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Wie "natürlich" kann ein Kaiserschnitt sein?

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Kind windet sich aus dem Bauch  

Wie "natürlich" kann ein Kaiserschnitt sein?

02.06.2016, 11:38 Uhr | Tonja Ariane Schewe

Wie "natürlich" kann ein Kaiserschnitt sein?. Screenshot eines Youtube-Videos. (Quelle: Youtube)

Die Britin Sarah Saunders schaut zu, wie sich ihr Kind ein Stück weit selbst aus dem Bauch drückt. (Quelle: Youtube)

Mit dem Video ihres "natürlichen Kaiserschnitts" erregte die Britin Sarah Saunders beachtliches Aufsehen. Auf Youtube wurde es über 1,5 Millionen mal aufgerufen. Das Video zeigt, wie sich das Neugeborene ein Stück weit selbst aus dem Bauch der Mutter windet. Könnte diese Art des Kaiserschnitte auch hierzulande üblich werden? 

"Es ist heute allgemein üblich, das Kind schonend zu holen", erklärt Franz Kainer, Chefarzt am Nürnberger Klinikum Hallerwiese, "nicht wie vor 15 Jahren, als die Kinder regelrecht rausgedrückt wurden." Die Mutter soll auch beim Kaiserschnitt ein Geburtserlebnis haben. "Schließlich handelt es sich um ein hoch emotionales Erlebnis", betont Kainer. "Dazu gehört vor allem, dass die Beteiligten sich wirklich auf das Ereignis konzentrieren und es nicht rundherum piept." 

Bei der "Kaisergeburt" blickt die Mutter auf ihr Kind

Einen Schritt weiter geht die Berliner Charité mit der dort praktizierten "Kaisergeburt". Dabei wird das Kind langsamer als sonst üblich aus dem Bauch der Mutter geholt. Im entscheidenden Moment wird das OP-Tuch gesenkt, so dass Mutter und Kind frühzeitig Blickkontakt aufbauen können.

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"Es bringt nicht viel, wenn das Kind fünf Minuten auf dem Bauch hockt"

Ob ein Kaiserschnitt, bei dem das Kind sich wie im Fall von Sarah Saunders selbst aus dem Bauch der Mutter windet, der frühkindlichen Entwicklung wirklich nützt, hält Kainer allerdings für fraglich. "Wie das für das Kind ist, wissen wir alle nicht", betont der Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe. Eine schonende Geburt sei zwar sinnvoll. Kainer hält jedoch wenig davon, den Geburtsvorgang künstlich in die Länge zu ziehen. "Es bringt nicht viel, wenn das Kind fünf Minuten auf dem Bauch hockt. Wichtiger ist, dass die Mutter das Kind bald in die Arme nehmen kann."

Der Geburt des eigenen Kindes zuzuschauen sei außerdem nicht jedermanns Sache. Schließlich fließe bei einem Kaiserschnitt jede Menge Blut. Kainer gibt zu bedenken, dass die werdende Mutter auch bei einer natürlichen Geburt nicht sieht, wie ihr Kind auf die Welt kommt. "Für viele Frauen ist der Blick auf die Geburt möglicherweise gar nicht wünschenswert", sagt Kainer.

Wenn die Mutter ihr Kind selbst holt

Von einem Kaiserschnitt, bei dem die Mutter das Kind selbst aus dem Bauch holt, hält der Experte wenig. Dieser "mütterlich assistierte Kaiserschnitt " wurde hierzulande vor einem Jahr das erste Mal an der Mühlenkreisklinik in Bad Oeynhausen nach australischem Vorbild praktiziert. Neben der Frage der Zumutbarkeit für die Mutter stellt sich für den Nürnberger Gynäkologen die Frage der Sterilität. Über die Hände der Frau könnten Keime in ihren Bauch gelangen. In der Mühlenkreisklinik musste die Gebärende deshalb spezielle OP-Handschuhe tragen. Dennoch: "Wenn man solche Eingriffe routinemäßig durchführt, nimmt die Infektionsrate bei Kaiserschnitten wieder zu", so Kainer.  

"Groß aufgezogene Werbeveranstaltung"

Dem Hype um den "natürlichen Kaiserschnitt" will der Nürnberger Gynäkologe deshalb nicht folgen. Für ihn zählt allein der schnelle Kontakt von Mutter und Kind nach der OP. "Der Rest ist eine groß aufgezogene Werbeveranstaltung für die Geburtskliniken", kommentiert Kainer. Er warnt davor, den Kaiserschnitt zu verharmlosen. "Der Begriff 'Kaisergeburt' klingt nach der tollsten Geburt, die man sich vorstellen kann. Dabei ist es absoluter Unsinn so zu tun, als wäre diese Geburt natürlich - es bleibt ein operativer Eingriff. Ich mache ja auch keine natürliche Blinddarmentfernung!"

Immerhin: Wer darauf angewiesen ist, sein Kind per Kaiserschnitt zur Welt zu bringen, hat heute die Wahl zwischen verschiedenen Formen des Eingriffs. Solange keine medizinische Indikation dagegen spricht, bleibt es letztlich die Entscheidung jeder betroffenen Frau, wie hautnah sie die OP mitverfolgen möchte.

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