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Zika-Virus: WHO spricht Reisewarnung für Schwangere aus


Reisewarnung für Schwangere
Zika-Virus wohl gefährlicher als gedacht

Von dpa, afp
Aktualisiert am 09.03.2016Lesedauer: 3 Min.
Zika ist schon in mehr als 50 Ländern nachgewiesen worden.Vergrößern des BildesZika ist schon in mehr als 50 Ländern nachgewiesen worden. Foto: Miguel Gutierrez. (Quelle: dpa)
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Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt Schwangere vor Reisen in Gebiete, in denen das Zika-Virus grassiert. Es ist nach Erkenntnissen der WHO gefährlicher als bisher angenommen. Möglicherweise kann es auch lebensbedrohliche Lähmungen auslösen. Zika ist derzeit vor allem in Südamerika verbreitet. Besonders betroffen ist Brasilien.

Die Weltgesundheitsorganisation begründete ihren Vorstoß mit den jüngsten "alarmierenden" wissenschaftlichen Erkenntnissen unter anderem zum Zusammenhang zwischen dem Zika-Virus und schweren Missbildungen bei Babys. "Die geografische Verbreitung ist weiter, die Risikogruppe größer und zu den Übertragungswegen gehört neben Mückenstichen auch Geschlechtsverkehr", sagte WHO-Direktorin Margaret Chan in Genf.

Mikrozephalie durch Zika-Virus ist noch nicht bewiesen

Zwar sei noch nicht abschließend sicher, ob das Virus tatsächlich Mikrozephalie, einen abnormal verformten Kopf verbunden mit schweren Hirnschäden bei Babys, auslösen könne. Die WHO wolle aber auch keinen "definitiven Beweis" abwarten, bevor sie Schwangere warne, betonte Chan.

Auch ohne letzten wissenschaftlichen Beweis zu Zika als Ursache für Schädelfehlbildungen gelte es zu handeln. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich Zika ähnlich ausbreite wie das Dengue-Fieber. An den grippeähnlichen Symptomen von Dengue erkranken jährlich schätzungsweise 50 bis 100 Millionen Menschen.

Chan verwies auf weitere mögliche Risiken für Schwangere. Der Erreger könne das Gehirn von Ungeborenen angreifen. Nach Fehl- und Totgeburten sowie Abtreibungen sei das Virus im Blut, Hirngewebe und Hirnwasser nachgewiesen worden, sagte Chan. Zu den Folgen einer Infektion zählten Tod des Fötus, eine Verschlechterung der Plazenta (Mutterkuchen), Wachstumsstörungen des Fötus und Schädigungen des zentralen Nervensystems.

Zika-Virus kann möglicherweise auch Lähmungen auslösen

Das Zika-Virus soll auch das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) auslösen können, das lebensbedrohliche Lähmungen verursachen kann. So analysierte ein Team vom Pariser Institut Pasteur Blutproben von Patienten aus Französisch-Polynesien, die vor etwa zwei Jahren während einer Zika-Epidemie die Autoimmun-Erkrankung entwickelt hatten. Bei allen fanden die Forscher Hinweise auf eine vorherige Zika-Infektion. Die von der aktuellen Zika-Epidemie betroffenen Länder sollten sich auf eine Welle von GBS-Patienten in den kommenden Monaten einstellen, mahnten die Forscher im Fachblatt "The Lancet". Seit 2015 haben nach Angaben der WHO acht Länder eine Zunahme von GBS-Erkrankungen oder Zika-Infektionen bei GBS-Patienten gemeldet.

Das sollten Schwangere beachten

Es liege in der Verantwortung eines jeden Staates, betroffene Gebiete genau zu bezeichnen, sagte der Vorsitzende des Notfall-Komitees, David Heymann. "Und es liegt in der Verantwortung der Frauen zu entscheiden, ob sie reisen wollen oder nicht." Die WHO sprach keine generelle Reisewarnung aus, empfahl aber Schwangeren, nicht in Zika-Gebiete zu reisen. Werdende Mütter, deren Sexualpartner in betroffenen Gegenden lebten, sollten während der Schwangerschaft nur geschützten Geschlechtsverkehr haben.

Globaler Gesundheitsnotfall ausgerufen

Die WHO hatte wegen der Ausbreitung des Zika-Virus vor allem in Brasilien vor fünf Wochen den globalen Gesundheitsnotfall ausgerufen. Zika ist bisher weltweit in mehr als 50 Ländern nachgewiesen worden. Seit 2015 hat sich der Erreger rasant in Lateinamerika ausgebreitet. Er wird vor allem von bestimmten Stechmücken übertragen. Viele Infizierte erkranken nicht oder bekommen nur grippeähnliche Symptome.

Die Expertenkommission empfahl, gegen die Ausbreitung der krankheitsübertragenden Moskitos "mit besonderer Dringlichkeit" zu kämpfen.

Zika ist als Erreger seit fast 70 Jahren bekannt. Erstmals war er im Zika-Wald in Uganda bei einem Affen entdeckt worden. Solche gravierenden Folgen der Krankheit waren aber bisher unbekannt. Allein in Brasilien werden 4222 Verdachtsfälle von Schädelfehlbildungen untersucht. In 82 von 641 eindeutigen Mikrozephalie-Fällen war bei den Müttern eine Ansteckung mit Zika nachgewiesen worden.

Transparenzhinweis
  • Die Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung und dürfen daher nicht zur Selbsttherapie verwendet werden.
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