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Leihmutterschaft: Deutsche Standesbeamte fordern Lockerung des Verbots

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Unerfüllter Kinderwunsch  

Deutschlands oberster Standesbeamter fordert Legalisierung von Leihmutterschaft

06.08.2014, 13:23 Uhr | tze, dpa, t-online.de

Leihmutterschaft: Deutsche Standesbeamte fordern Lockerung des Verbots. Leihmutterschaft: Leihmütter tragen die Babys von fremden Menschen aus - in Deutschland ist das verboten. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Leihmütter tragen die Babys von fremden Menschen aus - in Deutschland ist das verboten. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Das Schicksal des Leihmutter-Babys Gammy hat die Diskussion über das Für und Wider von Leihmutterschaft angeheizt. In Deutschland ist sie generell verboten, doch der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Standesbeamten, Jürgen Rast, befürwortet eine Legalisierung von Leihmutterschaften in bestimmten Fällen.

"Wenn Paare kein Kind bekommen können, ist es aus humanitären Gründen akzeptabel, ihnen diese Möglichkeit zu eröffnen", erklärt Rast, der auch Vize-Präsident des Europäischen Verbandes der Standesbeamtinnen und Standesbeamten (EVS) ist. "Wenn das Prinzip der Leihmutterschaft allerdings zum Geschäft ausartet, ist es strikt abzulehnen." In einigen Ländern boomt das Geschäft mit dem Kinderwunsch und ist zu einem millionenschweren Wirtschaftszweig gewachsen. In Russland und Thailand gibt es etwa Agenturen, die junge, gebärfähige Frauen regelrecht vermieteten.

Fall Gammy empört Menschen weltweit

Weltweit für Schlagzeilen sorgt derzeit der Fall des behinderten Leihmutter-Babys Gammy. Die 21-Jährige Thailänderin Pattaramon Janbua hatte in eine Leihmutterschaft eingewilligt und Berichten zufolge 10.000 Euro bekommen. Sie brachte Zwillinge auf die Welt, ein gesundes Mädchen und einen Jungen mit Down-Syndrom. Die biologischen Eltern ließen den Jungen Gammy im Stich und nahmen nur seine gesunde Zwillingsschwester mit. Das wirft viele Fragen über die moralische Verpflichtung der "Auftraggeber" und die Rechte der Leihmütter und der von ihnen geborenen Kinder auf.

UMFRAGE
In Deutschland ist Leihmutterschaft gesetzlich verboten. Sollte sie legalisiert werden?

Leihmütter-Vermittler und Ärzte machen sich strafbar

In Deutschland ist die Vermittlung von Leihmüttern nach dem Adoptionsvermittlungsgesetz strafbar. Das Embryonenschutzgesetz verbietet Ärzten zudem, Leihmutterschaften zu betreuen. Sie riskieren eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren. Straffrei bleiben dagegen die Leihmütter und die Paare, die ein Kind austragen lassen.

Paaren mit Kinderwunsch, bei denen die Frau kein Kind austragen kann, bleibt nur die Adoption eines Kindes. Gleiches gilt für homosexuelle Partner. Oder sie weichen ins Ausland aus, wo andere Gesetze gelten.

Liberaler werde das Thema etwa in den Niederlanden, Großbritannien und Griechenland gehandhabt, weiß Rast. Dort ist zumindest das unentgeltliche Austragen fremder Babys erlaubt. Eine kommerzielle Leihmutterschaft erlauben etwa die Ukraine, Russland, Indien und einige Bundesstaaten der USA. Der Verband der Standesbeamten vermutet, dass jährlich einige hundert deutsche Paare die Dienste von Leihmüttern im Ausland nutzen.

Leihmutter ist die rechtliche Mutter des Kindes

Das Auswärtige Amt warnt Reisende mit solchen Absichten: "Leihmutterschaftsverträge, in denen sich eine Frau bereit erklärt, sich einer künstlichen oder natürlichen Befruchtung zu unterziehen oder einen nicht von ihr stammenden Embryo auf sich übertragen zu lassen oder sonst auszutragen, sind in Deutschland sittenwidrig und damit nichtig."

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Spätestens bei der Ausreise mit dem Kind beginnen die rechtlichen Schwierigkeiten, wenn das Baby Ausweispapiere braucht. Mutter des Kindes ist nach deutschem Recht die Frau, die es geboren hat, also die Leihmutter. Selbst dann, wenn es genetisch von der "Auftragsmutter" abstammt und eine ausländische Geburtsurkunde diese als "rechtliche Mutter" nennt. Ist die Leihmutter verheiratet, gilt ihr Mann als Vater des Kindes.

Probleme bei der Ausreise mit dem Leihmutter-Baby

Deshalb hat das Kind keinen Anspruch auf die deutsche Staatsangehörigkeit und darf das Land nicht mit den Wunscheltern verlassen. "Nur wenn eine rechtswirksame Abstammung von einem deutschen Elternteil vorliegt, hat das Kind die deutsche Staatsangehörigkeit zweifelsfrei vermittelt bekommen und folglich einen Anspruch auf einen deutschen Reisepass. Ohne entsprechende Ausweispapiere ist eine Ausreise des Kindes nach Deutschland nicht möglich," heißt es auf den Infoseiten der Behörde.

Der gängige juristische Kniff ist, dass der Mann mit Zustimmung der Leihmutter seine Vaterschaft ankerkennen lässt. In Deutschland kann die Partnerin das Kind dann adoptieren. Oft stehen findige Anwälte den Leihmutter-Kunden mit Rat und Tat zur Seite: "Die deutschen Behörden dürfen von der Leihmutterschaft nichts wissen", schreibt etwa die Kanzlei Thailand Surrogacy Law. "Einmal in Deutschland, kann der Vater sich das alleinige Sorgerecht sichern."

Oberster Standesbeamter fordert Reform des Familienrechts

Zuhause gehen die Scherereien mit den Behörden weiter. Deutsche Standesämter erkennen die ausländischen Geburtsurkunden der Leihmütter-Kinder nicht an. "Einige Eltern gehen aber auch so vor, dass es oftmals gar nicht auffällt," weiß Rast. Der Bundesverband der Standesbeamten fordert deswegen schon länger eine Reform des Familienrechts. "Es gibt Leihmutterschaften. Das lässt sich nicht wegdiskutieren", betont Rast.

Bundesregierung erteilt Leihmutterschaft eine klare Absage

Eine Sprecherin des Bundesjustizministeriums sagte: "Im Koalitionsvertrag ist festgehalten, dass Leihmutterschaft von der Regierungskoalition abgelehnt wird." Die Leihmutterschaft wird darin als mit der Würde des Menschen unvereinbar angesehen. Änderungen beziehungsweise Lockerungen in dieser Frage seien derzeit nicht geplant, sagte die Sprecherin.

"Bezahlte Leihmutterschaft ist Menschenhandel"

Der CDU-Gesundheitspolitiker Hubert Hüppe bezeichnete den Fall des kleinen Gammy als "Warnsignal". "Der Fall der thailändischen Leihmutter zeigt, dass bezahlte Leihmutterschaft letztlich Menschenhandel ist. Denn ein Vertrag verpflichtet die Leihmutter zur Herausgabe des Kindes und regelt die ihr dafür zustehende Bezahlung."

Je nach Land kassieren Leihmutter-Vermittler zwischen 20.000 und 75.000 Euro. Davon bekommen die Leihmütter oft nur den kleineren Teil. Thailändische Agenturen preisen ihre Leihmütter im Internet. "Die jungen Frauen leben gesund, in ökologisch sauberen Regionen ohne Fabriken und Kraftwerke und folgen allen ärztlichen Anweisungen", wirbt zum Beispiel IVF Sunrise. Bangkok Surrogacy bietet auch Eizellen an, die in Deutschland ebenfalls verboten sind: "Kaukasische Eizellspenderin: 10.000 Dollar" - gemeint sind weiße Frauen - "Thailändische/Chinesische Eizellspenderin: 5000 Dollar. Wir haben über 100 Spenderinnen, darunter Anwältinnen, Ingenieurinnen, Lehrerinnen und Wissenschaftlerinnen".

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