Sie sind hier: Home > Finanzen > Unternehmen >

Schwarzer Tag für Europas Automobilindustrie

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Schwarzer Tag für Europas Automobilindustrie

24.10.2012, 19:18 Uhr | dpa-AFX, dpa

Schwarzer Tag für Europas Automobilindustrie. Der Automarkt in Europa steckt in der Krise (Quelle: Reuters)

Der Automarkt in Europa steckt in der Krise (Quelle: Reuters)

Mit Staatshilfen und dem Aus für ganze Produktionsstätten geht es auf dem europäischen Automarkt ans Eingemachte. Sieben Milliarden Euro Staatsgarantien für die Finanztochter von PSA Peugeot Citroën und konkrete Pläne für ein Ende des Ford-Werks im belgischen Genk haben am Mittwoch ein neues Kapitel der Krisengeschichte eröffnet. "Und wir stehen erst am Anfang", warnt Autoexperte Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft an der Hochschule Nürtingen-Geislingen. Die Situation werde weiter eskalieren und sich zuspitzen.

Miese Bonität für PSA Peugeot Citroën

Vor allem für das französische Sorgenkind PSA Peugeot Citroën tickt die Uhr. "Peugeot wird aus dieser Krise nicht alleine herauskommen", glaubt Diez. Die Staatshilfen für die Finanztochter zeigten, wie kritisch Analysten die Zukunft des Konzerns sehen. Dessen Bonität sei inzwischen so schlecht, dass PSA Finance ernste Probleme habe, sich frisches Geld zu vertretbaren Konditionen zu besorgen.

Das braucht die Bank aber, um Leasinggeschäfte oder Autokäufe auf Raten zu finanzieren. Steigen die Zinsen für die Bank, werden die auch an Peugeot-Kunden weitergereicht. Und da alleine in Deutschland laut Diez drei von vier Neuwagen über Finanzierungsmodelle an den Kunden gebracht werden, ist der Zinsunterschied zwischen zwei Herstellern ein wichtiger Faktor. Mit "Null-Prozent-Finanzierungen" wird gerne geworben - mit acht Prozent nicht.

Staatshilfen umstritten

Doch Staatshilfen sind höchst umstritten, nicht nur bei Europas Wettbewerbshütern. Die Abwrackprämie aus der letzten tiefen Branchenkrise sehen manche Experten als einen Grund für das aktuelle Nachfrage-Tief. Autokäufe wurden damals vorgezogen und nun stehen Neuwagen bei den Herstellern auf dem Hof oder werden mit hohen Rabatten in den Markt gedrückt. Staatsgarantien sehe er sehr kritisch, sagt Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister, der im VW-Aufsichtsrat sitzt.

Hoffnung auf Kooperation mit Opel

Mittelfristig dürfte PSA Peugeot Citroën die gemeinsame Entwicklung mit der General-Motors-Tochter Opel beim Sparen helfen, glaubt Experte Stefan Bratzel von der Fachhochschule Bergisch-Gladbach. Aber hält PSA so lange durch? Aktuell verbrennt der Konzern Monat für Monat einen hohen Euro-Betrag - und dürfte das laut PSA-Chef Philippe Varin noch bis 2014 tun. So vermutet Diez, dass GM über kurz oder lang "einen substanziellen Anteil" an Peugeot wird übernehmen müssen, um die Finanzierung des zweitgrößten europäischen Autoherstellers zu sichern.

Dazu kommt, dass die Zusammenarbeit mit PSA die Verhandlungen um Opels Zukunft erschweren. Die mächtige IG Metall verlangt den Erhalt aller vier Standorte in Deutschland inklusive Bochum. Aber dass allein auf französischer Seite Werke geschlossen und Jobs abgebaut würden, wenn es zu einer tieferen Kooperationen etwa in der Fertigung kommen sollte, gilt als unwahrscheinlich.

Ford droht Ärger mit Gewerkschaften

Auf Ärger mit Gewerkschaften muss sich auch Ford einstellen. Schließlich wären von einer Werksschließung in Genk 4300 Stellen betroffen. Indirekt hängen weitere 5000 Arbeitsplätze nach Gewerkschaftsangaben an der Fabrik. Die Arbeitnehmervertreter rüsten sich bereits für eine Auseinandersetzung. Dagegen lobt Auto-Fachmann Diez, dass der US-Hersteller seine Pläne zeitig öffentlich macht und das Problem der Überkapazitäten klar angeht. Das sei aber auch ein Beleg für sehr düstere Zukunftsaussichten der Branche. "Wenn die Hoffnung auf Besserung in 2014 oder 2015 bestünde, dann würde man das nicht machen", sagt Diez.

VW-Chef spricht von "wachsendem Gegenwind"

Auch VW-Chef Martin Winterkorn, der seinen Riesenkonzern bislang nur mit leichten Kratzern durch die Krise gesteuert hat, erwartet für die nächsten vier Jahre keinen großen Wachstumsschub in Europa. In Westeuropa gingen die Auslieferungen, die mehr als ein Drittel des Gesamtvolumens ausmachen, aber um vier Prozent zurück - und das, obwohl der Porsche-Absatz erstmalig mit berücksichtigt ist.

Für die nächsten Monate erwarten die Niedersachsen eine Verschärfung der Absatzkrise auf dem Heimatkontinent. Winterkorn sprach zuletzt von "wachsendem Gegenwind". Doch VW kann mögliche Verluste in Europa vergleichsweise gelassen entgegensehen, ist der Konzern doch vor allem in den wachsendenden Automärkten in den Schwellenländern gut aufgestellt und erzielt dort einen immer größeren Anteil am Gesamtumsatz.

Davon kann die Konkurrenz nur träumen. Weil gerade die brachliegenden Märkte des Südens in absehbarer Zeit nicht wieder auf das Vorkrisenniveau klettern dürften, wird der alte Kontinent laut Experten nicht um neue Werksschließungen herumkommen.

Hausaufgaben nicht gemacht

Dass Peugeot eine Fabrik in der Nähe von Paris dichtmachen und landesweit bis zu 8000 Stellen streichen will, ist für Stefan Bratzel ein längst überfälliger Schritt. Eben solche notwendigen Strukturreformen habe die französische Regierung nach der letzten tiefen Branchenkrise behindert. "Wenn man seine Hausaufgaben nicht macht, rächt sich das in der Krise", meint Bratzel.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Wirtschaft
Absatzmarkt für Autos in Europa rückläufig

Auch in Deutschland im zwei- stelligen Prozentbereich. zum Video

Video des Tages

Shopping
Shopping
Warme Strickmode für die kalte Jahreszeit
jetzt bei BONITA shoppen
Shopping
Mit dieser Mousse sehen Sie in einer Minute perfekt aus
jetzt entdecken bei asambeauty
Shopping
Glamouröse Abend-Outfits für jeden Anlass kaufen!
bei MADELEINE
Klingelbonprix.detchibo.deCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Entertain
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Telekom Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2017