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Warum Berlin in der Welt der Wirtschaft nur Provinz ist

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Wirtschaft in der Hauptstadt  

Warum Berlin in der Welt der Wirtschaft nur Provinz ist

06.09.2010, 11:14 Uhr | Spiegel Online, Spiegel Online

Warum Berlin in der Welt der Wirtschaft nur Provinz ist. Der Berliner Dom (Foto: imago)

Der Berliner Dom (Foto: imago) (Quelle: imago)

Berlin war einst eine der reichsten und größten Industriestädte Europas. Viele der heutigen DAX-Konzerne hatten hier ihren Sitz. Siemens etwa wurde in Berlin gegründet. Auch die Commerzbank hatte vor dem Zweiten Weltkrieg ihr Hauptquartier in Berlin, ebenso die Daimler-Benz AG, die Deutsche Bank und die Allianz. Die Stadt war ein industrielles und gewerbliches Schwergewicht, 1925 arbeiteten in 294.000 Betrieben rund 1,75 Millionen Menschen.

Das änderte sich nach dem Zweiten Weltkrieg - die meisten Unternehmen wanderten ab, besonders aus dem Ostteil der Stadt. Auch der Westen war nicht sonderlich attraktiv, lediglich hohe Subventionen motivierten Firmen, sich dort anzusiedeln. Mit dramatischen Folgen: Technologie- und forschungsintensive Branchen blieben der Stadt fern.

Stattdessen kamen Unternehmen der Zigaretten- und Kaffeeindustrie nach West-Berlin. "Innovative Firmen wollten nicht auf einer eingemauerten Insel produzieren", sagt Kurt Geppert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, der die Studie "Neue Wachstumschancen für Berlin" aus dem Jahr 2009 mitverfasst hat. Die Subventionen seien für umsatzstarke Unternehmen interessant gewesen, die wenig in Personal und Forschung investierten. "Das hat die Westberliner Wirtschaft über die Jahrzehnte komplett deformiert", so Geppert.

In Ostberlin fing die Wirtschaft bei Null an

Als die Mauer fiel, musste Ostberlin zudem wirtschaftlich bei null anfangen. Große Betriebe gingen bankrott, weil die Produkte nicht konkurrenzfähig waren. Auch im Westen der Stadt hatten Firmen große Schwierigkeiten: Sie mussten nun ohne die Subventionen zurecht kommen, die jahrzehntelang gezahlt wurden.

In den Jahren nach der Wende wurde die Infrastruktur erneuert, was vorübergehend zu einem Boom im Bau- und Dienstleistungssektor führte, der dann aber wieder abflaute. "Es war ein Fehler, dass die Politiker dachten, die Stadt würde von allein rasant wachsen. Sie setzten nicht schnell genug auf aggressive Industriepolitik", sagt Geppert. Dennoch seien die historischen Grundstrukturen maßgeblich Schuld an der Situation Berlins, so der Wissenschaftler. "Es braucht eben Zeit, dieses Defizit auszugleichen."

Heute - 20 Jahre nach der Wiedervereinigung - gibt es noch immer wenig Industrie in Berlin. Siemens ist mit 12.620 Beschäftigten der größte industrielle Arbeitgeber, gefolgt von der Daimler (6400 Beschäftigte) und Vattenfall (5140 Beschäftigte). Der McKinsey Studie "Berlin 2020. Unsere Stadt" zufolge fehlt es Berlin an forschenden Großunternehmen.

Vorhandene Stärken - Bildung, Tourismus, Gesundheit

Dennoch sehen die Experten von McKinsey große Chancen für die Metropole: "Wir sind überzeugt davon, dass Berlin hervorragende Voraussetzungen besitzt, um zu einer Modellstadt zu werden."

In einigen Bereichen ist die Stadt bereits gut aufgestellt, etwa in der Bildung. Es gibt laut Studie vier Universitäten, vier Kunsthochschulen, sechs Fachhochschulen und 19 Privathochschulen an denen 127.000 Studenten lernen. In kaum einer anderen Stadt ist die Auswahl an qualifizierten Arbeitskräften so groß wie in Berlin.

Trotzdem hat die Arbeit der Universitäten bislang kaum Auswirkungen auf den lokalen Arbeitsmarkt, das ist das Ergebnis der McKinsey-Studie "Berlin 2020. Unsere Stadt". Zwei der wenigen Ausnahmen seien die mit der Technischen Universität Berlin kooperierenden T-Labs und Bayer-Schering.

Besser sieht es im Bereich Tourismus aus, einem der größten Jobmotoren Berlins:

- Die Zahl der Übernachtungen ist seit 2000 um jährlich sechs Prozent gestiegen.

- Im Jahre 2009 verzeichnete die Metropole 19 Millionen Hotelübernachtungen. In München waren es im selben Zeitraum zehn Millionen, in Hamburg nur acht Millionen.

- Hinzu kommen 132 Millionen Tagesbesucher, die Geld in der Stadt ausgeben und damit die Wirtschaft ankurbeln. Berlin ist die am häufigsten besuchte deutsche Stadt.

Berlin im Gesundheitssektor gut aufgestellt

Der Gesundheitssektor ist bereits jetzt ebenfalls einer der vielversprechendsten Wirtschaftszweige. 170.000 Menschen erwirtschaften in diesem Bereich 6,3 Milliarden Euro. Mit seinem großen Krankenhaussektor, Biotech- und Medizintechnikunternehmen, sowie Pharmafirmen wie Bayer-Schering ist Berlin gut aufgestellt. Die Unternehmen sind innovativer und damit konkurrenzfähiger geworden.

Um zu einer Wachstumsbranche zu werden, ist jedoch ein Umdenken nötig, Gesundheit müsse nicht mehr als Kosten-, sondern als Wachstumsthema wahrgenommen werden, heißt es bei McKinsey. Von der Berliner Politik sei ein klares Bekenntnis zu Innovation und Spitzenmedizin notwendig. Insgesamt hält die Unternehmensberatung 10.000 zusätzliche Jobs in zehn Jahren für möglich.

3. Teil: Lesen Sie weiter: Kommende Stärken - Informationstechnik und Elektromobilität

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