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Schwanger mit 65: Künstliche Befruchtung "nicht vertretbar"

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65-Jährige mit Vierlingen schwanger  

Reproduktionsmediziner: "Ich halte das für nicht vertretbar"

13.04.2015, 16:54 Uhr | Claudia Staub, t-online.de

Schwanger mit 65: Künstliche Befruchtung "nicht vertretbar". Annegret R. (links) ist am Montag Abend bei Birgit Schrowange zu Gast.  (Quelle: RTL/Pfeiffer/InfoNetwork)

Annegret R. (links) ist am Montag Abend bei Birgit Schrowange zu Gast. (Quelle: RTL/Pfeiffer/InfoNetwork)

Die Vierlingsschwangerschaft einer 65-jährigen Frau aus Berlin liefert Diskussionsstoff, wo bei einer Kinderwunschbehandlung die ethischen Grenzen des medizinisch Möglichen gezogen werden sollten. Nach Angaben des Senders RTL hat die Grundschullehrerin sich im Ausland mit gespendeten Eizellen und Spendersamen künstlich befruchten lassen. Bei dem Eingriff seien ihr vier befruchtete Eizellen eingesetzt worden. Die Elternredaktion von t-online.de sprach mit dem Vorsitzenden des Bundesverbandes Reproduktionsmedizinischer Zentren Deutschlands (BRZ), Ulrich Hilland, über diesen Fall.

t-online.de: Wie ist es überhaupt möglich, in hohem Alter schwanger zu werden?

Hilland: Dazu ist bei einer Frau in diesem Alter eine Eizellspende erforderlich. In diesem Fall handelte es sich um eine so genannte Doppelspende, weil auch der Samen von einem Spender stammte. Die Eizelle wird befruchtet und eventuell kryokonserviert, also eingefroren. Die Frau wird auch behandelt. Ihre Gebärmutterschleimhaut muss wieder aufgebaut werden, dazu ist eine Hormonbehandlung nötig. Diese Behandlung ist relativ unkompliziert und dauert etwa zwei bis drei Wochen.

UMFRAGE
Was halten Sie davon, wenn sich Frauen über 50 künstlich befruchten lassen?

Kann ein 65-jähriger Körper überhaupt eine Schwangerschaft aushalten?

Das ist für den Körper eine riesige Belastung. Eine Vierlingsschwangerschaft wäre schon für eine junge Frau eine enorme Herausforderung. Hier kommen die Altersprozesse der Mutter zusätzlich zum Tragen. Das ist mit einem erheblich höheren Risiko verbunden. Als Komplikationen drohen Schwangerschaftsvergiftung, Diabetes oder Thrombose. Diese Risiken gelten bei jeder Schwangerschaft. Doch bei einer Mehrlingsschwangerschaft steigen sie exponentiell. Deshalb ist zusätzlich zur gynäkologischen Kontrolle auch eine engmaschige internistische Überwachung nötig.

Auszuhalten ist das. Aber ob das auch gut ausgeht?

Auch für die Babys ist die Schwangerschaft gefährlich, denn Mehrlingsschwangerschaften enden häufig mit Frühgeburten. Den Kindern drohen also alle Probleme, mit denen Frühchen auch sonst konfrontiert sind, bis hin zu dauerhaften, lebenslangen Schäden.

Wie ordnen Sie diese Schwangerschaft ein?

Ich halte das für nicht vertretbar. Ziemlich sicher wurden Eizellen einer jungen Frau verwendet. Die Wahrscheinlichkeit, dass damit eine Schwangerschaft eintritt ist hoch. Deshalb ist es unverantwortlich, gleich vier Embryonen einzupflanzen.

Wo wäre Ihrer Meinung nach die Altersgrenze für eine Schwangerschaft?

Das muss immer individuell betrachtet werden. Bei einer gesunden Frau sollte die Altersgrenze in etwa mit dem normalen Einsetzen der Menopause gezogen werden, also um die 50.

Wie ist die Situation in Deutschland?

Für die künstliche Befruchtung gibt es keine Altersgrenze, allerdings zahlen die gesetzlichen Krankenkassen nur bis zum Alter von 40 bei Frauen und 50 bei Männern.

In der Regel werden zwei Embryonen eingesetzt, nur in Ausnahmefällen drei. Deshalb wäre in Deutschland eine Vierfachschwangerschaft auf künstlichem Weg nahezu unmöglich.

Die Eizellspende ist in Deutschland verboten. Ich finde aber, sie sollte erlaubt sein. Die Anzahl der eingepflanzten Embryonen muss dann aber begrenzt werden.

Die Leser von t-online.de haben das Thema rege kommentiert. Hier lesen Sie einige repräsentative Meinungen zum Fall der 65-Jährigen, die Vierlinge erwartet.

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