeit zwei Schwangere mit demselben Nachnamen betreute. Als der dringende Anruf einer ihrer "Kundinnen" kam, eilte sie in der Hektik zunächst versehentlich zur falschen Patientin, was zur Folge hatte, dass sie nochmals ans andere Ende von Graz rasen musste, um bei der richtigen Geburt dabei sein zu können.

Wesentlich länger war die stundenlange Anreise in einer anderen Episode des Buches, wo Walch durch die Alpen bis zu einem kleinen slowenischen Dorf fuhr, um dort eine Entbindung zu begleiten. Als sich die Hebamme aber erheblich verspätete, musste der werdende Vater zwangsläufig zu ihrem verlängerten Arm werden und per Handy geburtshelferische Anweisungen umsetzen. Erst als das Kind schon im Geburtskanal steckte, kam Walch dazu und konnte das Finale noch fachgerecht managen - mit dem Ergebnis, dass Mutter und Kind wohlauf waren, was in diesem Fall nicht unbedingt selbstverständlich war. Das Baby, ein Junge, war nämlich ein gewaltiges "Bröckerl" und wog stattliche 4,8 Kilogramm. 

Telefonisches Geburtsmanagement zwischen Graz und la Palma

Was sind aber ein paar hundert gegen 4000 Kilometer. So weit weg von ihrer Geburtshelferin war eine spanische Freundin von Walch, die auf der Kanareninsel La Palma in den Wehen lag und mitten in der Nacht telefonisch Unterstützung bei der Geburt zu Hause anforderte. Auch hier half der Ehemann, "ferngesteuert" von der Hebamme in Österreich seiner Frau, bis schließlich nach langen Stunden ein gesundes Mädchen das Licht der Welt erblickte. Doch damit nicht genug: Um wie üblich sicherzustellen, dass die Nachgeburt vollständig ist und keine gefährlichen Blutungen eintreten, ließ sich Walch diesmal zur Dokumentation Fotos aus La Palma per Mail schicken. Auch diesmal klappte die geburtshelferische Fernbetreuung problemlos - der digitalen Technik sei Dank.

Doppeltes Glück im eingeschneiten Ferienort

Spannend schildert die Hebamme auch eine Entbindung, zu der sie völlig unvorbereitet während eines Skiurlaubes gerufen wurde. Bei einer jungen Frau, die Zwillinge erwartete und mit ihrem Mann in demselben Hotel wie die Autorin war, setzten nämlich eines Abends zu früh die Wehen ein. Unglücklicherweise hatte am Tag zuvor eine Lawine die Zugangsstraße zum Skiort verschüttet, so dass kein Krankentransport möglich war. Jetzt war Ursula Walch samt ihres Hebammenkoffers gefragt. Schnell wurde das Ferienappartement in einen provisorischen Kreißsaal umfunktioniert und dann dauerte es nicht mehr lange, bis das erste Baby inmitten von Handtuchbergen und Bettlaken geboren wurde.

Doch beim zweiten Kind, das in einer selten vorkommenden, verdrehten Querposition in der Gebärmutter lag, wurden irgendwann die Herztöne langsamer. Ein Wettlauf mit der Zeit begann: Der Wehen-Tropf sollte jetzt das Geschehen beschleunigen. Und es glückte. Auch Baby Nummer zwei schaffte es nach schweißtreibendem Einsatz aller Beteiligten gesund auf die Welt - mit den Beinen und dem Po voran. Das mittlerweile per Hubschrauber eingeflogene Notarztteam hatte nun nichts mehr zu tun und brauchte auch die beiden Neugeborenen nicht mitnehmen, denn sie waren kräftig genug und mussten nicht in den Brutkasten.

Stand-by-Geburtshilfe im Duty-Free-Shop

Fast unwirklich war die Szenerie, die die Autorin auf dem Madrider Flughafen erlebte, wo sie eigentlich nur eine Reisende von vielen war, im Duty-Free-Shop aber von einer Sekunde zur anderen zu einer wichtigen Protagonistin wurde: Zwischen den Regalen mit Luxusparfums, Kosmetika und Designer-Accessoires sank nämlich plötzlich eine hochschwangere Beduinin in traditionellem Gewand stöhnend zu Boden, nachdem ihre Fruchtblase geplatzt war.

Schnell reagierte die erfahrene Hebamme und machte sich an die Arbeit, ertastete durch die Stoffmassen - unter lautstarkem Protest der Frau - den Weg zur richtigen Stelle, während zwei einigermaßen verdutzte Verkäuferinnen versuchten, die werdende Mutter auf unzähligen Louis-Vuitton-Tüchern einigermaßen bequem zu betten und schließlich die Jalousien des Shops zu schließen, um Neugierige fernzuhalten. Auch hier geht die Geschichte mit der Geburt eines gesunden Babys schließlich gut aus, mit der Besonderheit, dass es an einem ausgesprochen wohlriechenden Ort ins Leben startete.

Ein beglückendes Ereignis voller Magie und Überraschungen

Bei all ihren Einsätzen als selbstständige Hausgeburtshebamme musste sich Walch nicht nur stets auf ihr handwerkliches Know-how, sondern immer auch auf eine gehörige Portion Intuition verlassen, "wo das Tasten und Fühlen, Horchen und Hören, Riechen und Spüren" eine besseres Verstehen für das Geschehen bringt. Auch dieses Talent, schreibt sie, mache die Faszination dieses Berufes aus, genau wie die Tatsache, "dass man - vom Sex einmal abgesehen - hautnah am wohl beglückendsten, persönlichsten, intimsten, zwischenmenschlichsten Ereignis teilnehmen darf, das in unserer so oberflächlichen und zweckoptimistischen Welt noch voll Magie und Überraschungen ist, voll wunderbarer Weisheiten und archaischer Wildheit".

Buchtipp: Ursula Walch, Bei Anruf Baby. Aus dem Alltag einer außergewöhnlichen Hebamme, Heyne Verlag, München 2014

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