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Börsen-Chaos hält an - Bankenkrise schwelt weiter

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Börsen-Chaos hält an - Bankenkrise schwelt weiter

08.10.2008, 08:39 Uhr | bab/ bv/ mmr/sky, dpa, dapd, dpa-AFX

Händler an der Börse (Foto: Katja Lenz)Händler an der Börse (Foto: Katja Lenz) Die Finanzkrise hält die Börsianer weiter in Atem. Der Kursrutsch an der Wall Street setzte sich am Dienstagabend unvermindert fort, obwohl US-Notenbankchef Ben Bernanke eine Zinssenkung in Aussicht stellte: Der Dow Jones rutscht bis 20.00 Uhr um 3,4 Prozent auf 9622,17 Zähler. Auch eine neue Liquiditäts-Spritze der US-Notenbank half den Märkten nicht auf die Sprünge - die Federal Reserve will kurzfristige Schuldverschreibungen aufkaufen, um die Kreditklemme zu beseitigen. Bereits am Montag war der amerikanische Leitindex zeitweise um sieben Prozent abgestürzt, schloss dann aber nach einer Aufholjagd bei 9955 Punkten 3,6 Prozent unter Vortag. Der japanische Nikkei-Index rutschte am Dienstag zeitweise ebenfalls unter die 10.000-Punkte-Marke, verringerte sein Tages-Minus aber auf nur noch drei Prozent. Die Erholung von den Tiefständen in Übersee machte Europas Börsen zunächst Hoffnung. Der DAX stieg im frühen Handel um rund zwei Prozent auf 5500 Punkte. Doch dann verunsicherten Meldungen über neue Banken-Schieflagen.

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Bedrohliche Island-Krise

Der DAX rutschte zunächst am Vormittag wieder ins Minus und notierte zeitweise nur noch bei 5300 Punkten. Im Tagesverlauf legte er einen Zickzack-Kurs vor, der letztlich mit einem Minus von 1,1 Prozent bei 5326,63 Zählern endete. Ein Börsen-Händler führte als Begründung für den erneuten Kursrutsch den drohenden Banken-Zusammenbruch in Island als Belastung an. Die isländischen Finanzinstitute hielten Beteiligungen an Banken und Versicherungen in ganz Europa, im "Handelsblatt" werde explizit auch die Commerzbank genannt. Islands Regierung hat am Dienstag offenbar die Kontrolle über das Bankengewerbe übernommen und will damit auch einen drohenden Staatsbankrott abwenden. Vor der Verabschiedung eines Eilgesetzes in der voraus gegangenen Nacht sagte Ministerpräsident Geir Haarde vor dem Parlament in Reykjavik, Island stehe vor der "reellen Gefahr", so in die globale Finanzkrise hineingezogen zu werden, dass am Ende der Staatsbankrott stehe.

Eilgesetz - Totale Bankenkontrolle gegen Island-Bankrott

Zweitgrößte Island-Bank unter Staatskontrolle

Islands Finanzaufsicht hat am Dienstag die vollständige Kontrolle über die zweitgrößte Bank des Landes, Landsbanki, übernommen. Die Behörden wandten damit erstmals das wenige Stunden zuvor vom Parlament verabschiedete Eilgesetz zur Verhinderung eines totalen Finanzkollaps sowie eines Staatsbankrotts an.

Auch englische Banken in Not?

Marktgerüchte über angebliche Liquiditätsengpässe führender britischer Banken haben am Dienstag auch zu einem massiven Kurseinbruch an der Londoner Börse geführt. Besonders stark waren die Papiere der Royal Bank of Scotland Group betroffen. Im späten Vormittagshandel brachen die Papiere zuletzt 27 Prozent auf 107,75 Pence ein. Auch bei den Aktien der anderen führenden britischen Banken setzte ein schneller Ausverkauf an der Börse in London ein. Lloyds-Papiere verloren zuletzt elf Prozent auf 230 Pence, die von HBOS rutschten um 16,7 Prozent auf 134 Pence und die von Barclays 8,9 Prozent auf 287 Pence.

Negative Nachrichten von Bank of America

Börsianer verwiesen auch auf sehr negative Nachrichten der Bank of America: Nach einem schweren Gewinneinbruch verschafft sich der Konzern eine massive Kapitalspritze und halbiert die Dividende. Ein Analyst sieht die Gründe wie marktbedingte Abschreibungen auch als Problem für europäischen Banken und deren Quartalsergebnis.

Gewinneinbruch - Bank of America schockt die Anleger

Fed pumpt Liquidität in den Markt

Derweil verpuffte ein radikaler Schritt der US-Notenbank zur Stabilisierung der bröckelnden Finanzmärkte: Die Federal Reserve setzt einen speziellen Fonds auf, der ungesicherte Schuldpapiere aufkaufen soll. Durch diese "Commercial Paper Funding Facility" solle neue Liquidität für Emittenten der Schuldverschreibungen fließen, erläuterte die Notenbank Federal Reserve am Dienstag. Die "Washington Post" berichtete, die Fed prüfe zudem weitere Zinssenkungen.

Börsenpanik rund um den Globus

Sorgen über einen Abschwung der Weltwirtschaft hatten am Montag die Börsen weltweit auf Talfahrt gehen lassen. An der Wall Street herrschte bisweilen panikartige Stimmung. Auch in Asien und Europa gingen die Börsen in den Keller. In Lateinamerika machte sich an den Aktienmärkten Panikstimmung breit. In der zugespitzten Finanzkrise will Europa große Bankenpleiten unbedingt verhindern. "Wir sind einig, dass wir vermeiden, dass systemrelevante Finanzinstitute den Konkurs anmelden müssen", sagte der Vorsitzende der Euro-Finanzminister, Jean-Claude Juncker, am späten Montagabend in Luxemburg nach mehrstündigen Beratungen. "Die Mitgliedstaaten verbürgen sich dafür."



EU bürgt für alle großen Banken

Angesichts der Finanzkrise verbürgt sich die Europäische Union für das Überleben aller wichtigen Banken. Die EU-Finanzminister einigten sich am Dienstag in Luxemburg auf einen Notfallplan, nach dem die Mitgliedsländer alle "systemrelevanten Finanzinstitutionen" stützen sollen. Zudem verständigten sich die EU-Staaten auf einen besseren Schutz von Sparern bei Bankenpleiten. Auch gegen überhöhte Gehälter und Abfindungen für Manager geht die EU vor. Kritik wurde am deutschen Vorgehen in der Bankenkrise laut.

Vertrauen soll wieder gewonnen werden

Mit dem Soforthilfeplan will die EU angesichts der Talfahrt der Börsen das Vertrauen von Märkten und Verbrauchern wiedergewinnen. "Wir verpflichten uns, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Gesundheit und die Stabilität unseres Banksystems zu verbessern und die Einlagen von Sparern zu schützen", heißt es der zweiseitigen Abschlusserklärung der Finanzminister. Die Beschlüsse sind Grundlage für den EU-Gipfel zur Finanzkrise am Mittwoch und Donnerstag kommende Woche.

Debatte über Einlagensicherung

Die deutsche Ankündigung einer gigantischen Garantie für Spareinlagen und ähnliche Maßnahmen in anderen Mitgliedstaaten führten zu einer Debatte über die Einlagensicherung. EU-Währungskommissar Joaquín Almunia kündigte an, das EU-Gesetz aus den 90er Jahren über Haftungsgrenzen solle rasch überarbeitet werden. Der EU-Mindeststandard, wonach nationale Einlagen bis 20.000 Euro geschützt sind, solle angehoben werden.

Video - Noch ein schwarzer Montag an den Börsen weltweit

Von Erleichterung keine Spur

An den Börsen war von einer Erleichterung über die Verabschiedung des Rettungsplans für die US-Finanzbranche am Montag nichts zu spüren. Vielmehr standen Befürchtungen über eine bevorstehende übergreifende Rezession im Vordergrund, nachdem sich die Finanzkrise auch in Europa weiter verschärft hat. Die Unsicherheit setzt sich am Dienstag fort. Der DAX fiel am Vormittag von 5500 Punkten auf zeitweise nur noch 5300 Punkte, erholt sich dann aber auf gut 5400 Punkte. Wiederholt stehen vor allem Finanzwerte im Mittelpunkt des Interesses.

Finanzkrise bremst Wachstum

Die Finanzkrise wird nach Ansicht des Chefs des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, in zahlreichen Ländern das Wachstum bremsen. "Die Krise hat starke indirekte Folgen, das Wachstum wird sich in vielen Ländern verlangsamen", sagte er in Paris.

Australien senkt Leitzins deutlich

Aus Angst vor einer Rezession hat Australien die Leitzinsen deutlich gesenkt. Die Notenbank verringerte ihren Zinssatz, zu dem sie Banken Geld leiht, um einen Prozentpunkt auf sechs Prozent. Die Notenbank hatte die Leitzinsen erst im September nach zwölf aufeinanderfolgenden Erhöhungen um 0,25 Prozentpunkte gekürzt. Analysten hatten höchstens mit einer Senkung um einen halben Prozentpunkt gerechnet, zumal die Inflationsrate über dem von der Notenbank angepeilten Wert von drei Prozent liegt. Rezessionsgefahr habe Sorgen über die Inflationsgefahr in den Hintergrund gedrängt hieß es. Derweil beließ die japanische Notenbank ihren Leitzins bei 0,5 Prozent.

Bush wirbt um Geduld

US-Präsident George W. Bush mahnte im Bemühen um eine Lösung der Finanzkrise zu Geduld. Es werde eine Zeitlang dauern, bis das am Freitag in Kraft getretene amerikanische Rettungspaket für die Banken Wirkung zeige, sagte Bush in Texas. Das Gesetz sei aber ein "großer Schritt zur Lösung des Problems". Das 700 Milliarden Dollar schwere Paket soll es der Regierung im Kern ermöglichen, den Banken faule Hypothekenkredite abzukaufen.

Kleinkrieg um Wachovia

Derweil geht die Konsolidierung im US-Bankensektor weiter. Im Übernahmekampf um die viertgrößte US-Bank Wachovia steht US-Medien zufolge als Kompromiss eine Zerschlagung des Instituts zur Diskussion. Die beiden Kaufinteressenten Citigroup und Wells Fargo verhandelten über eine Aufteilung der Bank, berichtete das "Wall Street Journal". Citigroup verklagte Wachovia zugleich auf Schadenersatz und Strafzahlungen von insgesamt 60 Milliarden Dollar (44 Milliarden Euro), wenn die bereits vor einer Woche verkündete Übernahme scheitern sollte. Die Citi-Aktien verloren 5,1 Prozent auf 17,41 Dollar und die von Wachovia sanken um 6,9 Prozent auf 5,78 Dollar. Wells Fargo hielten sich dagegen mit minus 2,66 Prozent auf 33,64 Dollar vergleichsweise moderat.

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