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Hodenkrebs: Chemotherapie und Kinderwunsch schließen sich nicht aus

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Hodenkrebs  

Tumor ist nicht das Aus für den Kinderwunsch

07.02.2014, 15:37 Uhr | Maria M. Held, t-online.de

Hodenkrebs: Chemotherapie und Kinderwunsch schließen sich nicht aus. Fruchtbarkeitsreserve für Männer: Ärzte sollten das Thema bei Krebspatientensensibel ansprechen.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Fruchtbarkeitsreserve für Männer: Ärzte sollten das Thema bei Krebspatientensensibel ansprechen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Kinderwunsch und Chemotherapie - das schließt sich heute nicht mehr aus. Krebspatienten müssen nicht kinderlos bleiben, in vielen Fällen kann heute die Reproduktionsmedizin helfen.

Spermien, Hodengewebe, unbefruchtete Eizellen oder Eierstockgewebe können vor der Krebstherapie konserviert und aufbewahrt werden.

Bei Hodenkrebspatienten ist Kinderwunsch präsent

"Immerhin jeder zweite Hodenkrebspatient legt eine Fruchtbarkeitsreserve an", erklärt Sabine Kliesch vom Centrum für Reproduktionsmedizin der Uni Münster. Rund die Hälfte der Patienten mit Hodenkrebs lassen Spermien einfrieren. "Das ist mehr als bei jeder anderen Krebsart, das liegt daran, dass die Assoziation bei einer Erkrankung der Hoden mit Zeugung sehr hoch ist, anders als bei anderen Krebsarten", führt die Andrologin aus. "Über die Möglichkeiten werden allerdings nur 38 Prozent der Krebspatienten informiert."

Sensible Aufklärung in lebensbedrohlicher Situation

"Wenn ein Paar vor einem sitzt, dann bringen die sehr rasch selbst das Thema darauf. Wenn aber ein ein 18-jähriger Schüler vor Ihnen sitzt, der vielleicht gerade mal seine erste Freundin hat und erfährt, dass er Leukämie hat oder Lymphdrüsenkrebs hat, dann überschlagen sich in dieser lebensbedrohlichen Akutsituation die Dinge". Eine heikle Situation für Ärzte, in der oft der Faktor Zeit eine wichtige Rolle spielt.

Die Chancen, mit kryokonservierten Spemien, also schonend tiefgefrorenen, Kinder zu zeugen sei sehr gut, selbst bei einer schlechten Einfrierqualität. Im Extremfall genüge, so die Reproduktionsmedizinerin, ein einziges Spermium pro Eizelle, früher brauchte man Millionen. Die Rate dafür, nach einer Kryokonservierung von Spermien, daraus eine Eizelle zu befruchten, liege bei 29 Prozent wie bei anderen Kinderwunsch-Behandlung auch.

Manchmal allerdings ist die Krebs-Behandlung schon so weit fortgeschritten, dass Spermien nicht mehr aus dem Ejakulat gewonnen werden können. Eine Alternative ist dann, Gewebe aus dem Hoden einzufrieren. "Das ist allerdings mit einer Operation verbunden", erklärt Kliesch. Meist wird das dann mit der Hoden-OP kombiniert. Die Entnahme des Gewebes, Aufbereitung und Lagerung dürfen nur spezielle Einrichtungen vornehmen.

Die Kosten: "Fertilitätsreserven sind Privatvergnügen"

Daraus entstehen natürlich Kosten. "Obwohl die Behandlung krankheitsbedingt ist, muss der Betroffene die Kosten selbst übernehmen, die Kosten trägt nicht die Krankenkasse, Fertilitätsreserven sind Privatvergnügen", kritisiert Kliesch dieses Verhalten.

Diese Kosten kommen auf den Patienten zu: 400 bis 500 Euro für die Kryokonservierung, Depot anlegen und monatliche Kosten für Lagerung 20 Euro pro Monat - bis die Reserve zum Einsatz kommt. Die Gewebeentnahme dagegen wird meist mit der Hoden-OP kombiniert, dann entstehen dafür keine Kosten.

Sie weist auch ausdrücklich darauf hin, dass dies aus ihrer Sicht nicht unter den Begriff "Social Freezing" fällt. "Social Freezing" ist eine Art der vorsorglichen Konservierung der Fruchtbarkeit bei Männern und Frauen ohne einen zwingenden medizinischen Grund. Beispielsweise wenn sich ein Mann sterilisieren lässt, um nicht mehr verhüten zu müssen, aber für einen eventuellen späteren Kinderwunsch noch eine Fruchtbarkeitsreserve anlegt, also für alle Fälle noch Sperma in Reserve hat. Denn ansonsten tickt beim Mann ja nicht wie bei Frauen die biologische Uhr, ohne Krankheiten besteht die Zeugungsfähigkeit bis ins hohe Alter.

Ethische Diskussion um "Social Freezing"

Das Einfrieren von unbefruchteten Eizellen und Eierstockgewebe ist ethisch umstritten. Denn nicht nur Krebspatientinnen können die Technik nutzen, die für sie entwickelt wurde, sondern auch Frauen, die Kinder in einem biologisch nicht mehr fruchtbaren Alter bekommen wollen. Das Einfrieren und Wiedereinsetzen von Eierstockgewebe führte zudem bislang erst in wenigen Einzelfällen zu einer Geburt.

Bei Hodenkrebs ist die Aufklärungsquote mit 38 Prozent am besten, dadurch auch die Zahl der Kryokonservierungen relativ hoch. Bei anderen Tumoren und Krebsarten wie Lymphdrüsenkrebs oder Leukämie dagegen denkt man nicht sofort daran, dass auch die Spermienproduktion in Mitleidenschaft gezogen werden könnte. Hier liegt die Aufklärungsrate bei nur 30 Prozent.

Bange Frage nach dem Kinderwunsch: "Geht da noch was?"

"Nicht alle Ärzte sind so besonnen", erklärt Kliesch. "Wir sehen ja die Patienten in der Nachsorge wieder, die bereuen das oft hinterher und fragen dann, 'geht da noch was?'", so schildert die Medizinprofessorin die Situation, mit der sie oft konfrontiert ist Beispielsweise wenn der geheiltle Patient später im Leben den Partner findet, mit dem er Kinder haben möchte. "Wenn wir nachfragen, finden wir oft heraus, dass die Möglichkeit der Kryokonservierung nicht angeboten wurde oder dass es damals nicht wichtig erschien."

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