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Social Freezing und die Illusion der Baby-Garantie

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Kinderwunsch  

Social Freezing gaukelt eine Baby-Garantie vor

28.02.2014, 15:30 Uhr | Maria M. Held, t-online.de

Social Freezing und die Illusion der Baby-Garantie. Kinderwunsch weckt Illusionen: Aber es gibt keine Baby-Garantie.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Kinderwunsch weckt Illusionen: Aber es gibt keine Baby-Garantie. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

"Social Freezing gaukelt Frauen eine Einfachheit vor", kritisiert der Reproduktionsmediziner Michael von Wolff. Die Idee des Social Freezing ist, auf Vorrat Eizellen oder Eierstockgewebe einzufrieren und wenn es in die Lebensplanung passt, diese zu befruchten und wieder einzusetzen, egal in welchem Alter die Frau sich dann befindet. Eine trügerische Sicherheit, denn eine Garantie, tatsächlich ein Baby zu bekommen gibt es dadurch noch lange nicht. Schwanger vielleicht, aber keine hundertprozentige "Baby-Take-Home-Rate", wie es viele Frauen gerne glauben möchten und dafür dann oft auch viel Geld bezahlen.

Die Illusion der Baby-Garantie

"Ich wehre mich gegen Einfachheit und Erfolgsgarantie", sagt von Wolff. Erfolgsversprechen gehörten mittlerweile zur Marketingstrategie mancher Kinderwunschzentren, vor allem im Ausland, kritisiert der Mediziner. Er sieht darin die Gefahr, "dass der Kinderwunsch noch weiter nach hinten verlagert wird."

Die Geburtsstunde des Social Freezings schlug mit der Erfindung einer neuen, sensibleren Technik, die es erlaubte, auch empfindliche Eizellen einzufrieren. Ein neuer Hoffnungsschimmer für Frauen, die sich einer Chemotherapie unterziehen müssen, noch bevor sie die Familienplanung abgeschlossen haben.

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Mütter werden immer älter

Beflügelt wurde das Social Freezing jedoch durch die demografische Entwicklung, dass sich Frauen immer später in ihrem Lebenslauf für das erste Kind entscheiden. Es entstand ein gewinnbringender Geschäftszweig.

Das ideale Alter für den Kinderwunsch

Beim Social Freezing spielt das Alter der Frauen eine große Rolle in der gesamten Diskussion, nämlich an zwei markanten Punkten: Die Entnahme der Eizellen und das Widereinsetzen der konservierten Eizellen.

Zur Altersfrage macht sich auch das Netzwerk Fertiprotekt Gedanken, das von Wolff gegründet hat. Bislang gibt es keine Beschränkung für das künstliche Befruchten und Einsetzen der Eizelle. In der Natur regelt dies die Menopause, die etwa mit dem 50. Geburtstag eintritt.

Das ideale Alter um Fertilitätsreserven anzulegen ist - laut von Wolff - 25, was vielen auch als perfekter Zeitpunkt für eine Schwangerschaft gilt. Denn danach nimmt die weibliche Fruchtbarkeit stetig ab, um Mitte 30 sogar drastisch. Doch in diesem jungen Alter ist meist der Gedanke an eine "Fruchtbarkeits-Versicherung" noch in weiter Ferne.

Eine offizielle Altersbegrenzung gibt es allerdings bisher nicht. "45 ist so in etwa die natürliche Altersgrenze, danach passiert auch auf natürlichem Weg nicht mehr viel, da werden nur noch wenige Frauen schwanger. Ab 50 funktionieren ja meist die Eierstöcke nicht mehr." Die Schweiz will eine Altersbegrenzung einführen, in Deutschland ist das für Social Freezing noch nicht geplant. "Eine Altersgrenze zwischen 45 und 50 Jahren ist mehr als sinnvoll", findet von Wolff.

Warum überhaupt eine Altersgrenze?

"Es ist ganz neu, dass man eine Reserve anlegen kann, dadurch ist das überhaupt zum Thema geworden", so ordnet von Wolff diese Frage ein. Ein weiterer Aspekt spielt ein Rolle: Eizellspende. Diese Methode, die zwar in Deutschland nicht erlaubt ist, ermöglicht in einem viel höheren Alter als bisher zu gebären. Spanien erlaubt dies bis zu einem Alter der Frau von 49, "das heißt, die gehen auch schon bis zur äußersten biologischen Grenze", so von Wolff.

Sein Netzwerk Fertiprotekt hat das in einer Art Selbstverpflichtungserklärung durch den statistischen Mittelwert zu Beginn der Menopause definiert. "Das ist 50, wobei man eigentlich sagen muss, es sollte Mitte 40 sein."

"Geld spielt eine Rolle"

Social Freezing spricht typischerweise die Frauen an, die noch auf der Suche nach dem Partner sind, mit dem sie eine Familie gründen wollen oder momentan aus Karrieregründen keine Babypause einlegen wollen.

"Geld spielt eine große Rolle", betont von Wolff. Da Social Freezing komplett selbst bezahlt werden muss, sind es besser verdienende Frauen und meist über 30-Jährige, die sich dafür entscheiden. Sie wählen die "Anti-Aging-Methode der Reproduktionsmedizin", wie ein Münchner Kinderwunschzentrum in Radiospots wirbt und hoffen, die biologische Uhr damit anhalten zu können. Rund 3000 Euro kostet die Entnahme und Konservierung der Eizellen, außerdem fällt jährlich eine Gebühr für die Lagerung an.

Es gibt keine Garantie

Michael von Wolff, der in der Universitäts-Frauenklinik in Bern praktiziert, kritisiert die trügerische Schwangerschaftsgarantie mancher Kinderwunschzentren im Ausland, die noch lange keine Baby-Garantie bedeutet: "Die Quote liegt bei 70 Prozent. Wenn ich 100 Prozent garantiere, dann verlange ich eben den doppelten Preis. Das ist Business, eine Frage des Preises. Aber es gibt keine Garantie."

Enorme Hoffnung für Frauen mit Krebs

Viele Reproduktionsmediziner beobachten die Kommerzialisierung des Social Freezing zwar mit großer Skepsis, betonen allerdings auch den unschätzbaren Wert der noch jungen Methode im Rahmen einer Krebs-Diagnose.

Die Beratungen rund um das Thema Kinderwunsch vor einer Chemotherapie oder Entfernung von Eierstöcken und Gebärmutter nehmen zu. Umfragen in Kinderwunschzentren ergaben, dass diese Gespräche in dieser Extremsituation eher als entlastend denn als belastend empfunden werden. "Natürlich geht es um eine Beratung in einem Notfall, bei einer Erkrankung mit hohem Gefahrenpotential", bestätigt von Wolff.

Dabei drängt die Zeit: Dann werden Eizellen aus einem verkürzten Zyklus entnommen oder direkt das Eierstock-Gewebe. Bisher wurden in Deutschland erst vier Babys nach einer derartigen Behandlung mit kryokonserviertem Eierstockgewebe geboren, weltweit 20, doch die Methode wird sich etablieren, ist von Wolff überzeugt.

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