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Deutscher Bank drohen Schadensersatzklagen

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US-Lebensversicherungsfonds  

Deutscher Bank drohen Schadensersatzklagen

03.11.2009, 17:10 Uhr | Spiegel Online, Spiegel Online

Fonds-Anleger sind sauer auf die Deutsche Bank (Foto: ddp)Fonds-Anleger sind sauer auf die Deutsche Bank (Foto: ddp) Das Geschäft schien eine sichere Sache: Zwei Deutsche-Bank-Fonds kauften US-Lebensversicherungen und warteten auf den Tod der Inhaber. Doch die Rechnung ging nicht auf - die Bank will die Anleger nun mit 80 Prozent ihrer Einlagen aus den Investments herauskaufen. Das reicht vielen nicht.

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Deutsche Bank hat sich verrechnet

Der Brief ist in Banker-Deutsch gehalten, doch die Botschaft ist eindeutig. Die Deutsche Bank hat sich gründlich verrechnet mit ihren Wetten auf den Tod anonymer US-Amerikaner. "Zum 31. Oktober 2009 kann erneut keine Ausschüttung erfolgen, und für die nächsten Quartale wird dies ebenfalls nicht erwartet", heißt es in einem Schreiben an die Anleger der beiden db-Kompass-Life-Fonds. Dabei schien die Anlage ein sicheres Geschäft zu sein. Die geschlossenen Fonds kauften Lebensversicherungen in den USA ein, die die Inhaber loswerden wollten. Stirbt der ursprüngliche Police-Nehmer, geht die Auszahlungssumme an die Fonds.

Makaberes Geschäft

Insgesamt 535 Millionen Euro sammelte die Deutsche Bank für das makabere Geschäft 2005 bei Kunden ein. Doch die Rechnung ging nicht auf. Bis heute konnten keine Ausschüttungen getätigt werden. Weil immer mehr Anleger deshalb Ärger machen, hat die Bank jetzt ein Vergleichsangebot vorgelegt: Für 80 Prozent der ursprünglichen Summe können die Kunden sofort aus dem Fonds aussteigen, in dem die Gelder eigentlich bis 2015 fest geparkt sind. Doch so mancher Anleger will die Bank nicht so einfach davonkommen lassen.

Anleger sprechen von Betrug

Einer schrieb bereits an Tausende Mitgesellschafter: "Wenngleich ich Ihnen natürlich keine Handlungsempfehlung geben kann, so kann ich Ihnen doch versichern, dass ich persönlich das Angebot der Deutschen Bank definitiv nicht annehmen werde." Sein Anwalt Karl-Georg von Ferber wirft der Bank im Gespräch mit Spiegel Online Anlegerbetrug vor: "Meines Erachtens sind die Anleger wissentlich getäuscht worden." Der Jurist, zu dem mittlerweile 2000 Anleger Kontakt aufgenommen haben, sieht gute Chancen für Schadensersatzklagen. Einige Mandanten hätten ihm einen entsprechenden Auftrag bereits erteilt. Zunächst will von Ferber jedoch ein unabhängiges Gutachten erzwingen.

Anleger traut der Deutschen Bank nicht

Von Ferber traut der Erklärung der Deutschen Bank für das Desaster nicht. Dem Geldinstitut zufolge sind die Versicherungsnehmer schlicht nicht gestorben wie kalkuliert. Es seien "weniger Policen fällig geworden als erwartet", heißt es in dem aktuellen Schreiben an die Anleger. Das stimme so nicht, hält Anwalt von Ferber dagegen und verweist auf den Jahresbericht des db Kompass Life I für 2006. Darin sind die gekauften Versicherungen genau aufgelistet. Nur für zwei der Assekuranzen war eine wahrscheinliche Laufzeit unter vier Jahren berechnet worden. Im gleichen Prospekt wurden den Anlegern eine Rendite von 7,25 Prozent pro Jahr und bereits für 2007 saftige Auszahlungen in Aussicht gestellt.

Geld gingt für Versicherungsprämien drauf

Die Realität sah dann etwas anders aus: Tatsächlich wurden bis Ende Januar 2009 beim db Kompass Life I drei Policen fällig, also eine mehr als erwartet. Rund 20 Millionen Euro kamen in die Fondskassen. Geld sahen die Anleger trotzdem nicht. Die Summe sei unter anderem für Prämienzahlungen draufgegangen, erklärte die Bank. Die Versicherungsbeiträge müssen schließlich noch weiter bezahlt werden, bis die anonymen Versicherungsnehmer das Zeitliche segnen.

Deutsche Bank weist Vorwürfe zurück

Ein Deutsche-Bank-Sprecher weist den Vorwurf der Täuschung dennoch entschieden zurück. Die Bank habe "in den Geschäftsberichten der Fonds die aktuelle Situation immer korrekt wiedergegeben". Die prognostizierten Lebenserwartungen könnten nicht als "absolute Zahlen" für die Berechnung der Cashflow-Situation hergenommen werden, stattdessen hätten die Banker auch die Wahrscheinlichkeit früherer oder späterer Tode mit berechnet.

Gestiegene Lebenserwartung schmälert Rendite

Mittlerweile allerdings hat sich die Einschätzung der Situation auch in Frankfurt gründlich geändert. Im aktuellen Schreiben an die Anleger geht die Deutsche Bank nur noch von einer Jahresrendite von zwei Prozent aus. Und es könnte noch schlimmer kommen: Auch das Risiko eines Kapitalverlustes wird erwähnt. Die Bank begründet dies alles mit der gestiegenen Lebenserwartung der Amerikaner. Die entsprechenden Experten-Berechnungen hätten sich seit 2005 geändert, die Bank hätte ihre Kalkulationen deshalb ebenfalls neu aufstellen müssen.

Bank kassierte Millionen

Bislang hat somit nur die Deutsche Bank ein Geschäft gemacht. Beim db Kompass Life I kassierten die Banker allein mehr als 32 Millionen Euro. Für die "Fondskonzeption" etwa berechneten sie Gebühren von 3,485 Prozent. Für Eigenkapitalvermittlung gingen 9,5 Prozent vorab an die Bank. Anwalt von Ferber vermutet sogar, die Bank werde auch mit den zurückgekauften Policen noch verdienen - denn irgendwann werden ja auch diese fällig.

"Das wurde mir in zehn Minuten angedreht"

Viele Anleger sind empört und klagen im Gespräch mit Spiegel Online über Falschberatung. Immer wieder heißt es: Von Risiko sei beim Kauf der Anlage kaum die Rede gewesen. "Das wurde mir in zehn Minuten angedreht", sagt ein Rentner. Ein Sprecher der Deutschen Bank weist den Vorwurf vehement zurück. Die Berater hätten die Kunden "über die Struktur des Produktes mit seinen Chancen und Risiken informiert. Das Beratungsgespräch erfolgt im Wesentlichen auf der Grundlage des Prospekts, in dem alle relevanten Informationen deutlich erkennbar erläutert und dokumentiert sind."

Komplexe Produkte

Tatsächlich ist die mehr als hundert Seiten starke Produktbeschreibung schwere Kost. Die Kompass-Life-Fonds sind hochkomplex. Nicht nur Lebensversicherungen, sondern auch Yen-Anleihen spielen darin eine Rolle - welche genau, ist für den Normalbürger freilich kaum nachvollziehbar. Wer allerdings zwölf Seiten durchhält, stößt auf einen alarmierenden Satz: Die tatsächlichen Erträge des Fonds könnten von den Prognosen "abweichen" und zu einem "erheblichen oder vollständigen Verlust des angelegten Kapitals führen".

"Schwere Managementfehler"

Anwalt von Ferber findet das Vergleichsangebot der Bank, 80 Prozent der Anlagen und damit insgesamt rund 400 Millionen Euro zurückzuzahlen, dennoch nicht fair. Der Fonds sei infolge "schwerer Managementfehler geflopt", sagt er. "Die Bank hat für diese Fehler noch nicht bezahlt."

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