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Knapp die Hälfte aller Schlecker-Frauen ist noch auf Jobsuche

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Knapp die Hälfte aller Schlecker-Frauen sucht noch Arbeit

19.01.2013, 15:16 Uhr | dapd

Knapp die Hälfte aller Schlecker-Frauen ist noch auf Jobsuche. Noch immer suchen etliche Schlecker-Frauen Arbeit (Quelle: dapd)

Noch immer suchen etliche Schlecker-Frauen Arbeit (Quelle: dapd)

Das Aus für den ehemaligen Drogerie-Riesen Schlecker schlug hohe Wellen, doch der Schrecken ist für viele ehemalige Angestellte noch immer nicht vorbei. Knapp ein Jahr nach der Pleite der Drogeriekette ist weniger als die Hälfte aller "Schlecker-Frauen" in neue Jobs vermittelt worden. "Bei uns waren insgesamt 23.400 ehemalige Mitarbeiter arbeitslos gemeldet", sagte eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit (BA). Davon hätten 9800 wieder eine Beschäftigung gefunden.

Dagegen seien 2600 aus anderen Gründen wie Mutterschaft oder Eintritt ins Rentenalter nicht mehr in der Statistik erfasst. Lediglich 115 hätten den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Insgesamt entspricht der Abgang aus der Arbeitslosenstatistik einer Quote von etwa 53 Prozent. Die Daten wurden Mitte Dezember erhoben.

Entlassungen in zwei Wellen

Deutschlands einst größte Drogeriekette musste am 23. Januar 2012 Insolvenz anmelden und ist heute weitgehend abgewickelt. Die Entlassungen folgten in zwei Wellen, eine im April und eine im Juli.

"Bei der ersten Entlassungswelle wurde eine Sozialauswahl getroffen, dadurch hat es vorwiegend jüngere und nicht so lange bei Schlecker Beschäftigte getroffen", sagte die BA-Sprecherin. Diese seien leichter vermittelbar gewesen, weshalb die Quote bei ihnen etwa 67 Prozent betrage.

Schlechte Vermittlungsquoten in früheren Hochburgen

In Nordrhein-Westfalen, wo mit 4769 Angestellten die mit Abstand meisten Beschäftigten von Arbeitslosigkeit betroffen waren, lag die Vermittlungsquote knapp unter dem Durchschnitt. Nur 1873 und damit knapp 40 Prozent stehen wieder in Lohn und Brot. Auch im Schlecker-Stammland Baden-Württemberg sieht die Quote nicht besser aus, dort wurden ebenfalls knapp 40 Prozent auf der Suche nach einem neuen Job fündig.

Neue Möglichkeiten ergaben sich für die meist weiblichen Beschäftigten vor allem im Handel. Gerade die Schlecker-Konkurrenten Rossmann und dm griffen zu. Bei Rossmann kamen 2000 ehemalige Schlecker-Mitarbeiter unter. Die Drogeriekette dm, nach der Schlecker-Pleite neuer Branchenprimus, übernahm bis Oktober 800 Beschäftigte der ehemaligen Konkurrenz.

Bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt als erwartet

Dennoch: "Die Chancen der ehemaligen Schlecker-Beschäftigten haben sich als besser herausgestellt als erwartet", sagte eine Sprecherin der BA-Regionaldirektion Hessen. Von Vorteil sei die Bereitschaft der meisten gewesen, eine Vollzeitstelle anzunehmen. Zudem hätten sie "räumliche und berufliche Mobilität" bewiesen.

Aber es gebe immer noch eine Menge zu tun - gerade vor dem Hintergrund, dass im März 2013 für die in der ersten Welle Gekündigten das geringere Arbeitslosengeld II drohe, sagte die Vorsitzende der Geschäftsführung der BA-Regionaldirektion in Baden-Württemberg, Eva Strobel, und die Ver.di-Landesbezirksleiterin Leni Breymaier.

Licht und Schatten

Der baden-württembergische Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid rechnet noch mit viel Vermittlungsarbeit. Die bisherige Bilanz zeige Licht und Schatten, sagte Schmid. Der SPD-Politiker hatte sich lange Zeit für eine Bürgschaft der Länder eingesetzt, um Schlecker und damit die Jobs zu retten.

"Dass so viele Frauen wieder eine Perspektive auf dem Arbeitsmarkt haben, ist eine gute Nachricht", räumte Schmid ein. Allerdings hätten die vergangenen Monate auch gezeigt, dass der Arbeitsmarkt nicht beliebig aufnahmefähig sei. "Die Arbeitsagenturen machen enorme Anstrengungen."

Streit in der Politik

Die gemeinsame Bürgschaft der Bundesländer scheiterte letztlich am Widerstand der FDP. Auf die Partei ist Schmid in der Angelegenheit immer noch nicht gut zu sprechen. Er warf den Liberalen vor, reine Parteipolitik betrieben zu haben, keine Wirtschaftspolitik. "Sie betrieb Profilschärfung zulasten von Frauen, denen die Schlecker-Insolvenz die Existenzgrundlage genommen hat."

Der baden-württembergische FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke entgegnete diesen Aussagen: "Wäre die FDP nicht gewesen, hätte Schmid 70 Millionen Euro an Steuergeld verbrannt." Der Minister wolle vom eigenen Versagen ablenken. Er habe bei Schlecker "nichts zustande gebracht".

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