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Reproduktionsmedizin: Schon jedes zweite Kind aus Kinderwunsch-Behandlung

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Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin  

Zwei von hundert Kindern stammen aus Kinderwunsch-Behandlungen

27.06.2014, 15:31 Uhr | dpa-AFX

Reproduktionsmedizin: Schon jedes zweite Kind aus Kinderwunsch-Behandlung. Reproduktionsmedizin: Zwei von hundert Kindern werden heute in einer Kinderwunsch-Behandlung gezeugt.   (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Zwei von hundert Kindern werden heute in einer Kinderwunsch-Behandlung gezeugt. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Für viele Paare sind die Methoden der Reproduktionsmediziner die einzige Chance auf Nachwuchs. Etwa zwei von hundert Kindern werden in Deutschland so gezeugt, in anderen Ländern sind es oft sogar mehr.

Die Geburt der kleinen Louise Brown am 25. Juli 1978 im britischen Oldham war eine Sensation und schürte Hoffnungen bei unzähligen Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch. Louise war das erste in der Retorte gezeugte Baby der Welt. Neun Jahre hatten ihre Eltern auf Nachwuchs gewartet, ehe sie sich auf das Experiment des Medizin-Pioniers Robert Edwards einließen. Er brachte erstmals eine menschliche Ei- und eine Samenzelle in der Petrischale zusammen.

Was vor fast 35 Jahren noch zwiespältige Gefühle entfachte und vielfach Kritik auslöste, ist heute medizinischer Alltag. Gut sechs Millionen Babys sind seither weltweit auf diese Weise entstanden.

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Kinderwunschbehandlung bei 48.000 Frauen in Deutschland

Knapp 48.000 Patientinnen wurden laut Deutschem IVF-Register 2012 in Deutschland behandelt, es gab über 10.000 Geburten nach entsprechender Therapie. Internationaler Spitzenreiter waren nach Daten der Europäischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin und Embryologie (ESHRE) 2009 Dänemark und Slowenien mit 4,5 Prozent.

Kritik: Falsche Hoffnungen und hohe Kosten

Wer sich zu spät entscheidet, dem nützt das dennoch nur begrenzt. "Man kann sagen, dass im Schnitt die Chance auf eine Schwangerschaft mit 41, 42 Jahren bei 15 Prozent liegt", sagt Ulrich Hilland, Vorsitzender des Bundesverbandes Reproduktionsmedizinischer Zentren Deutschlands. Mit 44 Jahren liegt sie unter acht Prozent. Viele geben hier auf. Ein Versuch kostet mindestens 3000 Euro, manche geben Zehntausende Euro aus. Und: "Wir sehen auch die Risiken, die bei einer Schwangerschaft ab 40 zunehmen", sagt die Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin, Tina Buchholz.

Trotzdem floriert das Geschäft. Die Praxen sind voll, die Konkurrenz scharf. Berichte über Frauen wie Gianna Nannini, die mit 45, mit 47 oder jenseits der 50 Mutter werden befeuern falsche Vorstellungen und bringen Kunden. Es wird die Botschaft vermittel: Es geht ja noch.

Die Grauzone der halb legalen Reproduktionsmedizin

Dass die allermeisten, die über 45 Mutter werden, vermutlich genetisch nicht die Mütter ihrer Kinder sind, darüber spricht niemand - zumindest nicht in Deutschland. Die Eizellspende ist verboten - während die Samenspende gemäß Bundesfinanzhof sogar steuerlich absetzbar ist.

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Die Folge: Die heimliche Reise ins Ausland, Schweigen - und im Umfeld freudiges Staunen über das späte Elternglück. Deutsche reisen oft nach Tschechien und Spanien. Auch Belgien, Holland, Frankreich und Großbritannien erlauben die Spende, mit unterschiedlichen Vorgaben. Den Kindern bleibt je nach Land verwehrt, ihre genetische Herkunft zu erfahren.

Anhaltende Kontroverse um Verbot der Eizellenspende

Ärzte, die ihren Patientinnen in der Vorbereitungsphase etwa mit Ultraschall helfen, Beraterinnen, die Kliniken empfehlen - sie alle sind in Deutschland vom Entzug ihrer Berufserlaubnis und Strafen bedroht. Nach dem Embryonenschutzgesetz ist die Beihilfe zur Eizellspende strafbar. In Ermittlungsverfahren wurden Patientinnenakten kopiert, Frauen zu verstörenden Zeugenvernehmungen geladen. Ein Polizist fragte einer Betroffenen zufolge gar am Telefon: "Sind Sie schwanger geworden?"

Viele Mediziner verlangen eine Gesetzesänderung. Das Verbot sei nicht mehr zeitgemäß, sagt Hilland. Auch der Leiter des IVF-Labors an der Universität Erlangen, Ralf Dittrich, ist für die Eizellspende in Deutschland: "Ich sehe keinen Grund, warum man das nicht tun sollte."

Kommerz contra Kinderwunsch

Hans-Peter Eiden, Geschäftsführer des Berufsverbandes Reproduktionsmedizin Bayern und Initiator des Netzwerks Embryonenspende, meint dagegen, die Eizellspende solle verboten bleiben. Er warnt vor möglichem Kommerz. Keine Frau nehme die aufwendige Eizell-Entnahme aus altruistischen Gründen auf sich. "Niemand kann mir erzählen, dass eine Eizellspende ohne Gegenleistung funktionieren würde", sagt er. "Hier geht es nicht um die Patienten, sondern um Kommerz." Das wiederum verstoße gegen das Transplantationsgesetz. "Man darf Gewebe nicht kommerzialisieren." Folgt man dem, könnte auch manche Samenspende knapp an der Illegalität sein.

Ethische Diskussion um Embryonenspende

Indessen will Eiden Paaren den Weg ebnen zu einer Embryonenspende. Sie bekommen die befruchtete Eizelle eines fremden Paares, das diese nicht mehr braucht. Über die Rechtslage gehen die Ansichten der Ärzte und Juristen bis zum Streit auseinander. Weshalb sich viele Mediziner lieber sogar in Schweigen hüllen, wann sie Zellen einfrieren: Als Vorkern vor der vollständigen Verschmelzung von Ei- und Samenzelle - oder als Embryo. Praktiker sehen keinen großen Unterschied. Ethiker schon.

Jüngster Trend: Mitte 20 eigene Eizellen einfrieren. Der Kinderwunsch auf Eis heißt Social Freezing und scheint die Lösung für die perfekte Familienplanung. Aber es fehlen genaue Werte, wie gut die Zellen nach 20 Jahren noch sind. In der Gesellschaft werde übersehen, dass das Alter um 25 der beste Zeitpunkt zum Kinderkriegen sei. "Es ist der Mut, der fehlt. Während des Studiums ein Kind zu bekommen ist aber nicht das Schlechteste. Das krieg man hin, man ist noch jung."

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