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Renten steigen stärker als erwartet

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Rente und Ruhestand  

Deutliche Rentenerhöhung ab Juli

12.03.2012, 15:23 Uhr | dpa, AFP, t-online.de - mmr, dpa, AFP, t-online.de

Renten steigen stärker als erwartet. Für alle Rentner gibt's ab Juli gut zwei Prozent mehr Altersbezüge  (Quelle: dpa)

Das Bundeskabinett beschließt die Senkung des Rentenbeitragssatzes (Quelle: dpa)

Alle Rentner in Deutschland können sich freuen: Die Renten steigen ab Juli deutlich. Das sagte Bundessozialministerin Ursula von der Leyen (CDU). Demnach werden die Altersbezüge im Westen um 2,18 Prozent und im Osten um 2,26 Prozent erhöht. Sie sprach von einer "guten Nachricht für die 20 Millionen Rentnerinnen und Rentner" in Deutschland. Pro 1000 Euro Rente gibt's künftig monatlich rund 22 Euro mehr Altersbezüge.

Weniger als erwartet

Das Plus ist mehr als doppelt so hoch wie im vergangenen Jahr, als es 0,99 Prozent mehr gab. In Ostdeutschland ist es der höchste Anstieg seit 1997, damals lag die eine Erhöhung bei 5,5 Prozent (siehe Tabelle). Allerdings: Der Aufschlag fällt vor allem im Osten deutlich geringer aus, als zuvor erwartet worden war. Im vergangenen Herbst hatte die Rentenversicherung 3,2 Prozent für Ostdeutschland und 2,3 Prozent für die Westrentner prognostiziert. Am Wochenende hatten Meldungen über Aufschläge von 3,6 Prozent im Osten und von 2,2 Prozent im Westen die Runde gemacht.

Schätzungen zu optimistisch

Von der Leyen begründete dies damit, dass die Schätzungen des Statistischen Bundesamtes zur Lohnentwicklung "schlicht und einfach zu optimistisch gewesen" seien. "Aber das haben Schätzungen so an sich, dass sie nicht punktgenau sind." Nach den Worten der Ministerin gibt es "unter dem Strich eine positive Rentenentwicklung über der Inflationsrate". Sie nannte es eine erfreuliche Entwicklung, dass die Ost-West-Angleichung bei den Renten nicht zum Stillstand gekommen sei.

"Die Lohnentwicklung im letzten Jahr war gut. Das spiegelt sich in diesem Jahr in der Rentenerhöhung wider", erklärte von der Leyen. Zugleich machten sich aber noch die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise bemerkbar.

Notwendige Kürzung im vergangenen Jahr ausgefallen

Dass die Rentenerhöhung geringer ausfällt als rein rechnerisch nach der Lohnentwicklung 2011 möglich gewesen wäre, führte sie auf die Rentengarantie zurück, deretwegen eigentlich notwendige Rentenkürzungen ausfielen. Dieser Überhang werde jetzt mit den Erhöhungen verrechnet. "Insofern ist das ein erfreuliches Ergebnis, aber es erzählt noch die Geschichte der Vergangenheit." Durch den etwas höheren Aufschlag im Osten wird sich der Renten-Rückstand zum Westen minimal verringern. Mit der Rentenerhöhung will sich das Bundeskabinett an diesem Mittwoch in Berlin befassen.

Von der Leyens Fazit: "Die Rente steigt, das ist schön, über zwei Prozent im Osten und im Westen, aber sie steigt nicht ganz so hoch, weil wir die Rentengarantie nachholen, die in der Wirtschafts- und Finanzkrise ausgesprochen wurde."

Rentenentwicklung seit 1997 in Prozenten

Jahr

Zeitpunkt

West

Ost

1997

01.07.

1,65

5,5

1998

01.07.

0,44

0,89

1999

01.07.

1,34

2,79

2000

01.07.

0,60

0,60

2001

01.07.

1,91

2,11

2002

01.07.

2,16

2,89

2003

01.07.

1,04

1,19

2004

keine Rentenerhöhung

2005

keine Rentenerhöhung

2006

keine Rentenerhöhung

2007

01.07.

0,54

0,54

2008

01.07.

1,1

1,1

2009

01.07.

2,41

3,38

2010

keine Rentenerhöhung

2011

01.07.

0,99

0,99

2012

01.07.

2,18

2,26

(Quelle: Bundesregierung)

Rentenkasse so voll wie lange nicht mehr

Die Rentenerhöhung ist vor allem auf die im Boom des vergangenen Jahres gestiegenen Löhne und die gesunkene Arbeitslosigkeit zurückzuführen. Dadurch ist die Rentenkasse so voll wie schon lange nicht mehr. Die Kasse hat nach Angaben der Rentenversicherung Ende Januar über eine Reserve von 23,8 Milliarden Euro verfügt - fast sechs Milliarden Euro mehr als ein Jahr zuvor.

Woran die Rente angepasst wird

Rentenerhöhungen werden anhand der gesetzlichen Rentenanpassungsformel errechnet. Wichtigstes Element dabei ist die Bruttolohnentwicklung der Vorjahre. Diese wird aber nicht eins zu eins an die Rentner weitergegeben, sondern durch mehrere Faktoren in der Berechnungsformel positiv oder negativ beeinflusst.

Bei der zurückliegenden Lohnentwicklung werden letztlich nur die Löhne berücksichtigt, für die auch Rentenversicherungsbeiträge entrichtet werden. Beamtengehälter und beitragsfreie Löhne oder Lohnbestandteile - wie Entgeltumwandlung oder Gehälter über der Beitragsbemessungsgrenze - bleiben damit außen vor.

Kaufkraft gesunken

Die Kaufkraft der Rentner wurde im vergangenen Jahr allerdings weiter geschwächt. Nach Zahlen des Hamburger Weltwirtschafts-Instituts (HWWI) hatten die Rentner 2011 nach Abzug der Teuerung 1,8 Prozent weniger in der Tasche als 2010. Insgesamt ist nach den Zahlen die Kaufkraft der Rentner seit 2004 um insgesamt 8,8 Prozent gesunken. Auf Rentnerhaushalte schlug die Teuerung bei Lebensmitteln und Energie überdurchschnittlich stark durch.

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