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Merck-Betriebsrat: Abbau von 900 Stellen ohne Kündigungen möglich

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Merck-Betriebsrat: Abbau von 900 Stellen ohne Kündigungen möglich

04.06.2012, 09:35 Uhr | dpa-AFX

Merck-Betriebsrat: Abbau von 900 Stellen ohne Kündigungen möglich. Nach Angaben des Merck-Betriebsrates könnten 900 Stellen durch freiwillige Programme wegfallen. (Quelle: dpa)

Nach Angaben des Merck-Betriebsrates könnten 900 Stellen durch freiwillige Programme wegfallen. (Quelle: dpa)

Der vor einem weitreichenden Umbau stehende Pharma- und Chemiekonzern Merck könnte nach Einschätzung des Betriebsrats fast zehn Prozent seiner Stellen ohne Kündigungen abbauen. "Ich rechne damit, dass bis zu 900 Mitarbeiter in Deutschland das Angebot von Altersteilzeit und freiwilligem Ausscheiden annehmen", sagte Betriebsratschef Heiner Wilhelm. Derzeit liefen die Gespräche mit Mitarbeitern.

Analysten rechnen mit Abbau von 2000 Stellen

Der Konzernbetriebsrat und die Geschäftsleitung des Darmstädter Unternehmens hatten sich vor der Hauptversammlung des Dax-Konzerns Ende April auf ein Eckpunktepapier verständigt. Durch die Freiwilligenprogramme sollen betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden - ganz ausgeschlossen hatte die Geschäftsleitung sie aber nicht. In Deutschland beschäftigt Merck rund 10.600 Personen. Konkrete Pläne wurden noch nicht bekannt. Weltweit beschäftigt Merck rund 40.600 Mitarbeiter.

Merck soll nach den Rückschlägen in der Pharmasparte und dem verschärften Wettbewerb im Geschäft mit Flüssigkristallen auf mehr Effizienz getrimmt werden. Das werde aber nur gelingen, wenn beim Personal gespart werde, hatte Konzernchef Karl-Ludwig Kley jüngst erklärt. 2011 seien 40 Prozent der operativen Kosten von insgesamt acht Milliarden Euro in diesem Bereich angefallen. Analysten rechnen mit einem Abbau von weltweit mehr als 2000 Stellen. Am 20. Juni wird die nächste Betriebsversammlung stattfinden.

Merck-Chef Kley verordnet Sparprogramm

In Deutschland denkt die Geschäftsleitung über eine Verlagerung des Dienstleisters Merck Shared Services Europe (MSSE) nach Osteuropa nach. Damit stünden am Stammsitz Darmstadt 200 Arbeitsplätze zur Disposition. Zudem würden übertarifliche Gehaltsbestandteile sowie die Höhe der Eingruppierung in Frage gestellt, sagte Wilhelm. Der Betriebsrat behandele derzeit Anfragen nach Neueinstellungen und Sonderschichten wegen hoher Auslastung "sehr vorsichtig", sagte Wilhelm. "Wir können den Leuten nicht vermitteln, dass sie Sonderschichten fahren sollen, wenn auf der anderen Seite Stellenstreichungen geplant werden."

Merck-Chef Kley hat für den DAX-Konzern ein umfassendes Sparprogramm weltweit eingeleitet. In der Pharmasparte Merck Serono sollen ab 2014 pro Jahr 300 Millionen Euro eingespart werden. Dabei soll die Zentrale von Serono in Genf geschlossen werden. Rund 500 Arbeitsplätze sowie 80 weitere Jobs an den drei Schweizer Produktionsstandorten sollen wegfallen. Mehr als 750 der 1250 Stellen in Genf sollen verlagert werden.

Auch in Frankreich wird gekürzt

"Wie viele davon an den Firmensitz nach Darmstadt kommen, wissen wir noch nicht", sagte Wilhelm. Insgesamt arbeiten in der Pharmasparte Merck Serono weltweit 17.000 Mitarbeiter. Auch in Frankreich wird bei Merck Serono gekürzt. 267 von 1270 Stellen werden gestrichen, hatte das Unternehmen vor wenigen Tagen mitgeteilt. Merck hatte den Schweizer Biotech-Konzern Serono vor fünf Jahren für mehr als zehn Milliarden Euro übernommen.

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