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Leihmütter: Das Geschäft mit der Unfruchtbarkeit

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Leihmütter  

Leihmütter - Geschäft mit der Unfruchtbarkeit

18.01.2011, 14:00 Uhr | rev; iri; cst, dpa, AFP

Sanft und gedankenverloren streichelt die 26-jährige Brandy Hummel über ihren runden Bauch. In drei Monaten wird die junge Frau aus Philipsburg im US-Bundesstaat Pennsylvania Zwillinge auf die Welt bringen. Doch sie wird die Kinder nicht behalten. Hummel ist Leihmutter für ein Paar aus New York. Immer mehr Frauen in den USA "vermieten" ihre Bäuche, inoffiziellen Schätzungen zufolge gibt es dort jedes Jahr rund 6000 solcher Schwangerschaften. Auch Prominente wie die Schauspielerinnen Nicole Kidman oder Sarah Jessica Parker erfüllen sich mit Leihmüttern einen Kinderwunsch.

Was ist eine Leihmutter?

Eine Leihmutterschaft besteht medizinisch genau genommen nur dann, wenn die austragende Frau mit dem Kind genetisch nicht verwandt ist - wenn ihr also eine künstlich befruchtete Eizelle eingepflanzt wurde. Bei der Befruchtung im Reagenzglas wird oft der Samen des späteren Vaters verwendet, manchmal auch die Eizelle der späteren Mutter. Häufig kommt es jedoch vor, dass die Leihmutter das Kind stellvertretend auch empfängt. In diesem Fall trägt sie ein eigenes, mit dem Sperma des Partners der anderen Frau befruchtetes Ei aus.

Eigener Geschäftszweig

Das Austragen fremder Babys ist in den USA und anderen Ländern mittlerweile zu einem gigantischen Geschäft geworden. So können die Kosten für Leihmutter, Vermittlungsagentur und Anwaltsgebühren mit 100.000 US-Dollar oder mehr zu Buche schlagen. Auch in Indien wurden kommerzielle Leihmutterschaften 2002 legalisiert und erleben seither einen Boom. Die Branche setzte dort 2009 rund 450 Millionen US-Dollar (336 Millionen Euro) um.

Wegen eigener Krankheit Baby von Leihmutter

In einigen US-Bundesstaaten ist Leihmutterschaft dagegen verboten, so auch in New York. Deshalb entschieden sich Dina und Neil Feivelson für die Leihmutter in Pennsylvania. "Wir hatten 24 gefrorene Embryonen", erzählt Dina umgeben von Ultraschallbildern ihrer Zwillinge, die ihnen Brandy Hummel regelmäßig schickt. Dina wollte nach einer überstandenen Krebserkrankung unbedingt eine Familie gründen. Die Ärzte rieten ihr jedoch von einer Schwangerschaft ab, das sei zu gefährlich. Deshalb entschieden sich die Feivelsons für eine Leihmutterschaft.

Auftraggeber sind vor allem homosexuelle und ausländische Paare

Der Vertrag zwischen den beiden Familien wurde von der Anwältin Melissa Brisman aus New Jersey ausgearbeitet, die jährlich rund 150 Leihmutterschwangerschaften betreut. In 13 Jahren Berufserfahrung sah Brisman die Zahl der Leihmütter drastisch in die Höhe schnellen. Viele der "Auftraggeber" sind homosexuelle Paare und Menschen aus Ländern, in denen diese Form der Schwangerschaft verboten ist. Auch die Ikone aus der US-Kultserie "Sex and the City", Sarah Jessica Parker, ließ ihre Zwillinge von einer Leihmutter austragen, was die Nachfrage weiter erhöht haben dürfte.

Ärztliche und psychologische Untersuchungen der Leihmütter

Jede Woche gehen bei Brisman bis zu 100 Bewerbungen als Leihmutter ein, zehn bis 20 davon trifft sie zu einem persönlichen Gespräch, fünf bis sechs Frauen akzeptiert sie letztlich als Leihmütter. Eine gründliche Vorauswahl der Frauen, die ein fremdes Kind austragen sollen, ist deshalb so wichtig, weil es immer wieder vorkommt, dass sich die Frauen nach der Geburt doch nicht von dem Kind trennen wollen. Daher werden die medizinischen Untersuchungen meist auch von psychologischen Tests begleitet, um solche Konflikte zwischen den Familien zu vermeiden. Die Feivelsons kommen in ihrem Fall für alle Kosten der Behandlungen auf und zahlen Brandy Hummel in der Zeit der Schwangerschaft monatlich 2100 Dollar (knapp 1500 Euro).

Kontakthalten nach der Geburt

Doch Hummel macht es nach eigener Aussage nicht wegen des Geldes - sondern aus Nächstenliebe. "Ich hoffe, dass jemand das auch für mich getan hätte, wenn ich meinen kleinen Sohn nicht hätte selbst bekommen können", sagt die 26-Jährige. "Außerdem liebe ich es, schwanger zu sein." Der Vertrag der Feivelsons mit den Hummels regelt nicht nur klar und deutlich, dass die Rechte der Leihmutter an dem Kind noch vor der Geburt enden, sondern auch, dass die Familien nach der Entbindung in Kontakt bleiben. "Wir haben eine tolle Beziehung zueinander", sagt Dina. "Ich respektiere, dass es ihr Körper ist - und sie, dass es unsere Kinder sind."

Steigende Nachfrage auch in der Ukraine

Immer mehr, hauptsächlich europäische, unfruchtbare Paare suchen ihr Elternglück in der Ukraine. Nach Schätzung des Berufsverbandes der Frauenärzte ist jedes zehnte deutsche Paar ungewollt kinderlos. In der ehemaligen Sowjetrepublik ist die Leihmutterschaft seit 2004 erlaubt. Nach Informationen der ukrainischen Wochenzeitung "Profil" verdreifachte sich die Nachfrage innerhalb von drei Jahren.

Die biologischen Eltern sind meistens Ausländer

Der Leiter der Isida-Klinik für künstliche Befruchtung ist zurückhaltender: "Die Nachfrage wird wachsen, aber sie explodiert nicht", sagt Viktor Kosin. "Wir kümmern uns um 15 bis 20 Leihmütter pro Jahr. Im ganzen Land, in den 16 anderen ähnlichen Kliniken, wird die Zahl bei insgesamt nicht über hundert liegen", schätzt der Reproduktionsmediziner. "Die Hälfte - wenn nicht sogar mehr - der biologischen Eltern sind Ausländer." Circa ein bis zwei Anfragen kinderloser europäischer Paare bekommt die Klinik monatlich. Pro Paar werden zwei bis drei Leihmütter vorgestellt, von denen dann eine als Kindsmutter gewählt werden kann.

Per Leihmutterschaft aus der Armut

Vielen Leihmüttern scheint ihre Gebärmutter das einzige Mittel, ihrer wirtschaftlichen Not zu entkommen. Das monatliche Durchschnittseinkommen liegt in der Ukraine unter 170 Euro. Schon vor der Wirtschaftskrise, die das Land hart trifft, lebten fast 30 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Eine Leihmutter könne mit einer Schwangerschaft bis zu 30.000 Dollar (21.500 Euro) verdienen, sagt die Juristin Olena Babitsch, die sich mit Fragen der Leihmutterschaft beschäftigt.

Unkomplizierte Abwicklung

Die gesetzlichen Hürden sind sehr niedrig: Die biologischen Eltern müssen verheiratet sein und keine Kinder bekommen können, die Leihmutter muss volljährig sein und mindestens ein gesundes Kind haben. Nicht einmal ein schriftlicher Vertrag wird verlangt, in der Praxis jedoch wird meist eine vertragliche Vereinbarung getroffen. Erst seit März 2009 muss eine Bescheinigung vorgelegt werden, die die genetische Verwandtschaft zwischen dem Neugeborenen und zumindest einem Elternteil nachweist. Damit soll Kinderhandel verhindert werden. Als Eltern des Kindes gelten die genetische Mutter und/oder der genetische Vater.

Kein Schutz für Leihmütter

Die Leihmütter seien nach dieser Gesetzesänderung immer noch schutzlos, sagt die Juristin. "Zwar garantieren die meisten Verträge die Bezahlung auch dann, wenn das Kind behindert zur Welt kommt. Der Fall jedoch, dass die leiblichen Eltern während der Schwangerschaft sterben oder die Leihmutter die Geburt nicht überlebt, ist nicht geregelt", sagt Babitsch.

In Deutschland verboten

Die Vermittlung von Leihmüttern ist in Deutschland nach dem Adoptionsvermittlungsgesetz strafbar. Das vor 20 Jahren in Kraft getretene Embryonenschutzgesetz verbietet zudem jegliche ärztliche Leistung bei Leihmutterschaften. Leihmutter oder Eltern machen sich bei der Adoptionsvermittlung jedoch nicht strafbar.

Schlagzeilen machte zuletzt der Fall eines deutschen Paares, das 2008 in Indien mit Hilfe einer Leihmutter Zwillinge zur Welt brachte und nicht nach Deutschland ausreisen durfte, da Leihmutterschaft nach deutschem Recht verboten ist. Erst nach über zweijähriger Wartezeit und juristischem Tauziehen durften die Kinder 2010 Indien verlassen. Die deutschen Behörden machten jedoch deutlich, dass es sich um eine einmalige Aktion aus humanitären Gründen gehandelt habe.

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