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Zwangspause: Hebammen in Oldenburg sparen auf Versicherung

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Wegen Versicherungsprämie  

Oldenburger Hebammen mit drei Monaten Zwangspause

02.07.2015, 08:19 Uhr | dpa

Zwangspause: Hebammen in Oldenburg sparen auf Versicherung . Hebamme Annkatrin Pauli-Glanz wird sich die nächsten drei Monate nicht mehr um werdende Mütter kümmern. (Quelle: dpa)

Hebamme Annkatrin Pauli-Glanz wird sich die nächsten drei Monate nicht mehr um werdende Mütter kümmern. (Quelle: dpa)

In einem Oldenburger Geburtshaus gibt es die nächsten drei Monate keine Unterstützung für werdende Mütter. Die dortigen Hebammen legen eine Zwangspause ein. Sie müssen sparen, um sich die teuren Beiträge für die Haftpflichtversicherung leisten zu können.

Hebamme Annkatrin Pauli-Glanz tastet behutsam den Bauch der Schwangeren ab. Ihr zweites Kind will die werdende Mutter unbedingt in dem Oldenburger Geburtshaus zur Welt bringen - und hat Glück gehabt: Einen Monat später wäre das nicht mehr möglich gewesen. Denn Pauli-Glanz und ihre drei Kolleginnen legen im Sommer eine Zwangspause ein.

Versicherungsprämie um 20 Prozent gestiegen

Drei Monate lang werden sie keine Geburtshilfe mehr anbieten, um in der Zeit die Kosten für die Haftpflichtversicherung sparen zu können. "Diese übersteigt inzwischen unsere Miete", sagt Hebamme Silke Tapken. Sie kümmert sich um die Finanzen des Geburtshauses an der Universität.

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Zum 1. Juli sind die ohnehin schon hohen Versicherungsprämien erneut gestiegen: um mehr als 20 Prozent auf 6274 Euro jährlich. Diese Summe musse jede freiberufliche Hebamme berappen, die auch in der Geburtshilfe tätig ist. Das sind rund 2500 der insgesamt fast 18.000 freiberuflichen Hebammen in Deutschland.

Um die Kosten decken zu können, müssen die vier Oldenburger Hebammen viel arbeiten. Eine klassische 40-Stunden-Woche ist für sie undenkbar. Auch deshalb ziehen die Hebammen die Notbremse. Wie es nach der Pause weitergeht, wissen sie noch nicht.

Verhandlungen mit Krankenkassen stocken

Eigentlich gleichen die Krankenkassen die gestiegenen Kosten für die Haftpflichtprämie aus. Doch die Verhandlungen mit dem Hebammenverband über die Höhe der Zahlungen sind gescheitert. Deshalb müssen die Hebammen vorerst selbst zahlen. "Das ist eine ruinöse Sache", sagt Katharina Jeschke. Sie verhandelt für den Deutschen Hebammenverband mit den Krankenkassen-Spitzenverband GKV.

Besonders schwierig ist die Situation für die Hebammen, die nur wenige Geburten im Jahr betreuen. "Beim Ausgleich der Haftpflichtprämien werden die einen überbezahlt, die anderen bekommen zu wenig",  sagt Florian Lanz vom GKV. Deshalb sollen Hebammen mit wenig Geburten nach dem Willen des Gesetzgebers ab 1. Juli einen sogenannten Sicherstellungszuschlag bekommen.

Keine schnelle Lösung in Sicht

Doch wie der auszusehen hat, darüber streiten Hebammenverband und Krankenkassen. Der GKV will künftig jeder Hebamme alle zwei Monate einen Zuschlag zahlen, wenn sie in der Zeit mindestens eine Geburt betreut.

Der Hebammenverband hält den Vorschlag für gesetzeswidrig und die Summe für zu gering. Deshalb muss jetzt die Schiedsstelle entscheiden, und das kann Monate dauern. Doch schon jetzt ist klar, dass es keine langfristige Lösung sein wird, denn die Prämien werden nach Einschätzung des Hebammenverbands kontinuierlich weitersteigen.

Die Hebammen am Oldenburger Geburtshaus im Ökozentrum wissen deshalb am Anfang des Jahres nie, wie sich Einnahmen und Kosten entwickeln. Wenn sie ihren Beruf aus rein finanzieller Sicht betrachten würden, sagen sie, hätten sie schon längst aufhören müssen. Einige ihrer Kolleginnen haben das bereits getan. Die Zahl der freiberuflichen Hebammen in der Geburtshilfe sinkt nach Angaben des Hebammenverbands seit Jahren.

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