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So funktioniert der Nestschutz als Immunbollwerk für Neugeborene

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Immunbollwerk für Neugeborene  

Nestschutz kann Babys nicht vor allen Kinderkrankheiten bewahren

08.05.2015, 16:34 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli , t-online.de

So funktioniert der Nestschutz als Immunbollwerk für Neugeborene. Mütter geben ihren Kindern mit dem Nestschutz eine Zeitlang Schutz gegen bestimmte Krankheitserreger mit. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Mütter geben ihren Kindern mit dem Nestschutz eine Zeitlang Schutz gegen bestimmte Krankheitserreger mit. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Seit dem Masernausbruch in Berlin Anfang des Jahres wird wieder vermehrt über Impfschutz und die Gefahr einer Ansteckung insbesondere bei Kleinkindern diskutiert. Bei Babys heißt es, dass sie durch den Nestschutz ohnehin gegen viele Krankheiten gewappnet seien. Der Leiter des Deutschen Zentrums für Impfmedizin, Hans-Jürgen Schrörs, erklärt, wie lange dieses Immunbollwerk tatsächlich schützt und warum Impfungen gegen Masern, Mumps, Röteln und Co. als Fortsetzung des Nestschutzes wichtig sind.

Gleich nach der Geburt muss ein Baby sich gegen Attacken von Viren und Bakterien zur Wehr setzen. Dabei ist es der Welt außerhalb des Mutterleibes keineswegs schutzlos ausgeliefert, denn es hat eine gewisse Abwehr gegen bestimmte Infektionskrankheiten schon im Mutterleib aufgebaut. Aus dem mütterlichen Blut sind Antikörper über die Nabelschnur direkt in das Blut des Kindes übergegangen. Das Kind leiht sich so gewissermaßen die Immunität seiner Mutter.

Nestschutz wirkt nicht uneingeschränkt

"Der Nestschutz bietet dem Säugling allerdings nur bedingt Schutz", erklärt Schrörs im Gespräch mit t-online.de, "da nicht gegen alle wichtigen Infektionskrankheiten Antikörper vorhanden sind, zum Beispiel gegen Keuchhusten. Außerdem kommt es drauf an, ob die Mutter die Krankheit bereits hatte, beziehungsweise ob sie über einen Impfschutz verfügt. Wenn sie keinen Schutz hat, gibt es für das Kind auch keinen Nestschutz gegen diesen Erreger."

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Zwar werden auch über die Muttermilch schützende Stoffe transportiert, doch das Stillen werde diesbezüglich überschätzt, so der Mediziner, denn nicht alle Antikörper würden über die Milch übertragen.

Besonders schwach ist der Nestschutz bei extremen Frühchen ausgebildet, da die mütterlichen Abwehrstoffe vor allem im letzten Schwangerschaftsdrittel übertragen werden.

Abwehr mit begrenzter Haltbarkeit

Der Nestschutz ist zwar eine geniale Einrichtung der Natur, wirkt jedoch nur relativ kurze Zeit. Das mitgelieferte Depot wird ab dem Moment, in dem die Nabelschnur nach der Geburt durchtrennt wird, allmählich kleiner. "Mütterliche Antikörper sind nicht haltbar und können sich nicht vermehren. Sie werden in den ersten Lebensmonaten abgebaut. Für die meisten Infektionskrankheiten besteht dann nach vier bis sechs Monaten kein ausreichender Antikörperspiegel und damit kein Nestschutz mehr", kommentiert Schrörs.

Parallel zum Nestschutz beginnt der kindliche Organismus selbst ein Immunsystem aufzubauen und lernt so, Krankheitserreger abzuwehren. Das ist auch nötig, denn das Baby kommt von Tag zu Tag mehr mit der Umwelt und anderen Menschen in Berührung. Damit steigt der Kontakt zu einer Vielzahl von Erregern und mit ihm die Risiken.

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Frühe Impfungen führen Nestschutz fort

Um Krankheiten so gut wie möglich vorzubeugen, ist eine frühe Impfung sinnvoll. Aber: "Nicht alle Impfungen können in den ersten Lebensmonaten erfolgreich gegeben werden", erklärt der Arzt, "wohl aber Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, HIB, Kinderlähmung, Hepatitis B, Rotaviren und Pneumokokken. Diese Impfungen werden deshalb bereits ab der sechsten Lebenswoche, beziehungsweise dem zweiten Monat empfohlen."

Nestschutz schwindet im zweiten Halbjahr

Impfungen gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken werden dann ab elf Monaten empfohlen (in Ausnahmefällen ab neun Monaten).

"Geht man von einem stark nachlassenden Nestschutz ab vier bis sechs Monaten aus, dann befindet sich der Säugling in der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres definitiv in einer gefährdeten Situation und kann zum Beispiel mit Masern angesteckt werden", warnt Schrörs. Der Nestschutz ist aber individuell sehr unterschiedlich und wird von der mütterlichen Antikörper-Konzentration, der Beschaffenheit der Plazenta und später auch vom Wachstum des Kindes beeinflusst.

Bei geimpften Müttern ist die Antikörperkonzentration geringer

Die Zeitspanne, in der das Kind vom Nestschutz profitiert, hängt auch davon ab, ob die Mutter die Krankheit durchlebt hat oder dagegen geimpft wurde. Dabei stimmt die Formel "mütterliche Impfung = langer Schutz fürs Baby" keineswegs immer. "Bei Kindern von geimpften Müttern ist die Antikörperkonzentration meist etwas geringer. Damit verschwinden die Antikörper zum Beispiel gegen Masern circa zwei bis sechs Wochen eher als bei Kindern, deren Mütter die Krankheit durchgemacht haben", so der Experte.

Allerdings könne man sich darauf nicht hundertprozentig verlassen. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die individuellen Schwankungen sehr stark seien und in Einzelfällen die Abwehrstoffe geimpfter Mütter länger wirksam sein könnten.

Die heutige junge Elterngeneration hat meist keine Maserninfektion durchgemacht. Sie verfügt nach der breiten Anwendung der Masernimpfungen in ihrer Kindheit und Jugend zwar selbst über einen mehr oder weniger guten Impfschutz - je nachdem, ob einmal oder, wie empfohlen, zweimal geimpft wurde. Für die Erregerabwehr des Nachwuchses kann das allerdings einen Nachteil bedeuten. "Das hat zur Folge", kommentiert der Mediziner, "dass der Nestschutz der augenblicklichen Geburtenkohorten meist etwas kurzlebiger als noch vor Jahrzehnten ist. Aus diesem Grund ist eine frühestmögliche Impfung der Säuglinge auch so wichtig!"

Masern können tödliche Folgen haben

Dass gerade bei Masern eine Impfung Schlimmeres verhindern kann, verdeutlicht ein Blick auf die Statistik. Masernerkrankungen führten, so die Angaben des Experten, in einem von hundert Fällen zu schweren Komplikationen und in einem von tausend Fällen zum Tod. Besonders gefährlich ist dabei SSPE (subakute sklerosierende Panenzephalitis), eine seltene aber schwere Hirnerkrankung, die als Spätfolge der Maserninfektion auch noch Jahre danach ausbrechen kann und immer tödlich verläuft. Kinderärzte haben das Video eines solchen Falles im Internet veröffentlicht: https://www.youtube.com/watch?v=H_f9OE2HcZ4.

Die Impfrisiken seien im Vergleich zu solchen dramatischen Folgen wesentlich niedriger, betont Schrörs. "Todesfälle nach Masernimpfungen sind seit vielen Jahren nicht mehr aufgetreten. Komplikationen treten tausend Mal weniger nach einer Impfung auf als bei einer Erkrankung."

Um die Gefahr einer Infektion bei Säuglingen so gering wie möglich zu halten, wenn der Nestschutz nach und nach schwindet und das Immunsystem noch nicht ausreichend entwickelt ist, sollten alle Kontaktpersonen eines Säuglings - auch Väter und Großeltern sowie ältere Geschwisterkinder - unbedingt einen Impfschutz gegen Masern, Röteln, Windpocken und Keuchhusten haben.

Nestschutz bei Windpocken fraglich

Dabei sei gerade Keuchhusten, für den es keinen Nestschutz gibt, in den ersten Lebensmonaten eine sehr gefährliche Krankheit. "Untersuchungen haben nachgewiesen, dass bei fünf Prozent der Säuglinge, die einen plötzlichen Kindstod erlitten hatten, eine Keuchhusteninfektion der Grund war."

Aber auch bei Windpocken sei der Netzschutz sehr fraglich und lückenhaft, so dass eine Infektion bei Babys häufig schwer verläuft - mit einer Sterblichkeit, die drei bis acht Mal höher liegt als bei älteren Kindern. Wichtig zu wissen: der Impfschutz der Mutter während der Schwangerschaft kann nicht mehr aufgebaut werden. Frauen wird deshalb eine Impfprävention vor der Schwangerschaft empfohlen.

Wilderreger sind viel gefährlicher

"Kinder müssen so schnell wie möglich ein eigenes kompetentes Abwehrsystem aufbauen. Das kann über Impfung geschehen oder über eine Infektion mit dem Wilderreger. Während Impfungen Krankheiten nur simulieren, sind Wilderreger um ein Vielfaches gefährlicher und unkalkulierbarer. Daneben gehört es zur sozialen Verantwortung, schwächere Mitglieder der Gesellschaft zu schützen, die eventuell nicht geimpft werden können, zum Beispiel wegen einer Krebstherapie, einer schweren Immunerkrankung oder einer Schwangerschaft", erklärt Schrörs und appelliert damit auch an die 20 bis 70 Prozent Impfskeptiker - das variiert je nach Impfung - beziehungsweise die drei bis fünf Prozent strikten Impfgegner in der Bevölkerung.

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