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Top-Konzerne: Bürger sehen kein Öko-Gewissen

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Top-Konzerne: Bürger sehen kein Öko-Gewissen

11.07.2011, 14:18 Uhr | dpa-AFX, dpa-AFX

Top-Konzerne: Bürger sehen kein Öko-Gewissen. Top-Konzerne in Deutschland stehen bei Umweltimage schlecht da (Foto: imago) (Quelle: imago)

Top-Konzerne in Deutschland stehen bei Umweltimage schlecht da (Foto: imago) (Quelle: imago)

Was sollte die wichtigste Aufgabe für ein Unternehmen sein? Jobs schaffen und erhalten, sagen die Menschen in Deutschland und sind sich ziemlich einig, dass Arbeitsplätze vor allem bei Volkswagen, Siemens und Daimler in guten Händen sind. An zweiter Stelle der dringlichsten Aufgaben steht der Umweltschutz - doch da will den Bürgern so recht kein Konzern mit Vorbildfunktion einfallen. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage von Ernst & Young hervor. Das Ergebnis ist bemerkenswert angesichts der Anstrengungen, die deutsche Konzerne zunehmend in das Gebiet gesellschaftlicher Verantwortung ("Corporate Social Responsibility", CSR) stecken.

Wirtschaftskraft alleine nicht mehr ausreichend

Die "weichen" Faktoren auf Gebieten wie Umweltschutz, Moral und Anstand im Geschäftsleben oder Frauenförderung scheinen die Menschen entweder nicht genügend zu registrieren - oder sie nehmen den Firmen deren angebliche Anstrengungen gar nicht erst ab. Beides ist problematisch, denn Wirtschaftskraft und glänzende Geschäftszahlen alleine reichen im Wettbewerb heute nicht mehr aus.

So schreibt etwa Volkswagen in seinem aktuellen Geschäftsbericht: "Die Empfehlungen und Entscheidungen der Finanzmarktteilnehmer basieren nicht nur auf den ökonomischen Kennzahlen, sondern zunehmend auch auf Auskünften der Unternehmen über ihr Nachhaltigkeitsprofil." Soll heißen: Für Aktionäre macht inzwischen auch der Ton die Musik. VW attestiert weiter: "Ein umfassendes Engagement im Interesse der Nachhaltigkeit betrachten Analysten und Investoren heute als Indikator für eine zukunftsorientierte Unternehmensführung."

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Bemühungen dringen zum Bürger nicht durch

Das sehen die Beratungsexperten der Branche genauso. Mark Smith, Partner bei Ernst & Young, sagt: "Die Unternehmen müssen sich darauf einstellen, dass ihre Leistungsfähigkeit nicht länger nur anhand von Gewinn- und Umsatzzahlen gemessen wird." Mittlerweile sei es ebenso wichtig, "dass die Unternehmen einen positiven gesellschaftlichen Beitrag leisten, dass sie sich für den Umweltschutz einsetzen und vor allem wirksame Maßnahmen gegen Korruption ergreifen".

Doch die Bemühungen auf diesen Feldern dringen nicht zum Bürger durch. Die Umfrageergebnisse dürften für viele Marketingabteilungen ein Dämpfer sein: So sagen zwar zwei von drei Befragten (68 Prozent), dass ihnen Umweltschutz und Nachhaltigkeit bei Unternehmen sehr wichtig sind. Damit rangiert das Thema auf Platz zwei hinter der Beschäftigungsentwicklung (73 Prozent) und vor der Innovation (62 Prozent). Doch gut jedem Dritten (34 Prozent) fällt gar kein Konzern ein, der sich um die Umwelt verdient gemacht hätte. Mit einem relativ geringen Wert (zehn Prozent der Antworten) gewinnt VW diese Kategorie, gefolgt von E.ON (acht Prozent) und Siemens (sieben Prozent).

Zum Vergleich: Beim Thema Jobs wusste nur rund jeder Fünfte (22 Prozent) kein Vorbild. Jede vierte Antwort (24 Prozent) entfiel auf den VW-Konzern, was den Wolfsburgern den Spitzenplatz sicherte - vor Siemens (14 Prozent) und Daimler (zehn Prozent).

Frauenquote: Telekom setzt neue Maßstäbe

Noch schlechter schneiden die großen Unternehmen bei den Themen sozialer Einsatz und Frauenförderung ab - kein Firmenname kommt auf zweistellige Werte. Bei der Frauenförderung weiß sogar die Hälfte der Befragten keine vorzeigbare Firma. Die Telekom führt diese Kategorie an - Chef René Obermann hatte jüngst eine Frauenquote angekündigt. Außerdem werden mit Claudia Nemat und Marion Schick künftig auch zwei Frauen im Vorstand sitzen.

Daimler holte bereits im Februar die Ex-Bundesverfassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt in die oberste Führungsriege. Sie soll Korruption bekämpfen. Doch der Autobauer landet in Sachen Frauenförderung nur auf Rang 10, bei der Korruptionsbekämpfung auf Platz 5.

Ethisches handeln spielt offenbar keine große Rolle

Beim Thema ethisch korrektes Handeln waren die Befragten am ahnungslosesten: Obwohl 57 Prozent diese Kategorie für relevant halten, wussten zwei Drittel (64 Prozent) kein Unternehmen zu loben. Der Rest nannte am häufigsten Siemens, VW und die Telekom. Ernst-&-Young-Fachmann Smith sagt dazu: "Offenbar ist es diesen Unternehmen dank sauberer Aufarbeitung gelungen, bei den Bürgern zu punkten und sich sogar positiv zu positionieren."

Unter dem Strich führen Volkswagen, Siemens und Daimler die Beliebtheitsskala an. Aber auch steter Tropfen scheint den Stein zu höhlen: Die Biermarke Krombacher etwa - sonst unter ferner liefen - belegt beim Umweltschutz Platz sechs. Der Bierhersteller wirbt seit Jahren nicht nur als Fußball- und "Tatort"-Sponsor, sondern auch mit Klimaschutzprojekten, die etwa Moderator Günther Jauch unterstützte.

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