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Hypnose bei der Geburt soll Schmerzen lindern

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Wehen in Trance  

Hypnose soll Schmerzen bei der Geburt lindern

11.10.2016, 16:14 Uhr | Maren Hennemuth, dpa

Hypnose bei der Geburt soll Schmerzen lindern.  (Quelle: dpa/Katholisches Klinikum Ruhrgebiet/Günter Schmidt)

(Quelle: Katholisches Klinikum Ruhrgebiet/Günter Schmidt/dpa)

Längst ist die Hypnose eine anerkannte Methode, die auch in Krankenhäusern praktiziert wird. Am St. Sixtus-Hospital in Haltern am See können sich Frauen für eine Geburt unter Hypnose entscheiden. Das soll den Schwangeren die Angst nehmen und ihre Schmerzen lindern.

"Es ist ein Zustand der Tiefenentspannung, der sich zwischen Wach-Sein und Schlaf befindet", sagt sie. Die Frauen könnten sich hinterher an alles erinnern. Helga Hüsken-Janßen, Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für Hypnose und Hypnotherapie (DGH) beschreibt es so: "Viele Schwangere vergleichen das Erleben einer Trance mit dem angenehmen Zustand kurz vor dem Einschlafen, wenn man eher in Bildern denkt, und der Körper zur Ruhe kommt."

In der Psychotherapie gilt Hypnose als anerkanntes Verfahren und wird genutzt, um etwa Menschen mit Depressionen zu helfen. "Die Selbsthypnose kann eine wirkungsvolle Maßnahme sein, um Verspannungen und Angst während der Geburt zu reduzieren", erklärt Ulrich Freitag, Vorstandsmitglied beim Berufsverband der Frauenärzte (BVF). Entscheidend dafür sei eine sehr gute Anleitung vor der Geburt.

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Kein Jahrmarkt-Hokuspokus

Claudia Müffler, Hebamme am St. Sixtus-Hospital in Haltern am See, hat ihre Technik während einer 40-stündigen Ausbildung bei einem Hypnotherapeuten erlernt. Man koppele Dinge an den Zustand der Entspannung, so dass die Frauen ganz von allein dahin zurückkommen. Statt eines Pendels nutzt sie ihre Hand: "Ich halte der Schwangeren meinen Finger über die Stirn, und sie muss, ohne den Kopf zu heben, die Augen darauf gerichtet lassen", erklärt sie.

Irgendwann dürfen sich die Augen schließen. Die Frauen lernten, sich so fallen zu lassen, dass sie Wärme und Schwere empfinden. Dann bekommen die Schwangeren die Aufgabe, sich gedanklich einen Wohlfühlort auszusuchen. Dieses Bild sollen die Frauen aufsuchen, wenn die Geburt beginnt.

Bei der hypnomentalen Geburtsvorbereitung wird mit den Frauen ein mentaler Probelauf der Geburt geübt. "Zentral ist ein Konditionierungsprozess, bei dem der Beginn einer Wehe mit dem Erleben eines Trance-Zustandes gekoppelt wird", erklärt DGH-Geschäftsführerin Hüsken-Janßen. Hypnose gehöre aber nur in die Hände von qualifizierten Therapeuten, rät die DGH. Ein Therapeut sollte über ein Zertifikat einer seriösen Hypnosegesellschaft verfügen, die dafür bürge, dass der Therapeut eine solide Ausbildung absolviert habe. Für Psychologen, Psychotherapeuten und Ärzte bietet die DGH etwa eine Fortbildung an, für Hebammen nicht.

Erste Studienergebnisse sind positiv

Auch der BVF verweist darauf, dass die therapeutische Hypnose nur von qualifizierten Psychotherapeuten und Ärzten durchgeführt werden sollte. Denn auch dann, wenn eine Frau nur einen Hypnosekurs zur Geburtsvorbereitung belege und hoffe, ihre Stärken zu aktivieren, könne es sein, "dass starke unerfreuliche oder unangenehme Gefühle und Erlebnisse aufbrechen", erklärt Freitag. "Solche Prozesse müssen von den therapeutischen Begleitern frühzeitig erkannt werden."

Eine psychische Erkrankung sei ein Ausschlusskriterium, heißt es beim St. Sixtus-Hospital. "Wir schauen uns die gesundheitliche Vorgeschichte der Frau genau an", sagt Claudia Müffler. Litt sie mal an einer Depression? Gibt es traumatische Vorerfahrungen? "Solche Frauen schicken wir zu unserem Ausbilder, einem Hypnotherapeuten, weil Hypnose immer ans Unterbewusste geht", erklärt sie.

Studien zum Thema gibt es in Deutschland noch nicht viele. Erste Ergebnisse deuteten darauf hin, dass mit Hypnose Ängste genommen werden können und weniger Schmerzmittel notwendig sind, sagt der Frauenarzt Joscha Reinhard vom St. Marienkrankenhaus in Frankfurt am Main. "Aber die Patientenzahl ist einfach noch zu gering, um das mit hundertprozentiger Sicherheit sagen zu können."

"Ich war richtig ruhig"

Marion Schulze-Efting hat die hypnomentale Methode ausprobiert. "Am Anfang konnte ich mir darunter nicht so viel vorstellen", sagt sie. Vor etwas mehr als drei Monaten hat sie ihr zweites Kind bekommen. In dem Vorbereitungskurs habe die Hypnotherapeutin immer wieder bestimmte Schlagwörter benutzt. "Als die Hebamme mir dann sagte, dass der Muttermund geöffnet sei, bin ich automatisch in den Zustand der Trance gekommen", sagt sie. Angst habe sie nicht gehabt. "Ich war richtig ruhig. Dadurch war die Atmosphäre sehr schön. Klar hatte ich Schmerzen, aber nichts, was ich nicht aushalten konnte."

Wie aber lässt sich die Technik in den Kreißsaal integrieren? "Es kommt nicht auf das Krankenhaus an. Die Frauen haben gelernt, die Hypnose autark zu nutzen", sagt Hüsken-Janßen. Auch die Methode, die Müffler vermittelt, ist so angelegt, dass die Frau ohne Anleitung in die Hypnose finden soll.

Hebamme: "Keine Schmerzfreiheit versprechen"

Aber klappt das auch, wenn das Klinikpersonal selbst nicht mit der Technik vertraut ist? Die Hebamme Jana Friedrich hat ihre Zweifel. Sie arbeitet fest angestellt in einer Klinik in Berlin und hat dort Schwangere erlebt, die sich in Hypnobirthing-Kursen vorbereitet hatten. "Ich hatte das Gefühl, die Frauen haben eine Liste im Kopf, wie die Geburt zu verlaufen hat", sagt sie. Durch dieses starre Bild seien sie weniger flexibel gewesen.

Sie habe außerdem den Eindruck gewonnen, dass Schmerzen in den Kursen negiert würden. Ein Fehler, glaubt sie. "Es gibt Frauen, die das gut können, aber man sollte ihnen nicht versprechen, dass die Geburt nicht wehtun wird." Prinzipiell sei sie vom Ansatz des Hypnobirthing aber überzeugt: "Ich glaube, dass es in einem Geburtshaus oder sogar mit einer Beleghebamme in der Klinik funktionieren kann." Wichtig sei aber, dass die Schwangere Vertrauen in das Team in der Klinik habe.

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