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Lkw-Markt China: Hauptsache billig

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Hauptsache billig: Chinesen wollen bei Lastwagen keinen Stern

19.04.2011, 13:44 Uhr | dapd, dapd, t-online.de

Lkw-Markt China: Hauptsache billig. Mercedes-Lkw: Kaum Chancen in China (Foto: imago) (Quelle: imago)

Mercedes-Lkw: Kaum Chancen in China (Foto: imago) (Quelle: imago)

Deutsche Autos sind in China gefragt: Gut zwei Millionen Fahrzeuge haben Audi, BMW, Mercedes und VW vergangenes Jahr dort verkauft. Deutsche Lastwagen dagegen sind Ladenhüter. MAN und Mercedes setzten auf dem größten Lkw-Markt der Welt zusammen keine 4000 Stück ab. Denn die Wirtschaft in China will vor allem billige Transportmittel. Aber die Nachfrage wächst gigantisch. Umso wichtiger ist es, dass die Hersteller über lokale Partnerschaften endlich einen Fuß in die Tür bekommen.

"Das sind zwei Welten", sagt Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft in Geislingen. Ein Lastwagen in China darf im Durchschnitt nur 30.000 Euro kosten, muss robust und einfach zu reparieren sein. "Der Fahrer soll den Ölfilter selber wechseln können, und er darf am Lenkrad ruhig schwitzen", erklärt Diez. Ergonomischer Fahrersitz, Klimaanlage, elektronische Sicherheitssysteme oder abgasarme Euro-6-Motoren werden derzeit noch als überflüssiger Luxus betrachtet. Viel wichtiger ist in China, dass ein 16-Tonner auch mit 25 Tonnen überladen werden kann, ohne dass die Achsen brechen: "Das wird erwartet."

Europa-Lastwagen fast drei Mal so teuer

In Europa oder den USA kosten Lastwagen ab 80.000 Euro aufwärts, und die Hersteller verdienen gut daran - aber der Markt wächst sehr langsam. In China sind die Gewinnmargen viel kleiner, aber die Absatzzahlen explodieren geradezu: 1,5 Millionen Lastwagen wurden im vergangenen Jahr neu zugelassen, ein Zuwachs von 42 Prozent.

Von diesem riesigen Kuchen bekamen ausländische Hersteller keine drei Prozent ab - fast alle Laster und Transporter stammen aus chinesischen Fabriken, von Staatskonzernen wie Dongfeng, FAW oder Sinotruk. Obwohl hierzulande noch weithin unbekannt, produzieren sie schon heute mehr Nutzfahrzeuge als MAN, Volvo oder Fiat. Daimler ist mit 355.000 auf der ganzen Welt verkauften Lastwagen noch die Nummer eins, aber Dongfeng ist mit 300.000 allein in der Volksrepublik schon nahe dran.

Den Anschluss in China nicht verpassen

"Wer in China nicht dabei ist, wird auch weltweit an Bedeutung verlieren", sagt Branchenanalyst Frank Schwope von der NordLB. "Man muss dabei sein, damit es einem nicht so geht wie Renault." Während die deutschen Autobauer in Partnerschaften investierten und jetzt die Ernte einfahren, hat der französische Autobauer in China im vergangenen Jahr gerade einmal 14.000 Autos verkauft.

MAN ist schon vor zwei Jahren mit 25 Prozent bei Sinotruk eingestiegen und hat Technik als Morgengabe mitgebracht. "Die Chinesen sind clever: Sie holen sich Know-how ins Land, beschränken aber den Marktzugang und behalten drei Viertel des Gewinns", sagt Schwope. Aber es hilft nichts: "Das A und O ist der Marktzugang. Man muss den Fuß in die Tür bekommen", sagt er. Inzwischen haben MAN und Sinotruk gemeinsam einen neuen Lkw entwickelt, den sie unter der neuen Marke Sitrak in China, aber auch in anderen Schwellenländern verkaufen wollen.

Warten auf die Genehmigung

Mercedes hat sich mit dem chinesischen Hersteller Foton zusammengetan, wartet aber schon sehr lange auf die Genehmigung aus Peking. Scania behält sein lukratives Know-how für sich und beschränkt sich in China auf Nischengeschäfte.

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Schon heute wird jeder zweite Lastwagen weltweit in China verkauft - 1,5 Millionen waren es im vergangenen Jahr. In fünf Jahren würden weltweit 3,2 Millionen Billig-Lastwagen verkauft werden, sagt die Unternehmensberatung Frost & Sullivan in einer Marktstudie voraus. Treiber sind die großen Schwellenländer in Asien und Südamerika, dazu Südafrika, Russland und die Türkei.

"Wechsel auf die Zukunft"

Die Gewinnspanne ist gering, "aber das ist ein Wechsel auf die Zukunft", sagt Diez. Mit dem Aufbau von Just-in-time-Lieferketten steigen die Anforderungen an die Zuverlässigkeit und Ausrüstung der Lastwagen. China und Brasilien planen höhere Umweltstandards. "Der Anteil höherwertiger Lkws wird steigen, und das mit einem wahnsinnigen Volumen", sagt Diez. "Man muss jetzt dabei sein und die richtigen Partner haben."

Bis günstige chinesische Lastwagen als Konkurrenz in Europa und den USA auf den Markt kommen, wird es dagegen noch mindestens 15 Jahre dauern, darin sind sich die Experten einig. Zwar eignen sich die Chinesen Technik und Design rasch an - "der Technikklau ist da sehr präsent", sagt der Analyst. Nicht nur einzelne Modelle, sondern komplette Fabriken seien als Kopie "eins zu eins in einer anderen Stadt errichtet worden". MAN entdeckte einmal sogar eine komplette Kopie eines gesamten Busses bis ins letzte Detail.

Aber der technologische Vorsprung der europäischen Hersteller ist noch groß, und vor allem haben sie flächendeckende Servicenetze - das müsste ein neuer Konkurrent erst mal aufbauen. Außerdem bieten sich "den Chinesen zu Hause und in den Drittwelt-Märkten mit zweistelligen Wachstumsraten viel bessere Chancen", sagt Diez.

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