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Euro-Talfahrt stürzt Schweiz in Währungskrise

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Franken  

Euro-Talfahrt stürzt Schweiz in Währungskrise

29.12.2011, 16:12 Uhr | Spiegel Online, Spiegel Online

Der Euro-Kurs fällt und fällt, der Franken legt zu: Es fehlt nicht mehr viel, dann stehen die Währungen bei 1:1 - ein riesiges Problem für die Schweiz. Firmen fürchten um ihre Exporte. Plötzlich ist die Einführung des Euro in der Alpenrepublik kein Tabu mehr.

Die Fabrikhallen des Chemiekonzerns Lonza stehen in Visp im Kanton Wallis, in einem Tal, das der Fluss Rhone breit in die Alpen gefräst hat. Es ist eine sonnenverwöhnte Ecke der Schweiz, in den Dörfern oben an den Hängen tummeln sich viele Touristen. Unten bei Lonza finden 3000 Menschen Arbeit - in einem hochmodernen Forschungszentrum inmitten einer Berglandschaft.

Franken schmälert die Gewinne

Doch seit dem 1. Juli ist die Idylle getrübt. Lonza hat verkündet, dass die Angestellten im Wallis ab September zwei Stunden mehr pro Woche arbeiten müssen - 43 statt 41 Stunden für das gleiche Gehalt. Oder anders gesagt: Die Stundenlöhne werden um rund fünf Prozent gekürzt. Der Schritt ist aus Sicht des Unternehmens notwendig, weil der massiv erstarkte Franken den Gewinn drastisch schmälert. "Unsere Ergebnisse sind gefährdet durch den Wechselkurs, der zunehmend unsere Einnahmen vernichtet", sagt der Standortleiter Stephane Mischler.

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Franken wird immer stärker

Der Schweizer Franken hat gegenüber dem Euro in den vergangenen Wochen massiv an Wert gewonnen. Anfang April gab es für einen Euro noch deutlich mehr als 1,30 Franken. Zwischenzeitlich waren es nun weniger als 1,15 Franken - das ist nah an der Währungsparität. Wie dramatisch die Entwicklung ist, zeigt der langfristige Trend. 2007 bekam man für einen Euro sogar fast 1,70 Franken.

Die Krise der europäischen Gemeinschaftswährung und die Dollar-Turbulenzen führen dazu, dass Anleger in die Schweizer Währung fliehen - gilt das Land doch seit jeher als Trutzburg der Stabilität. Viele Schweizer Konsumenten freuen sich über die Entwicklung, denn Deutschland ist für sie zum Schnäppchenparadies mutiert.

Die Schweiz wird zu teuer

Die exportorientierten Schweizer Unternehmen leiden dagegen unter der Entwicklung - der Chemiekonzern Lonza ist da nur ein Opfer von vielen. Die Firmen haben die Wahl zwischen zwei unattraktiven Alternativen: Entweder sie verteuern die Produkte, so dass die Nachfrage aus dem Ausland abnimmt. Oder sie lassen ihre Euro-Preise stabil, verzichten dafür aber auf Gewinn.

Sogar die Tourismusbranche fürchtet um ihre Einnahmen. Denn für viele Alpenfreunde aus der Euro-Zone könnte die Schweiz angesichts des massiv aufgewerteten Franken endgültig zu teuer geworden sein.

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Werktags die wichtigsten Neuigkeiten rund um Wirtschaft und Finanzen per E-Mail in Ihr Postfach  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Unternehmen zeigen sich flexibel

Wie groß der Währungseffekt tatsächlich ist, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Dann veröffentlichen die wichtigsten Unternehmen der Schweiz ihre aktuellen Jahresprognosen. Wohin die Entwicklung gehen könnte, skizzierte Nick Hayek, Chef der Swatch Group, in einem Interview mit der "Finanz und Wirtschaft". Er schätzte den währungsbedingten Umsatzschwund im Jahr 2011 auf potentiell bis zu 1,2 Milliarden Franken. Bei gleichen Einnahmen und Kosten wie letztes Jahr würde Swatch damit knapp eine schwarze Null schreiben.

Doch Hayek kündigte im selben Interview an, den Umsatz dank "Kreativität und Innovation" insgesamt um bis zu 900 Millionen Franken gegenüber dem Vorjahr erhöhen zu wollen. Auch andere Unternehmen zeigen sich flexibel. Sie nutzen über vermehrte Einkäufe im Euro-Raum selber die Währungsdifferenz aus, erhöhen ihre Preise, überprüfen die Kosten, lassen kurzarbeiten. Entlassungen gab es bislang nur in einem Betrieb.

Euro-Einführung nicht realistisch

Trotzdem: Die betroffenen Unternehmen schlagen Alarm, und die Medien sorgen sich entweder lautstark mit ihnen oder suchen nach Rezepten gegen die drohende Krise. Auch die Parteien überbieten sich mit Lösungsvorschlägen. Dazu gehören die Einführung des Euro in der Schweiz oder der Verzicht der Banken auf Währungsspekulationen. Durchsetzbar ist das zum jetzigen Zeitpunkt beides nicht.

Interessant ist dagegen eine Forderung, die unter Politikern, Unternehmern und Ökonomen zunehmend Anhänger findet: Demnach soll die Schweiz den Franken mit einem festen Wechselkurs an den Euro koppeln. Dazu müsste die Schweizerische Nationalbank allerdings ein entsprechendes Kursziel verkünden, um Spekulanten zu bremsen. Und sie müsste Franken verkaufen und Fremdwährungen kaufen, um den Devisenmarkt zu beeinflussen.

So bedeutend der Finanzplatz Schweiz auch sein mag, realistisch scheint das nicht. Zahlen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zeigen, dass auf den Finanzmärkten täglich sechsmal so viel Euro wie Franken gehandelt werden. Das weiß auch die Regierung. Sie verschickte in dieser Woche eine typisch politische Mitteilung: Man nehme die wachsende Belastung der Unternehmen ernst und werde sich weiter regelmäßig mit den Folgen der Frankenstärke auseinandersetzen. Fortsetzung folgt.

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