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Werften-Krise: Ostdeutsche P+S-Werften insolvent

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Ostdeutsche P+S-Werften müssen Insolvenz anmelden

21.08.2012, 11:59 Uhr | dapd, dpa

Werften-Krise: Ostdeutsche P+S-Werften insolvent . Zwei Schiffe der Bundeswehr auf der P+S-Werft in Wolgast (2011)  (Quelle: dpa)

Zwei Schiffe der Bundeswehr auf der P+S-Werft in Wolgast (Quelle: dpa)

Die Werften-Krise fordert weitere Opfer: Die angeschlagenen P+S-Werften in Stralsund und Wolgast bekommen keine staatlichen Hilfen mehr und stehen nun vor der Insolvenz. Wie Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) nach einem Krisengespräch in Schwerin mitteilte, reichte der vereinbarte Kreditrahmen nicht, um bestehende Aufträge fertigzustellen und die Werften vor der Zahlungsunfähigkeit zu retten. Die P+S-Werften gehören zu den zehn größten Arbeitgebern in Mecklenburg-Vorpommern. Fast 2000 Arbeiter bangen um ihre Jobs.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lehnte weitere Hilfen ab. "Der staatliche Rahmen ist ausgeschöpft", sagte die Kanzlerin in Stralsund, das zu ihrem Wahlkreis gehört. "Wir mussten heute sagen, dass es nicht weitergeht, wenn die Verzögerungen so sind, dass man mit dem Geld, das wir zur Verfügung stellen, nicht auskommt. Das ist die bittere Wahrheit", erklärte Sellering.

Erhöhung der Darlehen nicht möglich

Die Insolvenz der Werften ist wohl nicht zu vermeiden, da eine Erhöhung der von Land und Bund verbürgten Darlehen über 152 Millionen Euro hinaus rechtlich nicht möglich gewesen sei. "Das ist ein sehr schmerzhaftes Ergebnis für alle Werftarbeiter, ihre Familien, die Zulieferer und auch für uns", sagte Sellering. Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) sprach von einem "schwarzen Tag".

Der erst vor wenigen Tagen eingesetzte Werften-Geschäftsführer Rüdiger Fuchs kündigte an, nach der Unterrichtung der Belegschaft spätestens am Mittwoch einen Insolvenzantrag zu stellen. Er hatte die Regierung bereits am Donnerstag über die dramatische Lage der Schiffbaubetriebe unterrichtet und am Montag ein neues Sanierungskonzept vorgelegt. Vor allem der Stralsunder Schiffbaubetrieb sei "aus dem Tritt".

Verkauf an einen Investor vorgesehen

Das Sanierungskonzept sah vor, die Peenewerft in Wolgast innerhalb von zwölf Monaten an einen Investor zu verkaufen. Dieser Unternehmensteil verfüge "im Kern über ein tragfähiges Geschäftsmodell" als Reparatur- und Umbauwerft für Militär- und Behördenschiffe. Die Volkswerft in Stralsund sollte langfristig als Hersteller von Spezialschiffen profiliert und die bereits begonnen Schiffsneubauten fertiggestellt werden. "Die gesamte Wegstrecke ist aber nicht im Rahmen der 152 Millionen Euro zu bewältigen", machte Fuchs deutlich. Rund 70 Millionen Euro waren bereits ausgereicht worden.

In der Vorwoche hatte Fuchs erhebliche Lieferverzögerungen für Schiffsneubauten einräumen müssen. Sie betreffen die beiden im Bau befindlichen Scandlines-Fähren und auch zwei Spezialfrachter für die dänische Reederei DFDS A/S. Seit April 2011 hat die Werft laut Fuchs kein Schiff mehr ausgeliefert, was die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens erheblich beeinträchtigt.

Werftenkrise seit 2009

Schon seit der Finanzkrise 2009 stecken die Schiffbaubetriebe trotz guter Auftragslage in Liquiditätsnöten. Nach Einschätzung von Fuchs sind die Probleme aber auch hausgemacht: "Man hat sich hier auf dem Weg vom Serienschiffbauer hin zum Spezialschiffbauer zu viel vorgenommen. Man hat zu viele Neuentwicklungen in zu kurzer Zeit angenommen", resümierte Fuchs.

Sellering kündigte an, dass sich die Landesregierung trotz der bevorstehenden Insolvenz "im Rahmen des rechtlich Möglichen und wirtschaftlich Vertretbaren" für den Erhalt beider Werftstandorte einsetzen werde.

"Wir haben im Land schon einmal die Erfahrung gemacht, dass es nicht das Ende sein muss, dass man neu anfangen kann", sagte er in Anspielung an die Fortführung des Schiffbaus auf den früheren Wadan-Werften in Wismar und Rostock, die nach der Insolvenz im Juni 2009 einen neuen Besitzer fanden und heute als Nordic-Werften firmieren. Das Konzept des neuen Werft-Chefs Fuchs biete gute Ansätze. "Aber dafür sind mehr Geld und mehr Zeit nötig. Und das ist im Moment nicht zu machen", sagte Sellering.

"Am Boden zerstört und total wütend"

Die Belegschaften der beiden Standorte nahmen die Nachricht von der Insolvenz mit großer Enttäuschung auf. "Die Leute sind am Boden zerstört und total wütend", sagte der Stralsunder Bevollmächtige der IG Metall Küste, Guido Fröschke. "Die Insolvenz ist ein schwerer Schlag für die ganze Region", unterstrich Fröschke. Betroffen seien nicht nur die etwa 1150 Mitarbeiter am Strlasund und die rund 600 Beschäftigten am Peenestrom. Die Pleite werde Auswirkungen für insgesamt 5000 Menschen haben, darunter Leiharbeiter und Servicekräfte.

Der Unmut der Schiffbauer richte sich vor allem gegen die vor knapp drei Wochen abgelöste Geschäftsleitung, die nach Angaben des neuen Werft-Chefs Rüdiger Fuchs zu viele Neukonstruktionen in zu kurzer Zeit vorgenommen habe. Die Verantwortung dafür trage aber auch das Land, das mit zwei Vertretern im Beirat der Werft vertreten gewesen sei und den Kurs abgenickt habe.

Liefertermine verschoben

Im Auftragsbuch der P+S Werften in Stralsund und Wolgast standen bislang Spezialschiffe mit einem Gesamtvolumen von mehr als einer Milliarde Euro. Damit wären die Volkswerft Stralsund und die Peene-Werft Wolgast bis Mitte 2013 komplett ausgelastet.

Die Stralsunder Werft habe allerdings seit April 2011 kein Schiff mehr ausgeliefert, alle Liefertermine hätten verschoben werden müssen, räumte Geschäftsführer Fuchs ein. Bis Ende des zweiten Halbjahres 2013 sollen nun die in Auftrag gegebenen Fähren sowie eisgängige Frachtschiffe für Royal Arctic ausgeliefert werden. Weitere Schiffe sollen geprüft werden, bevor sie in die Produktion gingen. Dazu gebe es einen genauen Plan von Schiffsneubauten und Neukonstruktionen.

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