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Schwangerschaft als Karriere-Killer: Nachteile bei Beförderung

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Schwangerschaft als Karrierekiller?  

"Gut, dass Sie nicht so blöd sind, schwanger zu werden"

01.12.2015, 08:39 Uhr | Silke Asmußen

Schwangerschaft als Karriere-Killer: Nachteile bei Beförderung. Schwangerschaft: Nicht immer reagieren Vorgesetzte und Kollegen positiv. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Nicht immer reagieren Vorgesetzte und Kollegen positiv, wenn eine Mitarbeiterin schwanger wird. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Schadet eine Schwangerschaft der Karriere? Studien und Berichte werdender Mütter zeigen: Die Furcht, vom Team ausgegrenzt zu werden, Verantwortung entzogen zu bekommen und bei der Beförderung übergangen zu werden, ist im Jahr 2015 noch immer berechtigt. Doch es gibt auch Lichtblicke. 

Die Zahlen sprechen für sich: Eine Online-Befragung der Fachhochschule Frankfurt am Main unter mehr als 1800 arbeitenden Müttern ergab, dass eine Schwangerschaft sich negativ auf die Karriere auswirkt. Das Verhalten der Chefs ist dabei gar nicht das größte Problem - immerhin bescheinigten 70 Prozent der Befragten ihren Vorgesetzten eine positive Einstellung. Aber ein Drittel gab an, ihr Chef bewerte Schwangerschaften von Mitarbeiterinnen als negativ und störend.

Schwangere werden vor allem bei Beförderungen und beim Gehalt benachteiligt. 72 Prozent erlebten laut der Umfrage, dass  anstehende Karriereschritte zurückgestellt (39 Prozent) oder gestrichen wurden (33 Prozent). Bei der Hälfte der Umfrageteilnehmerinnen, die eine Gehaltserhöhung erwarteten, wurde diese reduziert (37 Prozent) oder komplett gekippt (elf Prozent).

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"Anwesenheitskult" benachteiligt Mütter

Ein Grund für den Stopp auf der Karriereleiter: Viele Vorgesetzte oder Firmenleitungen sind  offenbar davon überzeugt, dass Schwangere und junge Mütter nicht flexibel genug sind, um einen verantwortungsvollen Job zu stemmen.

"Als vollwertige Arbeitskraft gilt, wer kinderlos ist und mindestens 40 Stunden in der Woche im Büro verbringt", zitiert die "Süddeutsche Zeitung" eine Betroffene.  Die Kasseler Arbeits- und Familiensoziologin Kerstin Jürgens bestätigt, dass ein solcher "Anwesenheitskult" in vielen Betrieben existiert: "Anwesenheit ist Voraussetzung dafür, dass man Verantwortung übertragen bekommt und Karriere macht", sagte sie der "Zeit".

Führungsposition schützt Mütter nicht vor Karriereknick

Sogar Frauen in Führungspositionen haben es schwer, ihre Position in der Firmenhierarchie zu halten, wenn sie ein Kind erwarten. So berichtete beispielsweise eine im Personalwesen tätige Psychologin dem "Spiegel", dass das Unternehmen ihr einen neuen Kollegen vor die Nase gesetzt hatte, als sie nach einjähriger Familienpause mit einer Vier-Tage-Woche zurückkehrte.  Als sie zum zweiten Mal schwanger wurde, habe der Chef ihr direkt geraten, sich "etwas anderes zu suchen". Sie habe die Firma schließlich mit einer Abfindung verlassen und sich selbstständig gemacht.

Giftige Sprüche von Kollegen und Vorgesetzten

Egal in welcher Position: Für zahlreiche Frauen wird es schon während der Schwangerschaft ungemütlich im Job. Die Skala verbaler Attacken auf Schwangere reicht von grenzwertigen Sprüchen bis hin zu krassen Beleidigungen. "Die soll sich nicht so anstellen" heißt es schnell, wenn die schwangere Kollegin etwa unter morgendlicher Übelkeit leidet.

Sie habe während der Schwangerschaft anhören müssen, wie der Abteilungsleiter zu einer kinderlosen Kollegin sagte: "Gut, dass Sie nicht so blöd sind, schwanger zu werden", sagte eine Angestellte im Gespräch mit t-online.de. Der Mann entschuldigte sich zwar später, aber der Ärger über die Abwertung blieb. Nach der Geburt des zweiten Kindes ergriff die Frau eine andere Job-Chance, um der Firma den Rücken zu kehren.

Schwangerschaftsvertretung bereitet kleine Firmen Probleme

Fraglos fällt es Unternehmen oft schwer, zeitlich begrenzt kompetenten Ersatz für eine schwangere Mitarbeiterin zu finden. Vor allem kleine Firmen stehen vor einem enormen Problem, den Ausfall aufzufangen, wie die Experten des Portals "Mittelstand und Familie" betonen. Demnach beschäftigen zwischen 70 bis 80 Prozent aller Unternehmen weniger als zehn Mitarbeiter.

Ein Freifahrtschein für gesetzeswidriges Verhalten der Arbeitgeber ist das natürlich nicht. Um eine schwangere Kollegin loszuwerden, schreckt mancher Arbeitgeber sogar vor einer Kündigung nicht zurück. Ihr Chef habe versucht, eine außerordentliche Kündigung über das Gewerbeaufsichtsamt durchzusetzen, trotz bis dahin positiver Mitarbeitergespräche und sauberer Personalakte, sagte eine Frau der "Süddeutschen Zeitung". In der  achtseitigen Begründung des Rauswurfs seien "abenteuerliche Verfehlungen" aufgeführt worden. Die Behörde wies die Begründung zurück.

Nach derartigen Auseinandersetzungen an den alten Arbeitsplatz zurückzukehren, ist den Frauen kaum zumutbar. Ein ärztliches Beschäftigungsverbot verschafft der werdenden Mutter zwar Luft während der Schwangerschaft. Trotzdem bleibt ihr danach oft nicht anderes übrig, als sich einen neuen Job zu suchen - mit nicht gerade rosigen Chancen.

Schwangerschaft sechs Monate lang versteckt

Kein Wunder, wenn Schwangere das Gespräch mit dem Chef so lange wie möglich hinauszögern und Selbstständige die frohe Botschaft verschweigen. Eine Juristin verbarg laut der "Wirtschaftswoche" sechs Monate lang ihre Schwangerschaft in sackartiger Kleidung.  Erst kurz vor der Geburt habe sie sich offiziell in einen dreiwöchigen Urlaub verabschiedet und nach der Entbindung Nachfragen zunächst abgewimmelt.

Für Angestellte gilt: Gesetzlich ist kein Zeitpunkt festgelegt, wann eine Frau den Arbeitgeber spätestens über eine Schwangerschaft informieren muss. Wer dem Chef aber nichts davon sagt oder ihn bei einer Kündigung nicht  innerhalb von zwei Wochen ins Bild setzt, riskiert den besonderen Kündigungsschutz, der Schwangeren nach Paragraf 9 des Mutterschutzgesetzes zusteht.

Wiedereinstieg - aber bitte mit 30 Wochenstunden

Vor allem bei der Planung des Wiedereinstiegs bauen sich Spannungen zwischen Arbeitgebern und schwangeren Mitarbeiterinnen auf. Wenn Mütter mit mindestens 30 Wochenarbeitsstunden in den Job zurückkehren, haben sie seltener  Karriere-Nachteile zu befürchten. Aber diese Stundenzahl ist häufig nicht umsetzbar.

Ihre Schwierigkeiten im Job hätten erst begonnen, als sie nach einem Jahr für 20 Stunden in der Woche an ihren alten Arbeitsplatz zurückkehrte, erklärte eine Sekretärin gegenüber t-online.de. Eine neu eingestellte Kollegin hatte einen Großteil ihrer Aufgaben übernommen, sie musste sich Arbeit geradezu suchen, um beschäftigt zu sein. Die Konflikte hätten sich nur durch den Wechsel in eine andere Abteilung mit anderen Aufgaben beseitigen lassen, auch wenn ihr dies anfangs widerstrebt habe. Teilzeitangestellte Mütter stünden schnell in der zweiten Reihe. Positiv sei aber, dass das Unternehmen auf ihre Eingabe hin Verständnis gezeigt und sich um eine akzeptable interne Lösung bemüht habe.

Mütter mit Vollzeitjobs bilden die Ausnahme

Dass das nicht immer klappt, legt allein die Zahl der weiblichen Teilzeitbeschäftigten in Deutschland nahe. 2014 arbeiteten nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Deutschland elf Millionen Frauen in Teilzeitjobs. Das sind doppelt so viele wie 1991. Die IAB-Untersuchung ergab, dass in 65 Prozent der Partnerschaften mit Kindern die Frau durchschnittlich 18,2 Stunden in der Woche arbeitet. Einen Vollzeitjob haben dagegen nur 28 Prozent der Frauen in Partnerschaften.

Geht doch, wenn die Chefs es wollen

Einen Funken Hoffnung versprüht das Beispiel einer Managerin. Mit den Worten "das schaffen wir", habe ihre kinderlose Chefin auf ihre erste Schwangerschaft reagiert, zitierte der "Spiegel" die inzwischen vierfache Mutter. Sie habe schon in der ersten Schwangerschaft ihre Wochenarbeitszeit auf 35 Stunden reduzieren können und einen Telearbeitsplatz bekommen. Und ein zunächst skeptischer Vorgesetzter habe später festgestellt: "Es wäre schön, wenn es mehr von ihrer Sorte gäbe."  Das klingt doch schon viel besser.

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