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Ingolstadt trotzt dank Audi der Krise

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Krisenfest  

Wie Ingolstadt die Finanzkrise abschüttelt

28.09.2009, 08:16 Uhr | Spiegel Online, Spiegel Online, t-online.de

Audi in Ingolstadt (Foto: imago)Audi in Ingolstadt (Foto: imago) Wer den Auswirkungen der Wirtschaftskrise in Ingolstadt nachspüren will, geht am besten zu Albert Wittmann. Der 57-Jährige hat von Berufs wegen einen guten Überblick darüber, welche Flurschäden die Erschütterungen auf den Finanzmärkten und in deren Gefolge die Auftragseinbrüche bei Maschinenbauern, Zulieferern und Autoherstellern hinterlassen haben - er ist der Stadtkämmerer in der bayerischen Stadt. "Die Situation lässt sich gut an der Entwicklung der Gewerbesteuer ablesen", erklärt er. Die Einnahmen lägen für 2009 um 35 Prozent unter den ursprünglichen Schätzungen, für 2010 fielen sie sogar um 57 Prozent geringer aus. "Vor der Finanzkrise haben wir für die kommenden vier Jahre mit rund 570 Millionen Euro an Gewerbesteuer kalkuliert, jetzt liegt die Schätzung bei 335 Millionen."

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Die Sozialkosten steigen

Auch den Anstieg der Arbeitslosenzahl spürt die Verwaltung in Ingolstadt. Bis 2011, fürchtet Wittmann, dürften die Ausgaben für Hartz IV um mehr als 30 Prozent steigen. Doch der ehemalige Bundeswehroffizier ist weit davon entfernt, sich zu beklagen. Tatsächlich dürfte ihn wohl jeder Kassenwart Deutschlands beneiden. Denn trotz des Abschwungs hat die Region im Zentrum Bayerns nicht wirklich ein Problem. Im Gegenteil: Ingolstadt und die angrenzenden Kreise Eichstätt, Neuburg-Schrobenhausen und Pfaffenhofen sind eine Insel der Seligen inmitten der von der Finanzkrise gebeutelten Republik.



Kein Gedränge im Arbeitsamt

Nirgendwo lässt sich das eindrücklicher feststellen als im kleinen Sozialrathaus in der Adolf-Kolping-Straße, das wenige Gehminuten zu Fuß vom Sitz der Stadtoberen in der Fußgängerzone entfernt liegt. An den Krisenherden der Republik - im Ruhrgebiet, in Berlin oder in vielen Städten und Gemeinden Ostdeutschlands - werden die Symptome des Abschwungs wie in einem Brennglas sichtbar, die Menschen sitzen in den Wartesälen der Arbeitsvermittlungen mit fahlen Gesichtern schon am frühen Vormittag dicht gedrängt, jeder mit einem Zettelchen in der Hand, auf dem die Wartenummer steht. Hier in Ingolstadt ist von gedrückter Stimmung nicht viel zu spüren. Im lichten Innenhof sitzen zwei junge Leute und rauchen eine Zigarette. "Wir warten noch auf einen Kumpel", sagt der eine von ihnen. "Drinnen dauert's nie lang."

Paradies für Jobsucher

Auf die Frage, ob es denn schwieriger geworden sei, eine Stelle zu finden, zucken sie ratlos mit den Schultern und einer der beiden lächelt schräg: "Schwierig ist's nicht", sagt er. "Nur macht der Job halt oft net so viel Spaß." Tatsächlich ist die gemütliche Donauregion mitten in der bayerischen Provinz ein Paradies für Arbeitssuchende. Trotz des "spürbaren Anstiegs" beträgt die Arbeitslosenquote in und rund um Ingolstadt gerade einmal 3,1 Prozent. Im nördlich gelegenen Landkreis Eichstätt beträgt sie sogar nur 2,1 Prozent. Werte, von denen Gelsenkirchen (16,1 Prozent), Görlitz (17,5 Prozent) oder Leipzig (17,5 Prozent) nur träumen können.

Immer genug zu tun

Kein Wunder also, dass die kleineren Händler und Dienstleister am Ort kaum Auswirkungen der Krise spüren. In der Bäckerei Erhard gegenüber dem alten Rathaus bleiben an diesem Vormittag einige Tische unbesetzt, aber die Frau hinter dem Tresen winkt ab: "Am Vormittag ist's immer ruhiger, und außerdem ist Ferienzeit." Nein, nein, man habe mehr als genug zu tun.



Haareschneiden geht immer

Zuversicht dominiert auch bei Helmut Schmid in der Proviantstraße, der Prominenten wie Marianne Sägebrecht oder Prinzessin Maja Synke von Hohenzollern die Haare frisiert. "Einen Haarschnitt brauchen die Leute immer", kokettiert Mitinhaber Marco Schornlj, um dann ein wenig ernster zu werden. "Bei dem einen oder anderen Kunden spürt man schon, dass er ein bisschen nervös in die Zukunft blickt. Aber mir scheint das eher wie eine allgemeine Sorge, weil man darüber ja täglich in der Zeitung liest."

Mehr als nur Wandern

Warum konnte diese Gegend, die Kenner als Wanderrevier zwischen Hopfengärten und alten Schlössern schätzen, den Folgen der Finanzkrise so gut widerstehen? "Natürlich freuen wir uns, dass Ingolstadt und seine Umgebung so einen guten Ruf als Urlaubsregion haben", erklärt Martina Schwytz von der Initiative Regionalmanagement, deren Aufgabe es ist, die Region voranzubringen. "Aber die reizvolle Landschaft ist nur ein Bruchteil dessen, was uns wirklich stark macht." Viel größere Bedeutung habe die Region als Wirtschaftsstandort, der den Vergleich mit den Top Drei der Republik nicht zu scheuen brauche.

Audi als stabilisierender Faktor

Natürlich stellt die Volkswagen-Tochter Audi als Unternehmen mit rund 32.000 Arbeitsplätzen das Schwergewicht dar, doch der Autohersteller ist beileibe nicht der einzige große Arbeitgeber am Ort. Auch die Elektronik-Kette Media-Saturn und die Militär-Tochter von EADS haben hier ihren Sitz, dazu viele mittlere und kleinere Zulieferer. Zwischen 2003 und 2007 haben sie der Region ein Wirtschaftswachstum von 8,5 Prozent verschafft, also mehr als das Vierfache des Bundesdurchschnitts.



Der Audi-Absatz brummt

Dass jetzt die Krise nicht deutlicher spürbar wird, liegt auch daran, dass Audi von der Absatzkrise vergleichsweise verschont geblieben ist. Von Januar bis Juli verkaufte der Premium-Hersteller zwar 8,1 Prozent weniger Autos als im Vorjahr, schnitt damit aber wesentlich besser ab als die direkten Konkurrenten BMW und Daimler. "Die Zeit der Kurzarbeit beschränkte sich auf wenige Tage", erklärt Antje Bauer, Sprecherin des Personalvorstands. Auch im sich abzeichnenden Aufschwung sei Audi gut positioniert, sekundiert ihr Kollege Armin Götz. "Wir haben von der Abwrackprämie nur in geringem Umfang profitiert, also dürfte sich die Zahl der Audi-Kunden, die den Kauf vorgezogen haben, in Grenzen halten", erklärt er.

Luxusproblem - zu wenige Arbeiter

Bei EADS denkt man ebenfalls eher an die Schaffung neuer Stellen als an einen Abbau. Vor zwei Jahren hatte das Unternehmen seine Entwicklungsabteilung aus Ottobrunn mit rund 2200 Mitarbeitern an den Standort Manching südlich von Ingolstadt verlegt. "Seitdem pendeln viele Ingenieure, die über kurz oder lang in den Ruhestand treten werden", rechnet Schwytz vor. "Für die muss Ersatz gefunden werden." Und so stehen Ingolstadts Stadtväter vor einem weiteren Luxusproblem, von dem ihre Kollegen in Frankfurt an der Oder, Dortmund oder Stralsund nur träumen können: Es geht darum, möglichst viele qualifizierte Arbeitskräfte in die Region zu locken, um die Voraussetzungen für weiteres Wachstum zu schaffen, wenn die Auftragslage wieder besser wird.

Bessere Kinderbetreuung im Fokus

Für Stadtkämmerer Wittmann steht denn auch außer Frage, dass der Anteil der Investitionen trotz der Einbrüche bei den Steuereinnahmen nach Möglichkeit stabil bleiben soll - jedenfalls in den Bereichen, die die Attraktivität des Standorts erhöhen. Welche das sind, liegt für den CSU-Politiker auf der Hand: "Den Ausbau der Kinderbetreuung werden wir mit großer Energie vorantreiben, bei den Kindertagesstätten wollen wir jedem einen Platz bieten können, der danach fragt", erklärt er. Den Widerspruch zu seinen konservativen Parteifreunden, die eher einem traditionellen Familienbild das Wort reden, nimmt er gelassen: "In meiner Generation können sich viele nicht vorstellen, dass die Frau arbeiten geht. Aber die Zeiten haben sich geändert. Und wenn wir dem nicht Rechnung tragen, verlieren wir unser wichtigstes Kapital."

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