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Trotz allem Liebe: Bahatishas Tochter hat viele Väter

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Überleben auf der Flucht  

Bahatishas Kind hat viele Väter

08.02.2016, 14:26 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Trotz allem Liebe: Bahatishas Tochter hat viele Väter. Hände von Mutter und Baby (Symbolbild). Bahatisha möchte unerkannt bleiben. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Hände von Mutter und Baby (Symbolbild). Bahatisha möchte unerkannt bleiben. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Bahatisha kommt aus Afrika. Die junge Frau ist vor dem Bürgerkrieg geflohen, aber auch vor ihrem gewalttätigen Ehemann. Ihre drei Kinder hat sie bei der Oma zurückgelassen. Auf der Flucht musste sie eine Massenvergewaltigung erleben, bei der sie geschwängert wurde.

Im Psychosozialen Zentrum für Flucht und Trauma in Mainz versucht man der jungen Frau zu helfen. Wie alt Bahatisha wirklich ist, kann keiner so genau sagen. In ihrem Land legt darauf auch niemand Wert. Geburtstagsfeiern gibt es nicht und auch von ihren drei Kindern weiß sie nur, dass sie schon "groß" sind.

Als Mädchen zwangsverheiratet

Sie meint damit, sie seien im Grundschulalter. Der Vater der Kinder ist deutlich älter als sie, schon als junges Mädchen wurde sie zwangsverheiratet. Er hat sie geschlagen und getreten, die Narben sind heute noch deutlich zu sehen und ein Symbol für die, die sie auf der Seele trägt. 

Die dunkelhäutige Frau, die mit anderen Asylbewerberinnen in einer WG wohnt, wirkt sehr elegant und gepflegt, strahlt Würde aus. Gekleidet ist sie farbenfroh, das Gesicht von bunten Tüchern umrahmt. Wenn man sie sieht, käme man nicht auf die Idee, dass sie bereits viel Leid und Schmerz ertragen musste. Wo sie genau herkommt, will sie nicht verraten. Afrika, das muss genügen.

Zu jung für so viel Leben

Die Angst sitzt tief. Die junge Frau kam mit nichts als ihren Kleidern auf dem Leib. Auf die Frage, warum sie sich zur Flucht entschieden hat, antwortet sie nur zögerlich. Ihr Land sei bitterarm, von innerer Unruhe und Staatsgewalt geprägt, Frauen hätten keine Rechte und mit dem Mann an ihrer Seite sah sie keine Chance zu überleben.

Zunächst suchte sie Zuflucht bei ihrer Mutter, doch auch dort war sie nicht sicher vor ihm. Eine Flucht mit drei Kindern schien ihr aussichtslos. Also entschloss sie sich, diese in der Obhut der Mutter zu lassen und allein zu fliehen. Auch in der Hoffnung, aus der sicheren Ferne mehr für die Kinder tun zu können. Kontakt zu ihnen hat sie nur über Dritte.

"Die junge Frau geht derzeit mit dem Vermissen so um, dass sie sich möglichst wenig Raum gibt für entsprechende Gedanken und Emotionen. Sie vermisst ja nicht nur die Kinder, sondern auch ihre eigene Mutter, denn trotz des vielen schon 'gelebten Lebens' ist sie ja selbst noch sehr jung", sagt Petra Mattes, die Bahatisha betreut. 

Die Diplompsychologin, die spezielle Traumatherapiefortbildungen absolviert hat, arbeitet im Psychosozialen Zentrum für Flucht und Trauma, dessen Träger der Caritasverband Mainz ist. Sie hilft Bahatisha, ihre Traumata zu verarbeiten und in Deutschland Fuß zu fassen.

Auf der Flucht vergewaltigt und geschwängert

Bahatishas Flucht dauerte länger als ein Jahr. Sie kam über mehrere innerafrikanische Staaten nach Libyen in ein Lager und erlebte dort den Albtraum, der viele weibliche Flüchtlinge heimsucht: Vergewaltigung. "Es war eine Gruppenvergewaltigung, wie sie leider häufig, um nicht zu sagen regelmäßig, in vielen Lagern vorkommt", erklärt Mattes.

Bahatisha war bereits hochschwanger, als sie in Deutschland ankam. Ihre Tochter, die inzwischen wenige Monate alt ist, kam hier zur Welt. "Als die beiden zu uns kamen, fiel uns schnell auf, dass das Mädchen nicht lächelt", sagt Mattes. Doch das hat sich inzwischen geändert.

Eine kleine Begleiterin in der Fremde

Petra Mattes war zunächst besorgt, als sie hörte, wie es zu der Schwangerschaft kam: "Das kann ungeheuer schwierig sein, weil das Kind potenziell eine Erinnerungsbrücke zu dem Erlittenen darstellt." Daher war es wichtig einzuschätzen, ob die Mutter wegen ihrer eigenen Notlage eine Gefahr für ihr Kind darstellt.

In der Therapie sei aber schnell deutlich geworden, dass die Mutter keine auffälligen aggressiven Impulse gegenüber dem kleinen Mädchen zeige und auch angemessen auf Stresssituationen reagiere. Bahatisha liebt ihr Kind, trotz allem. "Ich habe den Eindruck, dass sie in dem Mädchen eher eine kleine Begleiterin in der Fremde sieht. Sie scheint trotz der Vergewaltigung das Baby ganz als ihr Kind anzunehmen. Als ein Kind, das einfach nur eine Mutter hat, keinen Vater."

Ein engmaschiges Netz aus Schutz

Mittlerweile wird die Kleine während der Gesprächstermine betreut, damit man sich vertieft um die Mutter kümmern kann. Denn der jungen Frau macht eine ganze Reihe posttraumatischer Symptome zu schaffen: eine sehr verringerte Aufmerksamkeitsspanne, Schmerzzustände und psychisch bedingte körperliche Symptome, die eine Folge der erlittenen Gewalt sind.

"Sehr wichtig ist auch die Kooperation mit Ärzten, Kliniken, Sozialarbeitern“, sagt Mattes. Eine Sozialarbeiterin war es auch, die den Kontakt hergestellt hat. Im Psychosozialen Zentrum für Flucht und Trauma kümmert man sich um Menschen, die Gewalt im Heimatland und auf der Flucht erleben mussten. Die aufgrund von fluchtbedingten Problemen, wie der Sorge um Angehörige, seelisch leiden. Sie erhalten Beratung, Unterstützung und wenn nötig, auch eine Traumatherapie.

Beeindruckender Lebensmut

Die Therapie findet mithilfe von Sprachmittlern oder unter Einsatz spezieller nonverbaler Methoden statt, die Sprachbarrieren abbauen sollen. Auch Bahatisha spricht weder deutsch noch englisch. Anspruch auf einen Deutschkurs hat sie nicht, da noch unsicher ist, ob sie Aussicht auf Asyl in Deutschland hat. Jetzt lernt sie gemeinsam mit Ehrenamtlichen. "Es ist vor allem ihr Lebensmut, der uns alle hier beeindruckt. Sie konzentriert sich auf das Hier und Jetzt und kämpft um Unterstützung, um ärztliche Hilfe für sie und ihre Tochter zum Beispiel", sagt die Psychologin. Bahatisha lässt sich nicht unterkriegen. Weder von dem, was ihr widerfahren ist, noch von ihrer ungesicherten Zukunft.

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