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KPMG: Firmen bei Wirtschaftskriminalität zu sorglos

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Firmen bei Wirtschaftskriminalität zu sorglos

27.11.2012, 17:56 Uhr | dapd, dpa, t-online.de

KPMG: Firmen bei Wirtschaftskriminalität zu sorglos. KPMG: Die Wirtschaftskriminalität bleibt insgesamt hoch, doch Korruption geht zurück (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Wirtschaftskriminalität bleibt insgesamt hoch, doch die Korruption geht zurück (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Vor allem kleinere und mittelgroße Firmen stehen der Wirtschaftskriminalität zu arglos gegenüber. Das ist das Ergebnis einer Studie der Beratungsgesellschaft KPMG. Die Unternehmen halten zwar die Gefahr für groß, Opfer von Wirtschaftskriminalität zu werden, sehen sich aber gleichzeitig selbst ausreichend geschützt. "Das heißt, Wirtschaftskriminalität trifft immer nur die anderen", sagte Frank Weller von KPMG.

Jedes vierte Unternehmen sei jedoch in den vergangenen zwei Jahren von Wirtschaftskriminalität betroffen gewesen. Jedes Jahr gebe es 675.000 Fälle und einen Schaden von 30.000 Euro für die jeweiligen Firmen, heißt es in der Studie. Immerhin: Es findet keine Steigerung statt, das Niveau ist seit Jahren praktisch unverändert.

Täter sind oft die Angestellten

Jeder zweite Täter kommt demnach aus dem Unternehmen selbst. "Der Feind sitzt im eigenen Haus", sagte Frank Hülsberg von KPMG. Oft handele es sich um hochrangige Manager oder andere Führungspersonen, die an den richtigen Hebeln sitzen, die sie für sich missbrauchen können. Die Firmen überschätzten laut der Untersuchung die Verluste durch Datendiebstahl. Die Schäden aufgrund von Untreue, Unterschlagung und Kartellrechtsverstößen würden dagegen unterschätzt.

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Besonders gefährdet seien Mittelständler, weil dort die Beziehungen der Verantwortlichen enger seien. "Man kennt sich und man vertraut sich", erklärte Weller. Mitarbeiter könnten aber dennoch in Versuchung geraten, den Pfad des Gesetzes zu verlassen. "Dann ist Vertrauen gut, ein Mindestmaß an Kontrolle ist aber besser." Das Netz aus Vorsorge und Aufdeckung sei in großen Unternehmen besser.

Schaden auf 20 Milliarden Euro geschätzt

Dem Bundeskriminalamt zufolge entstand allein 2011 durch Wirtschaftskriminalität ein Schaden von mehr als vier Milliarden Euro in Deutschland. Darin fließen aber nur die Fälle ein, in denen es zu einer Verurteilung kommt, wie KPMG erklärte. Deshalb fassen die Berater die Definition weiter und gehen von einem Schaden in Höhe von 20 Milliarden Euro aus. Die Kosten für die interne Aufklärung seien darin aber noch nicht enthalten.

Nach wie vor wird der Studie zufolge jeder zweite Fall von Wirtschaftskriminalität nur durch Zufall entdeckt. Oft fehle das Unrechtsbewusstsein. So seien Fälle bekannt, in denen Lebensmittellieferanten ganz selbstverständlich die Preise für einzelne Geschäfte absprächen, erklärten die KPMG-Experten. Dabei sei das klar verboten. Mancher Unternehmer sage auch von sich: "Ich besteche nicht, ich mache nur Geschenke."

Gefängnisstrafen sind selten

Korrupte Manager kommen den Experten zufolge nur selten für ihre Taten ins Gefängnis, weil das deutsche Strafrecht sehr hohe Hürden für eine Verurteilung aufgestellt habe. Häufiger würden Geldstrafen nach dem Ordnungswidrigkeitenrecht verhängt.

Die Experten warnen, dass Wirtschaftskriminalität bisweilen die Existenz eines Unternehmens gefährden könne. Sie nannten als Beispiel einen Mittelständler, der in Südamerika unter Bestechungsverdacht geraten sei. Während der laufenden Ermittlungen bekomme die Firma keine Ausfuhrgenehmigung mehr und leide an massiven Umsatzeinbrüchen. "Dieses Unternehmen guckt mit offenen Augen in den Abgrund", sagte Hülsberg.

Härteres Vorgehen gegen Korruption greift offenbar

Eine gute Nachricht lässt sich aus der Studie allerdings ablesen: Die Korruption geht zurück. Alle zwei Jahre legt KPMG die Studie zur Wirtschaftskriminalität neu auf. Während vor sechs Jahren noch 33 Prozent der von Wirtschaftskriminalität betroffenen Firmen angegeben hätten, zum Opfer von Korruption geworden zu sein, sei dieser Wert schrittweise auf sechs Prozent gesunken. Gründe seien wahrscheinlich höhere Wachsamkeit, die große Präsenz des Themas in der öffentlichen Debatte und die veränderten Rechtsvorschriften.

Für die Studie hat das Umfrageinstitut TSN Emnid im Auftrag der KPMG 332 nach Branchen und Größenklassen repräsentativ ausgewählte Unternehmen nach ihrer Erfahrung mit Wirtschaftskriminalität, ihrer Risikoeinschätzung und Prävention befragt. Die Studienreihe erstellt die Unternehmensberatung nicht ohne Eigennutz. KPMG bietet selbst Dienstleistungen in diesem Bereich an, darunter eine rund um die Uhr besetzte Notruf-Nummer beim Verdacht auf Wirtschaftskriminalität und Schulungen zur Erkennung und zum Umgang mit Vorfällen.

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