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Autozulieferer  

Schaeffler führt Mitbestimmung ein

24.02.2009, 09:16 Uhr | bv, dpa, t-online.de

Maria-Elisabeth Schaeffler und Berthold Huber in der IG-Metall-Zentrale in Frankfurt (Quelle: dpa)Maria-Elisabeth Schaeffler und Berthold Huber in der IG-Metall-Zentrale in Frankfurt (Quelle: dpa) Der angeschlagene Autozulieferer Schaeffler setzt bei seinem Überlebenskampf auf die Unterstützung der IG Metall. Das fränkische Familienunternehmen verpflichtete sich in einer Vereinbarung mit der Gewerkschaft auf die Einführung weitgehender Mitbestimmung nach dem Vorbild einer Aktiengesellschaft. Beide Seiten wollen für die Arbeitsplätze und den Erhalt des Technologieverbundes mit der übernommenen Continental AG kämpfen.

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Schaefflers wollen zum Schuldenabbau Anteile verkaufen

Die bisherigen Alleineigentümer Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg zeigten sich erneut bereit, zur Sanierung einen wesentlichen Teil ihrer Anteile zu verkaufen und mit dem Ertrag die Schulden abzubauen. Für die Anteile gebe es bereits Interessenten, sagte Georg Schaeffler, ohne Namen oder Dimensionen zu nennen. Das Unternehmen hat zusammen mit Continental weltweit rund 220.000 Beschäftigte, davon 80.000 in Deutschland. Ihnen soll der Vereinbarung zufolge ein Beteiligungsmodell angeboten werden. "Sie sollen an dem Aufschwung, von dem wir felsenfest überzeugt sind, teilhaben", erklärte die Firmenchefin, die zuvor ihren Mitarbeitern für deren gezeigte Solidarität gedankt hatte.

Keine betriebsbedingten Entlassungen

Beide Seiten sprachen sich gegen betriebsbedingte Entlassungen und gegen Teilverkäufe von Unternehmensteilen aus. Lediglich die bereits eingeleitete Verselbstständigung und der mögliche spätere Verkauf der Continental-Gummisparte werde weiter geprüft, heißt es in der Vereinbarung.

IG Metall will für Schaeffler Staatshilfe einwerben

Gemeinsam wollen sich Gewerkschaft und Unternehmen um Überbrückungshilfen von Bund und Ländern bemühen. Die Eigenkapitallücke bezifferte Georg Schaeffler auf fünf bis sechs Milliarden Euro. Die Banken dürften nicht aus ihrer Verantwortung entlassen werden, verlangte IG-Metall-Chef Berthold Huber. Man müsse verhindern, dass sie ihre Probleme zulasten der Beschäftigten oder des Unternehmens lösten. Die Familie Schaeffler müsse zudem "Ankerinvestor" des strategisch sinnvollen Gemeinschaftsunternehmens bleiben. Dieses habe das Zeug, ein weltweit führender Anbieter in der Automobilindustrie zu werden.

Bisher wenig Mitbestimmung bei Schaeffler

Das fränkische Familienunternehmen hat als Personengesellschaft bislang die Beschäftigten deutlich weniger mitbestimmen lassen als in vergleichbaren Industrieunternehmen. Statt eines nun anvisierten paritätisch besetzten Aufsichtsrates mit Kontrollrechten hat der fränkische Kugellager-Riese bislang nur einen nicht weisungsbefugten Beirat. Der Betriebsrat klagte bislang regelmäßig, dass er von Informationen aus der Geschäftsleitung abgeschnitten sei. Beim Zusammengehen Schaefflers mit dem DAX-Konzern Continental, der wiederum kurz zuvor von Siemens die Sparte VDO Automotive übernommen hatte, seien drei völlig unterschiedliche Unternehmenskulturen aufeinandergeprallt, berichteten Gewerkschafter.

Banken müssen Rettung mittragen

Als Voraussetzungen für staatliche Beihilfen für Schaeffler-Continental nennen Gewerkschafter schlüssige Konzepte zu Finanzierung und Schuldenabbau, zu denen auch die Banken beitragen müssten. Besondere Verantwortung komme dabei der Commerzbank zu, die im Bankenkonsortium mit Abstand führend sei. Angeblich steht Schaeffler bei der teilverstaatlichten Bank mit über vier Milliarden Euro in der Kreide. Die Schaeffler-Gruppe benötigt nach Einschätzung der Gewerkschaft kurzfristig Eigenkapital, während Bürgschaften und weitere Kredite die Probleme nicht lösten.

Ohne Hilfen schwierige Zukunft

Firmenchefin Maria-Elisabeth Schaeffler bekräftigte in der Erklärung erneut ihre Absicht, staatliche Gelder verzinst zurückzuerstatten. Ohne eine zeitlich begrenzte finanzielle Überbrückung durch den Staat werde es für die Einheit und Zukunft von Continental und Schaeffler schwierig, hatte sie noch am Wochenende erklärt. Sie dankte dem früheren SPD-Chef Rudolf Scharping für seine Vermittlertätigkeit.

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