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Studie: Wunsch nach Freiheit blockiert Kinderwunsch

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Wunsch nach Freiheit blockiert Kinderwunsch

10.06.2011, 16:13 Uhr | mmh, t-online.de, dpa

Studie: Wunsch nach Freiheit blockiert Kinderwunsch. Familienplanung: Die Deutschen tun sich schwer. (Foto: imago)

Familienplanung: Die Deutschen tun sich schwer. (Foto: imago)

Geld, Freiheit, Karriere - das blockiert den Kinderwunsch: Die Angst vor dem Verlust der eigenen Freiheit ist nach Ansicht vieler Bundesbürger der Hauptgrund für die niedrige Geburtenquote in Deutschland. Warum haben die Deutschen so große Angst vor der Familiengründung? Hier finden Sie die Top-10-Gründe für das anhaltende Geburtentief in Deutschland.

Karriere contra Familienplanung

60 Prozent der Deutschen glauben, dass der Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit das größte Hindernis für eine Familiengründung darstellt, wie eine Studie der Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen ergab. Auf dem zweiten Platz folgt die Sorge vor finanziellen Mehrbelastungen (58 Prozent). 51 Prozent sind der Meinung, dass für viele Bürger die Karriere wichtiger sei als die Familienplanung. Die gemeinnützigen Stiftung für Zukunftsfragen ist eine Initiative von British American Tobacco. Für die repräsentative Studie sind 2000 Personen ab 14 Jahren befragt worden.

Angst vor der Familiengründung

Die Geburtenrate in Deutschland liegt derzeit bei 1,36 Kindern pro Frau. "Viele Deutsche haben schlichtweg Angst vor der Familiengründung“, so der wissenschaftliche Leiter der Stiftung, Professor Dr. Ulrich Reinhardt. Es ist die "Angst, die eigene Autonomie zu verlieren, Angst vor den Kosten, Angst, die eigenen Karrierechancen zu verbauen, Angst vor Scheidung, dem falschen Zeitpunkt oder den Zukunftsperspektiven für den eigenen Nachwuchs“ summiert Reinhardt.

Deutschland ist Schlusslicht bei Kinderfreundlichkeit

Im europäischen Vergleich belegt Deutschland beim Thema Kinderfreundlichkeit den letzten Rang. Lediglich 21 Prozent der Bundesbürger sehen ihr Heimatland als kinderfreundlich an. Da überrascht es kaum, dass auch die Geburtenrate so niedrig ist. Wenn Deutschland nicht überaltern und damit das gegenwärtige Finanzierungsmodell von Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung über den so genannten "Generationenpakt“ auch zukünftig möglich sein soll, müssen die Deutschen wieder mehr Kinder bekommen.

Schlechte Rahmenbedingungen für Kinderbetreuung

Neben der Angst vor der Familiengründung werden die fehlenden staatlichen und gesellschaftlichen Voraussetzungen für Familien bemängelt: Die Argumente reichen von fehlenden Kindergartenplätzen über familienunfreundliche Städte bis zum geringen gesellschaftlichen Stellenwert von Familien. Frauen vermissen vor allem die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Innerhalb der Bevölkerung sind unterschiedliche Gründe von Bedeutung. So führen Westdeutsche eher den fehlenden Partner an (West: 41Prozent; Ost: 32 Prozent), Ostdeutsche bemängeln dagegen die staatlichen Rahmenbedingungen (West: 43 Prozent; Ost: 58 Prozent).

Für Besserverdiener geht Job vor Kind

Große Abweichungen zeigen sich auch bei der Unterteilung nach dem Nettohaushaltseinkommen. So sehen die Besserverdienenden die eigene berufliche Laufbahn als bedeutender als eine Familiengründung an (ab 2500 Euro monatliches Nettohaushaltseinkommen: 56 Prozent; unter 1000 Euro: 45 Prozent).

Geringverdiener glauben nicht an Partner fürs Leben

Geringverdiener glauben hingegen seltener an "den Partner fürs Leben“ und fürchten, dass ihr Kind bei nur einem Elternteil aufwachsen würde (ab 2500 EUR monatliches Nettohaushaltseinkommen: 19 Prozent; unter 1000 EUR: 32 Prozent). Zudem bemängeln sie deutlich häufiger die fehlenden staatlichen und gesellschaftlichen Voraussetzungen (Besserverdiener: 43 Prozent; Geringverdiener: 56 Prozent).

Die Schwierigkeit, Beruf und Familie zu vereinbaren, wird besonders häufig von berufstätigen Frauen als Argument gegen eine Familiengründung angeführt (berufstätige Frauen: 52 Prozent; berufstätige Männer: 44 Prozent). Diese Gruppe befürchtet darüber hinaus vermehrt, dass ihre Kinder in Zukunft kein sicheres und sorgenfreies Leben führen können (berufstätige Frauen: 50 Prozent; berufstätige Männer: 45 Prozent).

Anforderungen an den Staat - Chancen für die Wirtschaft

Erst in etwa 25 bis 30 Jahren lässt sich abschließend beurteilen, ob das vor drei Jahren neu eingeführte Elterngeld tatsächlich zu einem Einstellungswandel und einer gesteigerten Geburtenrate geführt hat. Gegenwärtig wie zukünftig wird die Anzahl von jährlichen Geburten auch durch externe Faktoren beeinflusst werden – von Wirtschaftskrisen und -wachstum, warmen Sommern und kalten Wintern bis hin zu Naturkatastrophen und Fußballweltmeisterschaften. Gleichwohl darf sich Deutschland nicht nur darauf beschränken, auf diese äußeren Einflüsse zu reagieren, sondern muss weitere konkrete Maßnahmen einleiten, um die Geburtenrate in Deutschland positiv zu beeinflussen.

Welche Lösungsansätze die Bürger vorschlagen

Aus Sichtweise der Bevölkerung sollten hierfür vor allem der Staat und die Wirtschaft in die Pflicht genommen werden. Hierbei wollen die Bürger Unternehmen nicht zu einer Frauenquoten verpflichten oder mehr Familienangebote fordern, sondern sie würden es vor allem begrüßen, wenn Firmen, die sich für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie einsetzen, eine staatliche Förderung erhielten - beispielsweise in Form von steuerlichen Vorteilen.

Imagegewinn für Betriebe

Betriebe sollten zudem erkennen, welcher Imagegewinn durch familienfreundliche Maßnahmen möglich wäre. Bereits gegenwärtig entscheidet oftmals nicht alleine das Produkt, sondern auch das Firmenimage über den Erfolg beim Kunden und auch bei der Suche nach qualifizierten Arbeitskräften. Unternehmen sollten sich bewusst werden, dass schon heute fast zwei Drittel der Bevölkerung mit Firmen sympathisieren, die beispielsweise Teilzeit auf allen Ebenen anbieten oder die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in anderer Form fördern. Dies kann zu einem entscheidenden Marktvorteil werden.

Mehr staatliche Betreuungsangebote

Die Forderungen an den Staat konzentrieren sich dagegen in erster Linie auf finanzielle Bereiche. So wünscht sich eine Mehrheit der Deutschen mehr kostenfreie Betreuungsangebote für Babys und Kleinkinder (59 Prozent). Fast ebenso viel Zustimmung erhält die Forderung nach einer zusätzlichen staatlichen Förderung von Familien (55 Prozent). Diese reichen von Steuerentlastungen über zeitliche Vorteile (mehr Urlaubsanspruch) bis hin zu vergünstigtem Eintritt in Schwimmbädern, Museen oder Theatern.

Keine Zukunft für ein kinderunfreundliches Deutschland

Das Fazit von Professor Reinhardt: "Nur jeder fünfte Bürger hält Deutschland für ein kinderfreundliches Land. Dieser Zustand ist nicht zukunftsfähig. Wenn es um das Thema Kinder geht, äußert die Bevölkerung vor allem Sorgen und Befürchtungen. Dieser Zustand kann nur gemeinsam verbessert werden. Die Politik ist aufgefordert, die (finanziellen) Rahmenbedingungen zu stellen und die Wirtschaft sollte sich den Möglichkeiten eines familienfreundlichen Images bewusst werden. Der entscheidende Schritt muss dann selbstverständlich von den Bürgern selbst gegangen werden.“

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