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Börsencrash: Crashtest für den Westen

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Börsen-Turbulenzen  

Crashtest für den Westen

08.08.2011, 15:01 Uhr | Spiegel Online, Spiegel Online

Börsencrash: Crashtest für den Westen. Börsenhändler in Frankfurt am Crashtag (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Börsenhändler in Frankfurt am Crashtag (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Binnen einer Woche sind an den Aktienmärkten Werte in Billionen-Höhe vernichtet worden. Droht nun ein Crash der Realwirtschaft, ein neuer Abschwung? Tatsächlich sind Banken und Staatsfinanzen im Westen denkbar schlecht vorbereitet - vielen Ländern droht ein Rückfall in die Rezession.

Es ist ein Crash auf Raten. Innerhalb von acht Tagen hat der DAX fast 15 Prozent an Wert verloren, der US-Index Dow Jones rund zehn Prozent. Ist der Absturz nur eine irrationale Übertreibung? Oder kündigt er den Kollaps der Weltkonjunktur an?

Börsen als Frühwarnsystem der Konjunktur

Dass ein Einbruch am Aktienmarkt immer auch eine Konjunkturkrise nach sich zieht, ist kein Naturgesetz. "Die Aktienmärkte haben auch schon einige Krisen vorausgesagt, die gar nicht eingetreten sind", sagt Matthias Jörss, Leiter der Aktienstrategie bei der australischen Bank Macquarie. Zum Beispiel im Oktober 1987: Am "Schwarzen Montag" brach der amerikanische Dow-Jones-Index an einem Tag um mehr als 20 Prozent ein - und riss den Rest der Welt mit sich. Was folgte, war allerdings kein Ab-, sondern ein Aufschwung. Und auch die Börsenkurse erholten sich bald wieder.

Ein solcher Fehlalarm ist allerdings die Ausnahme. "Allgemein sind die Aktienmärkte schon ein guter Frühindikator", sagt Jörss. So folgte in Deutschland auf den Kursabsturz des DAX im Jahr 2000 ebenso eine Wirtschaftskrise wie auf den Crash 2008. Und auch dieses Mal werden die Märkte nach Meinung von Jörss Recht behalten. "Wir haben derzeit eine Krise des Bankensystems und der Staatsfinanzen. Das wird deutliche konjunkturelle Konsequenzen haben."

"Crash ist globaler Weckruf"

Ähnlich sieht es Peter Bofinger, Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung, den sogenannten Wirtschaftsweisen. "Ich würde den Crash als globalen Weckruf bezeichnen", sagt er. "Die Weltwirtschaft steht am Wendepunkt. In den kommenden Monaten wird sich das Wachstum in den meisten Ländern der Welt verlangsamen."

In der Tat stehen die Zeichen in den meisten Regionen der Welt derzeit eher auf Abkühlung:

ntwicklung wichtiger Indizes seit August 2010 (Grafik: dpa) (Quelle: dpa)Entwicklung wichtiger Indizes seit August 2010 (Grafik: dpa) (Quelle: dpa) In den USA ist die Wirtschaft im ersten Halbjahr nur noch schwach gewachsen. Das 2,4-Billionen-Dollar-Sparprogramm dürfte das Wachstum weiter abwürgen. Manche Ökonomen warnen schon vor dem "Double Dip", dem erneuten Rückfall in die Rezession.

In Südeuropa wütet die Schuldenkrise, die Regierungen haben gewaltige Sparprogramme aufgelegt - und damit die Wirtschaft weiter gelähmt. Griechenland und Portugal stecken noch immer in der Rezession.

Japan, die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, leidet unter den Folgen der Naturkatastrophe vom März. Die Wirtschaft steht still, und die Staatsverschuldung liegt so hoch wie nirgendwo sonst in der Welt.

Die Volkswirtschaften der Schwellenländer, die die globale Konjunktur bislang angetrieben haben, bekommen selbst Probleme. China versucht, das Wirtschaftswachstum abzukühlen, um die Inflation zu bekämpfen. Und Länder wie Brasilien leiden unter der massiven Aufwertung ihrer Währung, weil die Anleger aus den USA und der Euro-Zone fliehen. Das macht ihre Exportgüter global weniger wettbewerbsfähig.

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Börsen haben Schuldenkrise zu lange ignoriert

Ganz neu ist allerdings keine dieser Entwicklungen. Deshalb bleibt die Frage, warum die Märkte erst jetzt darauf reagieren. "Die Aktienmärkte haben die Schuldenkrise lange ignoriert, ebenso wie die Anzeichen, die auf eine schwächere Konjunktur hindeuteten", sagt Aktienexperte Jörss. "Nun reagieren sie umso heftiger." Auch der Wirtschaftsweise Bofinger wundert sich über den späten Absturz an den Börsen: "Die Märkte haben geschlafen - und sind jetzt aufgewacht."

Bofinger sieht die aktuelle Entwicklung an den Aktienmärkten als Vorboten einer neuen Etappe der Finanzkrise. "Wir kommen in eine neue Phase der Krise", sagt Bofinger - es wäre die dritte seit 2008.

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Die erste Phase endete demnach mit dem Crash am Immobilienmarkt und dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers. Seinerzeit ging ein Boom zu Ende, der vor allem mit privaten Schulden finanziert worden war.

Danach begann eine Phase, in der sich Staaten weltweit extensiv verschuldeten, um die Wirtschaft anzuheizen. Nun ebbt diese künstliche Nachfrage ab. Obendrein läuft die Staatsverschuldung in vielen Ländern so stark aus dem Ruder, dass die Regierungen massiv sparen müssen - was die Wirtschaft zusätzlich abwürgt.

In der nächsten Phase müsste laut Bofinger nun eigentlich wieder der private Sektor die Nachfrage anheizen, um die Krise zu bekämpfen. Doch genau dieser Schub fehlt. "Viele Märkte haben sich noch nicht von den Schocks der vergangenen Jahre erholt", sagt der Ökonom. "Das Wachstum lahmt, die Arbeitslosigkeit in Europa und Amerika ist enorm hoch, ebenso die private Verschuldung. Niemand weiß, wo auf absehbare Zeit das Wachstum herkommen soll."

Sparen, ohne die Konjunktur abzuwürgen

Die Zeichen stehen also nicht gut für die Weltwirtschaft. Vor allem die westlichen Industrienationen stehen vor einer riesigen Herausforderung: Sie müssen ihre Banken und Staatshaushalte stabilisieren, ohne die Konjunktur völlig abzuwürgen. Deshalb sind sie darauf angewiesen, dass wenigstens die Schwellenländer ihnen weiter ihre Waren abkaufen.

Der Absturz an den Börsen könnte die Abwärtsentwicklung der Konjunktur sogar noch beschleunigen. Denn je düsterer die Stimmung wird, desto schneller verschlechtert sich auch die Lage.

Mehr zum Geschehen heute an den Börsen in unserem aktuellen Marktbericht.

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