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Schwangerschaftsvergiftung: Bei Präeklampsie droht Frühgeburt

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Schwangerschaftsvergiftung  

Präeklampsie ist ein häufiger Grund für Frühgeburten

07.04.2016, 14:12 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli, t-online.de

Schwangerschaftsvergiftung: Bei Präeklampsie droht Frühgeburt. Der Blutdruck von Schwangeren wird bei den Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig überwacht. Zu hohe Werte können auf eine Präeklampsie hinweisen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Der Blutdruck von Schwangeren wird bei den Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig überwacht. Zu hohe Werte können auf eine Präeklampsie hinweisen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Präeklampsie ist ein Schwangerschaftsleiden, das für Mutter und Kind lebensbedrohlich werden kann. Doch bei frühzeitiger Diagnose lassen sich gefährliche Komplikationen vermeiden.

Im Volksmund nennt man die Präeklampsie auch Schwangerschaftsvergiftung. Eine andere Bezeichnung ist Gestose ("gestörte Schwangerschaft"). Jedes Jahr sind bis zu zehn Prozent der werdenden Mütter betroffen. Typische Symptome sind Bluthochdruck, eine vermehrte Eiweißausscheidung im Urin, Wassereinlagerungen im Gewebe und Gewichtszunahme.

Oft werden die Anzeichen nicht bemerkt

In vielen Fällen entwickelt sich eine Präeklampsie erst in der zweiten Schwangerschaftshälfte. Bei der Mehrzahl der betroffenen Frauen beginnt sie sogar erst im letzten Schwangerschaftsdrittel. Oftmals merken Schwangere davon nur wenig oder nehmen die Beschwerden nicht als besorgniserregend wahr, weil einzelne Symptome wie etwa Wassereinlagerungen während einer Schwangerschaft ohnehin häufiger vorkommen.

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Auch die 37-jährige Anne erhielt sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin ihres ersten Kindes die Diagnose Präeklampsie. Dabei hatte sie bis zu diesem Zeitpunkt kaum Probleme mit ihrer Schwangerschaft - außer geschwollenen Händen und Füßen. Doch bei einer der Routineuntersuchungen stellte ihr Gynäkologe erhöhte Blutdruckwerte von über 140 zu 90 fest und der Urin enthielt überdurchschnittlich viel Eiweiß.

Bestimmte Faktoren begünstigen die Präeklampsie

Anne gehörte zu den Frauen mit erhöhtem Risiko für Präeklampsie. Dazu zählen beispielsweise Erstgebärende. Bei "Frauenärzte im Netz" heiß es: "Als gefährdet gelten auch Schwangere, die in einer vorherigen Schwangerschaft schon einmal an der Krankheit gelitten haben, oder in deren Familien Präeklampsie gehäuft auftritt. Das Risiko steigt auch bei Mehrlingsschwangerschaften, bei Spätgebärenden, bei Frühgebärenden sowie bei stark übergewichtigen Frauen." Zudem seien werdende Mütter mit Vorerkrankungen wie Diabetes oder chronischem Bluthochdruck häufiger betroffen.

Was das Schwangerschaftsleiden auslöst, konnten Wissenschaftler bislang nicht eindeutig klären. Die Ursachenforschung ist auch deshalb nicht einfach, weil die biologischen Zusammenhänge komplex sind und mehrere Organe von der Krankheit betroffen sind.

Viele Mediziner vermuten allerdings eine Störung bei der Bildung und Einnistung der Plazenta. "Man nimmt an, dass dabei eine Entzündung der mütterlichen Blutgefäße als überschießende Reaktion auf die Schwangerschaft zu Grunde liegt. Das heißt, der mütterliche Organismus reagiert nicht normal, sondern zu stark auf die Veränderungen durch die Schwangerschaft."

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Eine andere Erklärung ist, dass sich der Körper der werdenden Mutter nicht optimal an die Schwangerschaft anpasst. Die Folge: Die durch die Veränderung der Gebärmutter benötigte größere Blutmenge kann nicht im ausreichenden Maß produziert werden. Der Körper reagiert als Ausgleich auf diesen Mangel mit einer Engerstellung der Gefäße, um den Kreislauf stabil zu halten, so die Theorie. Durch verengte Blutgefäße steigt der Blutdruck, die Durchblutung verschlechtert sich und somit auch die Sauerstoffversorgung im Gewebe.

"Dauert dieser Zustand an werden auch die Organe in Mitleidenschaft gezogen. Eine Schädigung der Nieren würde beispielsweise eine erhöhte Durchlässigkeit für Eiweiß und dessen erhöhte Ausscheidung über den Harn erklären", so die Experten. Das könne dazu führen, dass Salze und Wasser in den Zellen zurückgehalten werden, was die Entstehung von Ödemen erklären würde.

Gefahr für Mutter und Kind bei HELLP-Syndrom und Eklampsie

Bedrohlich wird Präeklampsie, wenn sie in einem frühen Schwangerschaftsstadium auftritt und Organe betroffen sind oder neurologische Beschwerden auftauchen. Eine dieser Komplikationen, die immer sofort im Krankenhaus behandelt werden müssen, ist das HELLP- Syndrom. Dabei handelt es sich um eine nachlassende Leberfunktion und eine damit einhergehende Blutgerinnungsstörung. Diese macht sich meist sehr schnell durch heftige Oberbauchschmerzen, Übelkeit mit Erbrechen und Durchfall bemerkbar.

Eine weitere schwere Form der Präklampsie ist die Eklampsie, deren alarmierende Anzeichen starke Kopfschmerzen, Augenflimmern, allgemeines Unwohlsein oder Krampfanfälle sind. Es kann außerdem zu lebensgefährlichen Reaktionen wie akutem Nierenversagen, Thrombosen, Netzhautschäden oder zu einem Hirnödem kommen.

Viele Frühgeburten werden durch Präeklampsie ausgelöst

Die gesundheitlichen Risiken sind in diesem fortgeschrittenen Krankheitsstadium auch für die Babys hoch. Sie können sogar den Tod des Ungeborenen zur Folge haben, wenn die Plazenta aufgrund der Präeklampsie nicht ausreichend arbeitet, so dass das Kind langsamer wächst und einzelne Organe unzureichend durchblutet werden.

Zudem kann sich der Mutterkuchen ablösen. Das ist insbesondere vor der 34. Schwangerschaftswoche problematisch, da dann ein Kaiserschnitt unvermeidlich wird. Studien belegen, dass etwa die Hälfte aller Frühgeburten auf Präeklampsie zurückzuführen ist. Kommt es zu der schweren Verlaufsform des HELLP-Syndroms, steigt das Risiko der Neugeborensterblichkeit sogar auf mehr als fünfzig Prozent.

Für die Mediziner ist die Behandlung eine schwierige Gratwanderung, weil sie das Wohl von zwei Patienten im Blick behalten müssen. Besonders bei einer früh auftretenden Präeklampsie, die oft die größten Komplikationen entwickelt, sind sie zum Abwägen gezwungen: Ist es nötig, das Kind sofort auf die Welt zu holen, weil das Risiko für die Mutter zu groß ist? Oder kann man damit noch etwas warten, damit das Ungeborene und insbesondere seine Lunge noch einige Tage länger reifen kann?

Engmaschige medizinische Behandlung senkt Risiko

Bei Anne waren die Folgen ihrer späten Präeklampsie weniger dramatisch. Ihr Baby kam gesund - fast planmäßig - in der 38. Schwangerschaftswoche ohne Kaiserschnitt zur Welt. Zur Stabilisierung hatte ihr der Gynäkologe neben häufigeren Kontrolluntersuchungen, körperliche Schonung sowie eine ausgewogene und eiweißreiche Ernährung verordnet. Zudem empfahl er die Einnahme von Magnesium, da ein Mangel des wichtigen Mineralstoffes im Verdacht steht, die Entstehung von Präeklampsie beziehungsweise Bluthochdruck und vorzeitigen Wehen zu fördern.

"Eventuell sind zusätzlich zur Lebensumstellung blutdrucksenkende Mittel notwendig. In bestimmten Fällen ist auch eine Behandlung mit niedrigdosierter Acetylsalicylsäure (Aspirin) hilfreich, zum Beispiel wenn sich Symptome früh in der Schwangerschaft zeigen", heißt es bei "Frauenärzte im Netz".

Sind die Beschwerden jedoch größer und nehmen zu, bleibt Schwangeren ein Krankenhausaufenthalt mit strenger Bettruhe meist nicht erspart. Bei der stationären Behandlung können Mutter und Kind engmaschig überwacht werden, damit möglichst eine Eklampsie oder das HELLP-Syndrom verhindert werden können. Blutdrucksenkende oder gerinnungshemmende Mittel gehören dann häufig ebenfalls zu den therapeutischen Maßnahmen.

Schwangerschaftsvergiftung kann Spätfolgen haben

Geheilt werden kann Präklampsie mangels wissenschaftlicher Erkenntnisse über die Ursachen nicht. Doch die Krankheit beziehungsweise die Symptome sind bei den meisten Müttern bald nach der Entbindung verschwunden.

Dennoch ist es wichtig, dass sie auch anschließend gut und regelmäßig medizinisch betreut werden. Denn die Präeklampsie kann langfristige Spuren hinterlassen. Die betroffenen Frauen tragen ein deutlich erhöhtes Risiko, im späteren Leben Bluthochdruck und Gefäßerkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall, zu bekommen. Das haben norwegische Forscher festgestellt.

Dieser Aspekt ist auch deshalb von Bedeutung, weil Präeklampsie in den letzten Jahrzehnten häufiger diagnostiziert wird. Ein wesentlicher Grund dafür: Immer mehr werdende Mütter weisen Risikofaktoren auf, die das Schwangerschaftsleiden begünstigen, wie etwa ein Alter von mehr als 35 Jahren, Übergewicht, Diabetes oder Bluthochdruck schon vor der Schwangerschaft.

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