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Tauschhandel: Heidemarie Schwermer lebt freiwillig ohne Geld

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Tauschhandel: Heidemarie Schwermer lebt freiwillig ohne Geld

20.10.2008, 11:06 Uhr | dapd, t-online.de

Heidemarie Schwermer verzichtet freiwillig auf Geld und fühlt sich dadurch reich. (Foto: ddp)Heidemarie Schwermer verzichtet freiwillig auf Geld und fühlt sich dadurch reich. (Foto: ddp) Während Sparer um ihr Guthaben zittern, kann sich Heidemarie Schwermer entspannt zurücklehnen. Denn sie besitzt nichts, was sie in der Krise verlieren könnte. Seit zwölf Jahren lebt die 66-Jährige freiwillig ohne Geld und fühlt sich trotzdem nicht arm, sondern reich und glücklich. "Niemals hätte ich mir vorstellen können, dass so ein Leben möglich sein könnte", sagt Schwermer. Doch durch ihre "Gib-und-Nimm-Zentralen" lebt sie seit Jahren glücklich - auch ohne Geld.

Mutter der Tauschringe

Ihre Berufe Lehrerin und Bewegungs- und Psychotherapeutin gab sie auf, um mit alternativen Lebensmodellen zu experimentieren. "Und meine Erfahrungen sind so fantastisch, dass ich anderen Mut machen will." In ihrem früheren Leben im Ruhrgebiet sei ihr viel Armut begegnet. Um zu helfen, gründete sie Mitte der 90er Jahre einen der ersten deutschen Tauschringe, die "Dortmunder Gib-und-Nimm-Zentrale". Seitdem nennen sie Anhänger die "Mutter der Tauschringe".

"Ich habe ein neues Leben entdeckt"

Sie selbst habe es zwar gar nicht nötig gehabt, jeden Pfennig umzudrehen, aber dank des Tauschrings viel gespart. Schließlich sei ihr die Idee gekommen, doch einmal ein Jahr ohne Geld auszukommen. "Und in diesem Jahr - 1996 war das - habe ich ein neues Leben entdeckt." Ihre Praxis und sogar ihr eigenes Zuhause gab Heidemarie Schwermer auf. Seither lebt sie als Nomadin.

Haushüterin für Einsame

Zunächst arbeitete sie als Haushüterin bei Einsamen oder für Menschen, die ihr Haus wegen eines Auslandsaufenthalts allein lassen mussten. Inzwischen lebt sie wochenweise bei befreundeten Familien, sei es in Kiel, Krefeld, München oder Berlin. Überall dort entstanden auf ihre Anregung "Gib-und-Nimm-Häuser". Als Gast solcher Häuser übernimmt Schwermer Kinderbetreuung, Kochdienste oder Gartenarbeit, wofür sie Kost und Logis erhält. Manchmal geht sie auch Bioladen-Besitzern zur Hand, die ihr im Gegenzug das Nötigste mitgeben. Immer getreu ihrem Motto: "Großzügiges Miteinander statt kleinliche Abrechnerei".

Keine eigenen Ausgaben

Die Aussteigerin hat ein Handy, lässt sich aber nur anrufen. Ihre eigenen Telefonate erledigt sie ausschließlich über bereits bezahlte Flatrates und achtet streng darauf, dass keine zusätzlichen Kosten entstehen. Ihre Haare schneiden Bekannte aus Gefälligkeit. Fährt sie weiter zum nächsten "Gib-und-Nimm-Haus", verwendet sie nur übertragbare oder geschenkte Bahntickets.

Freunde bezahlen das Nötigste

"Natürlich funktioniert das nur, weil Freunde wie wir das Allernötigste für sie bezahlen", räumt Cornelia Artner ein. In ihrem Haus in der Nähe von Koblenz ist Schwermer gerade zu Gast. Zusätzliche Kosten verursache die Freundin aber kaum: "Heidemarie kennt so viele Einkaufstricks, dass wir sogar noch Geld sparen, wenn sie bei uns ist."

Die Rente verschenkt sie

Ihre kleine Rente, die sie seit einem Jahr bezieht, verschenkt Schwermer nach eigenen Angaben komplett an Menschen in Not. "Ich komme ja viel rum und finde immer jemanden, der mein Geld dringender braucht". Trotz oder gerade wegen ihres Lebens ohne Rücklagen habe sie aber keine Angst: "Ich vertraue darauf, immer das zu bekommen, was ich zum Leben brauche."

Freunde sind ihr A und O

Dass dieses Leben ohne Notgroschen nur dank ihrer vielen Freunde möglich ist, räumt Schwermer ein. "Meine Freunde, mein Vernetzsein - das ist meine Versicherung, mein A und O", sagt sie. Doch auch andere Menschen könnten den Zwang überwinden, für alles und jedes Geld nehmen oder geben zu müssen. "Wir dürfen nicht immer nur denken: Ich tue etwas und was bekomme ich dafür", sagt sie. "Sondern: Ich gebe etwas, weil es mir Freude macht, und dafür bekomme ich, was ich brauche." Ellenbogenmentalität und übertriebenes Konkurrenzdenken ließen sich mit dieser Einstellung überwinden.

Krise als Chance begreifen

Die aktuelle Krise sollten die Menschen als Chance verstehen, sagt Heidemarie Schwermer. Doch sie weiß, dass sie ihrer Umgebung mit einem solchen Satz viel zumutet. "Aber ich glaube daran, dass jetzt eine andere Zeit kommen muss, dass jetzt etwas Neues dran ist." Entscheidend sei, das eigene Leben nicht länger als Ansammlung von Mängeln zu erleben, die sich scheinbar durch Konsum beheben ließen. "Leute, geratet nicht in Panik", sagte die Lebenskünstlerin. Es gebe andere Arten, wie wir leben könnten. "Und die sind viel schöner, als wie wir bis jetzt gelebt haben."

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