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Automobilindustrie: Experten schlagen Alarm

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Automobilindustrie: Experten schlagen Alarm

22.09.2012, 09:59 Uhr | dpa

Automobilindustrie: Experten schlagen Alarm. Europas Autokrise dürfte Jahre dauern (Quelle: dapd)

Deutsche Autohersteller profitieren vom US-Automarkt (Quelle: dapd)

Europas Automarkt ist im Sinkflug, eine Trendwende nicht in Sicht. Im Gegenteil: Experten sehen schwarz und sagen beim Absatz ein 20-Jahres-Tief voraus. Vor dem wichtigen Pariser Autosalon (29.9. bis 14.10.) ist die Stimmung schlecht - obwohl einige Konzerne wie Volkswagen oder BMW weiter Rekorde feiern.

"Im Moment gibt es eine Zweiteilung", sagt Autoexperte Stefan Bratzel. Die einen setzten wie auch Hyundai oder Toyota ihren Höhenflug fort - sie können die Absatzkrise in Europa andernorts kompensieren. "Und dann gibt es die, die ihr Hauptabsatzgebiet in Europa haben: Denen geht es dramatisch schlecht." Selbst Daimler musste seine Gewinnziele kappen, was Konzern-Chef Dieter Zetsche mit zunehmend schwierigen Marktbedingungen in Europa begründet, aber auch mit Schwierigkeiten in China.

Zu große Erwartungen in neue Modelle

Allzu große Erwartungen werden dementsprechend nicht einmal in neue Modelle gesetzt. Zwar präsentieren die Hersteller auf dem Autosalon in Paris viele davon. Etwa den VW Golf, den Renault Clio oder den Opel Adam. Ford stellt den neuen Mondeo vor, Citroën ein DS3 Cabrio und Toyota einen Auris Kombi.

Die Experten warnen allerdings vor allzu großen Erwartungen. "Jede Menge neue Modelle, die eigentlich den Markt bewegen könnten - wenn da nicht die Schuldenkrise wäre", kommentiert Autofachmann Ferdinand Dudenhöffer. "Die Automärkte in Südeuropa befinden sich im ungebremsten Fall."

Krisenmanagement statt Aufbruchstimmung

Dudenhöffer erwartet, dass 2013 das schlechteste Verkaufsjahr in Westeuropa seit 1993 wird - mit 11,6 Millionen Auto-Verkäufen nach 11,9 Millionen in diesem Jahr. Er befürchtet Ratlosigkeit bei der Messe in Paris. Bratzel prognostiziert Krisenmanagement statt Aufbruchstimmung. "Die Hersteller werden sich eher überlegen, wie sie es halbwegs schaffen, bei dem enormen Wettbewerbsdruck ihren Kopf über Wasser zu halten", lautet der Expertenkommentar. "Wir sehen mindestens in den kommenden vier bis fünf Jahren keine Rückkehr zum Absatz auf Vorkrisenniveau", sagt Ian Fletcher, Analyst bei IHS Automotive.

Große Sorgen bei Franzosen

Besonders groß sind die Sorgen beim französischen PSA-Konzern. Der Autobauer mit den Marken Peugeot und Citroën leidet extrem unter seiner Abhängigkeit vom schrumpfenden europäischen Markt. Um aus der Verlustzone zu kommen, will die Unternehmensspitze nun ein Werk bei Paris schließen. Landesweit sollen 8000 Jobs gestrichen werden.

Die Regierung und die Gewerkschaften laufen allerdings Sturm gegen die Pläne. Sie werfen dem Management schwerwiegende strategische Fehlentscheidungen vor. Statt in Wachstums- und Schwellenländer zu investieren, habe es lieber höhere Dividenden gezahlt und eigene Aktien aufgekauft, lautet einer der Kritikpunkte.

Opel pessimistisch

Auch bei Opel wird mal wieder intensiv über einen Zukunftsplan verhandelt - dabei geht es auch um das Aus des Standorts Bochum mit rund 3200 Beschäftigten. Rückenwind von den Märkten erwartet Opel-Interimschef Thomas Sedran jedenfalls nicht: "Wir gehen nicht davon aus, dass das zweite Halbjahr besser wird als das Erste." 2013 werde der Gesamtmarkt sogar noch etwas schwächer werden.

Die Opel-Mutter General Motors und PSA waren im Frühjahr eine Allianz eingegangen, um über Kooperationen etwa in den Bereichen Einkauf und Produktentwicklung Kosten in Europa zu senken. Dass es wie allgemein erwartet auch Pläne für eine gemeinsame Fertigung gibt, verweist die Adam Opel AG ins Reich der Fabeln - noch. Ein möglicher Grund für die Zurückhaltung: "Angesichts des geplanten Abbaus von Tausenden Stellen bei PSA wollen die Franzosen nicht hören, dass Peugeots und Citroëns in Deutschland gebaut werden könnten", ist Dudenhöffer überzeugt.

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