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Künstliche Befruchtung: Großbritannien erlaubt Drei-Eltern-Kind

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Künstliche Befruchtung  

Britisches Parlament erlaubt das Drei-Eltern-Baby

04.02.2015, 12:31 Uhr | AP, AFP

Künstliche Befruchtung: Großbritannien erlaubt Drei-Eltern-Kind. Beim pronuklearen Transfer - einer besonderen Form der künstlichen Befruchtung - kann aus zwei Müttern und einem Vater ein Embryo entstehen. (Quelle: dpa)

Beim pronuklearen Transfer - einer besonderen Form der künstlichen Befruchtung - kann aus zwei Müttern und einem Vater ein Embryo entstehen. (Quelle: dpa)

Großbritannien bricht als erstes Land ein Naturgesetz der Fortpflanzung: Babys dürfen dort künftig drei Eltern haben. Das Parlament hat zugestimmt, dass ein umstrittenes Verfahren der künstlichen Befruchtung zugelassen wird. Erbgut von drei Menschen darf kombiniert werden, um Frauen mit einem bestimmten Gendefekt den Kinderwunsch zu erfüllen.

382 Abgeordnete des Unterhauses stimmten für das entsprechende Gesetz, 128 dagegen. Das britische Oberhaus muss am 23. Februar auch noch zustimmen, doch das gilt als Formsache. Großbritannien wäre damit das erste Land, das eine genetische Veränderung von Embryonen erlaubt.

Defekter "Motor" der Eizelle wird ausgetauscht

Die an der Universität von Newcastle entwickelte Methode ist sehr umstritten, käme aber nur in wenigen Fällen zur Anwendung. Rund 125 Babys werden jedes Jahr in Großbritannien mit einer Mitochondriopathie geboren. Dies ist ein Gendefekt, der von der Mutter vererbt wird. Die Mitochondrien sind winzige Organellen in den Zellen, die Glukose in Energiemoleküle verwandeln. Bei einer Fehlfunktion können schwere degenerative Krankheiten wie Diabetes oder Muskelschwäche entstehen.

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Die Übertragung des Gendefekts von der Mutter auf das Kind kann verhindert werden, indem aus der Eizelle die defekten Mitochondrien entfernt und durch jene einer anderen Frau ersetzt wird. Die andere Frau bleibt dabei anonym. Die so veränderte Eizelle wird anschließend im Labor mit dem Sperma des Vaters befruchtet und dann in die Gebärmutter der Mutter eingesetzt.

Charaktermerkmale der Spenderin werden nicht vererbt

Das so entstehende Kind wird die Charakteristika seiner Mutter und seines Vaters aufweisen, weil der von der fremden Frau stammende Anteil an den Erbanlagen nur gering ist: Die DNA eines Mitochondriums macht nur ein Prozent der gesamten DNA in einer menschlichen Zelle aus. Die Veränderung des Erbgutes wird aber von Generation zu Generation weitergegeben.

"Hoffnung auf ein Baby ohne Leiden"

Experten begrüßten die Entscheidung des britischen Parlaments. "Familien, die wissen, was es bedeutet, für ein schwerkrankes Kind zu sorgen, werden in die Lage versetzt zu entscheiden, ob eine Mitochondrien-Spende die richtige Option für sie ist", sagte der Chef der Wohlfahrtsorganisation Wellcome Trust, Jeremy Farrar.

Die britische Regierung gehört zu den Befürwortern der Methode. Diese sehen darin einen riesigen medizinischen Fortschritt. In einem offenen Brief an die britischen Abgeordneten schrieb eine Gruppe von Vereinen, die Technik sei für betroffene Familien "der erste Hoffnungsschimmer, um ein Baby zu bekommen, das ohne Schmerzen und Leiden leben kann". Lord Robert Wilson, einer der Pioniere der In-Vitro-Fertilisation - der Zeugung von Kindern im Reagenzglas - verglich die Methode mit einer einfachen Blutabnahme.

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Kritiker fürchten "Designer-Babys"

Die Gegner befürchten dagegen, dass die Methode der Erzeugung von Designer-Babys Tür und Tor öffnen könnte. "Wenn einmal diese ethische Grenze überschritten wird, wenn einmal festgelegt wird, dass es erlaubt ist, das menschliche Erbgut zu verändern, wird es schwierig, nicht die nächsten Schritte zu gehen und zu einer Welt zu kommen, in der Babys nach Maß produziert werden", warnte David King vom Verein Human Genetics Alert. Dies sei "ein Szenario, das alle vermeiden wollen".

In den USA gibt es bereits "Drei-Eltern-Kinder"

In den USA ist eine ähnliche Methode nach Sicherheits- und Ethikbedenken 2002 verboten worden. Dennoch gibt es einige Kinder, die bereits Gene von drei Eltern aufweisen. Eine der Frauen, die auf diese Weise ein Kind bekam, ist Sharon Saarinen. Zehn Jahre lang hatte sie vergeblich versucht, schwanger zu werden. Auch die künstliche Befruchtung funktionierte nicht. "Ich fühlte mich wertlos und schuldig, dass ich meinem Mann kein Kind gebären konnte", erzählt die Amerikanerin, die einen Gen-Defekt in sich trägt. Dass sie doch noch Mutter wurde, verdankt sie der 2002 verbotenen Methode. Tochter Alana trägt nicht nur Erbmaterial ihrer beiden Eltern in sich, sondern auch Gene von einer zweiten Frau.

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