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Eizellenspende: Letzte Chance bei unerfülltem Kinderwunsch ist illegal

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Eizellenspende  

Unerfüllter Kinderwunsch - wenn die letzte Chance illegal ist

29.01.2013, 12:44 Uhr | tze

Eizellenspende: Letzte Chance bei unerfülltem Kinderwunsch ist illegal. Künstliche Befruchtung einer Eizelle. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

In den USA und in Großbritannien wird über das "Drei-Eltern-Baby" mit Erbgut von zwei Müttern debattiert. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Ein Baby mit 40 - ist doch gar kein Problem! So gaukeln es die Babyglück-Geschichten von Promis wie Madonna, Geena Davis, Ute Lemper und Gianna Nanini vor. Umso härter ist es für Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch, wenn Ärzte ihnen erklären, dass sie mit Mitte 30 sogar für eine künstliche Befruchtung schon zu alt sind. Die letzte Chance, schwanger zu werden, ist in Deutschland illegal: Eizellenspende. Für die ZDF-Reportage "Das Kind der Anderen - Tabu der Eizellenspende" hat die TV-Autorin Kristina Kayatz Frauen begleitet, die sich den Kinderwunsch im Ausland erfüllt haben. In der gelungenen Dokumentation werden die rechtliche Situation, das Dilemma der Mediziner, ethische Bedenken und psychologische Auswirkungen beleuchtet.

Felicitas bekommt mit Fünfzig endlich ein Baby

Felicitas ist schon Fünfzig, als sie endlich ein Kind bekommt - dank einer Eizellenspende. Jahrelang hatte sie vergeblich gehofft, schwanger zu werden. "Jedes Mal, wenn ich eine schwangere Frau sah, hätte ich fast geheult", erzählt sie. Das Thema Nachwuchs hat sie mehr verdrängt als abgehakt, als sie mit Vierzig einen neuen Partner findet, der sich Kinder wünscht. Mehrere Versuche künstlicher Befruchtung schlagen fehl, die Qualität ihrer Eizellen sei schon zu schlecht, heißt es.

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Tina und Hendrik verzweifeln an künstlicher Befruchtung

Ähnlich ergeht es Tina und Hendrik, die sich die gemeinsame Zukunft rosig ausgemalt hatten: heiraten, Kinder kriegen, mit drei Generationen unter einem Dach auf einem Bauernhof leben. Aber die Mittdreißigerin wird nicht schwanger. Also versucht auch sie es mit künstlicher Befruchtung. Drei Behandlungen zahlt die Krankenkasse, alle weiteren muss das Paar selbst finanzieren. Sie sparen, verzichten auf vieles, für ein Ziel von unschätzbarem Wert: "Wir wollen doch einfach nur ein Kind!", sagt Hendrik.

Nach dem vierten Versuch wird Tina mit einer für sie und Hendrik schockierenden Aussage konfrontiert: "Sie sind schon zu alt." Zu diesem Zeitpunkt ist sie Ende Dreißig. "Dass die biologische Uhr tickt, glaubt man ja selbst nicht. Man fühlt sich ja noch so jung, man bekommt ja nicht so mit, was da im Körper passiert", sagt sie.

Biologie und Lebensgefühl passen nicht mehr zusammen

Tabu Eizellenspende: Für die ZDF-Autorin Kristina Kayatz (r) war es nicht einfach, betroffene Frauen vor die Kamera zu bekommen. (Quelle: ZDF / Dr. Kirstina Kayatz)Tabu Eizellenspende: Für die ZDF-Autorin Kristina Kayatz (r) war es nicht einfach, betroffene Frauen vor die Kamera zu bekommen.So fühlen sich die meisten gleichaltrigen Frauen. Dreißig ist das neue Zwanzig, Vierzig ist das neue Dreißig, Fünfzig ist das neue Vierzig - es sind Generationen gut ausgebildeter, ehrgeiziger, unabhängiger Frauen, die zunächst im Beruf durchstarten oder sich noch nicht auf ein Leben mit Kind festlegen wollen. Manchmal ist schlichtweg die schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Familie der Grund für das Aufschieben der Familiengründung.

Noch vor zwei Generationen galten Dreißigjährige als fast schon zu alt für ein Kind. Heute hat jedes vierte Neugeborene eine Mutter über 35. In der ZDF-Reportage verdeutlich die Psychotherapeutin Almut Dorn die Tücke dieses Lebensgefühls: Wenn sich Frauen schließlich für ein Kind bereit fühlen, ist es für den Körper schon zu spät.

Eizellenspende - die letzte Chance ist illegal

Reproduktionsmediziner wie Professor Heribert Kentenich stellt das vor große Herausforderungen. Immer wieder muss er die großen Hoffnungen kinderloser Paare enttäuschen. Ab dem 30. Lebensjahr nimmt die natürliche Fruchtbarkeit ab. Doch das Durchschnittsalter der Frauen, die zur künstlichen Befruchtung kommen, liegt bei 36 bis 37. Oft ist das zu spät. "Je mehr dieser Trend nach oben geht, desto mehr muss man die Frage der Eizellspende diskutieren," findet Kentenich. Nach 20 Jahren internationaler Erfahrungen belegten Studien, dass die Kinder medizinisch gesund und die Eltern-Kind-Beziehung normal sei.

Bei dieser Methode wird die Eizelle einer fremden Frau im Labor mit dem Samen des eigenen Mannes befruchtet und dann in die Gebärmutter eingepflanzt. In Deutschland verbietet das Embryonenschutzgesetz die Eizellenspende. Schon mit vorbereitenden Behandlungen machen sich Ärzte strafbar.

Was aus ethischer Sicht gegen Eizellenspende spricht

Als Kritikerin der Eizellenspende kommt im Film Ulrike Riedel zu Wort, Rechtsanwältin und Mitglied in deutschen Ethikrat. Eine Eizellenspende sei für die Spenderin ein gravierender hormoneller und operativer Eingriff, der im schlimmsten Fall zu Unfruchtbarkeit führen könne. Ein Kippen des Verbots begünstige Ausbeutung. "Warum spenden Frauen Eizellen? Weil sie Geld brauchen." Riedels Befürchtung: Die Frauen werden mit paar hundert Euro abgespeist, während die Kliniken Profit einfahren. Von der Eizellenspende sei es nur noch ein Schritt zur Leihmutterschaft.

Wäre es "das Kind einer Fremden?"

Eizellenspende ist bei uns verboten, nicht aber in vielen anderen europäischen Ländern. Schätzungen zufolge reisen jährlich über tausend Frauen aus Deutschland ins Ausland, um sich den Kinderwunsch mit gespendeten Eizellen zu erfüllen.

In der Reportage wird deutlich, dass kinderlosen Frauen die Entscheidung für diese Methode nicht leicht fällt. "Nein, auf keinen Fall." Das ist bei beiden Frauen der erste Impuls. "Jeder Mensch träumt davon, etwas von sich weiterzugeben," sinniert Felicitas. Was ist, wenn einem die genetische Mutter unsympathisch wäre, eine ganz andere Lebenseinstellung hätte? "Der Gedanke, es sei das Kind einer Fremden, war erstmal unvorstellbar", sagt auch Tina.

"Wir adoptieren eine Eizelle"

Schließlich entscheiden sich beide doch für die Eizellenspende - aber auf unterschiedlichen Wegen. Tina und Hendrik reisen nach Spanien, wo Eizellenspenden, Samenabgabe und der Transfer befruchteter Eizellen in Spezialkliniken reine Routine sind. Die Spenderinnen bleiben grundsätzlich anonym. Das Paar hat seine persönliche Einstellung gefunden: "Wir adoptieren eine Eizelle."

Die Anonymität von Eizellenspenderinnen - oder Samenspendern - kollidiert allerdings mit dem Recht jedes Kindes, zu erfahren, von wem es abstammt. Im dem TV-Beitrag kommt auch eine junge Frau zu Wort, die darunter leidet, nicht zu wissen, was für ein Mensch ihr genetischer Vater ist.

"Mein Sohn hat zwei Mütter"

Felicitas dagegen hat auf eigene Faust eine Frau in Deutschland ausfindig gemacht, die zur Eizellenspende bereit ist. Sie treffen sich mehrmals, unterziehen sich gemeinsam einer Hormonbehandlung und lassen den Eingriff in Tschechien vornehmen. Es klappt, Felicitas wird schwanger und bringt mit Fünfzig ihren Sohn zur Welt. Für das Glücksgefühl ihrer späten Mutterschaft hat sie sich über Verbote und Konventionen hinweggesetzt. Sie bleibt mit der Eizellspenderin in Kontakt und wird ihrem Sohn später erklären, dass er zwei Mütter hat.

Was bedeutet Eizellenspende für die Muttergefühle?

Genetische Mutter, leibliche Mutter - die künstliche Befruchtung mittels einer Eizellenspende verkompliziert die Definitionen von Mutterschaft und Herkunft weniger als die mütterliche Bindung. Während sie fühlt, wie das Baby in ihr wächst, gibt es für Felicitas gar keinen Zweifel: "Das ist mein Kind." Offen spricht sie über ihre Angst, dass die Eizellspenderin ihr das Kind streitig machen könnte. Doch diese schildert ihre Gefühle für das Kind als die einer "lieben Tante".

"Social Freezing" - eigene Eizellen auf Vorrat ins Eisfach legen

Während über Verbot oder Zulassung der Eizellenspende debattiert wird, etabliert sich eine Methode, den Kinderwunsch von der biologischen Uhr zu entkoppeln: Social Freezing. Das klingt nach Science Fiction, doch die Zukunft ist schon angebrochen. Frauen lassen sich eigene Eizellen entnehmen und einfrieren, um dann Mutter zu werden, wenn es in die Lebensplanung passt. Mediziner versichern, dass die Eizellen so jahrzehntelang haltbar bleiben. Die Methode, die entwickelt wurde, um Frauen nach einer Krebsbehandlung die Chance auf ein Kind zu erhalten, wird in den USA bereits zur künstlichen Familienplanung eingesetzt.

Aber trotzdem tickt die biologische Uhr: Mitte Dreißig kann es schon zu spät sein, auf diese Weise funktionsfähige Eizellen zu gewinnen, warnen Mediziner. Frauen müssen sich also früh entscheiden, ihre Eizellen auf Eis zu legen.

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